Ehrung der Leonberger Karl-Georg-Haldenwang-Schule Auch Demokratie will gelernt sein

Teilnehmer der Preisverleihung im Stuttgarter Rathaus: Louis Meissner (Schüler der KGHS), Prof. Dr. Wolfgang Reinhart (Vizepräsident des Landtags), Theresa Schopper (Ministerin für Kultus, Jugend und Sport), Mia Albrecht (Schülerin KGHS), Timur Erdem (Schulleiter KGHS), Nils Wessel (Lehrer KGHS), Julia Meixner (Konrektorin KGHS) Foto: /Landratsamt Böblingen

Die Karl-Georg-Haldenwang-Schule in Leonberg erhält als eine von zehn Schulen im Land den Preis „Demokratie und Werte (er)leben!“. Sie trägt nun den Titel „Zukunftsschule“.

Die Karl-Georg-Haldenwang-Schule in Leonberg ist eine von zehn Schulen in Baden-Württemberg, die den zum ersten Mal vergebenen Preis „Demokratie und Werte (er)leben!“ erhalten hat. Dafür musste sie sich gegen insgesamt 72 weitere Bewerberinnen durchsetzen. Dieser Schulpreis wird von der Karl-Schlecht-Stiftung und der Hopp-Foundation gefördert und vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung sowie vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg vergeben.

 

Der Schulpreis ist mit Geld- und Sachpreisen in Höhe von insgesamt 30 000 Euro dotiert. Die zehn Preisträgerschulen erhalten je 1000 Euro. Alle 62 weiteren Schulen, die sich beworben hatten, bekommen 300 Euro. Eine Jury aus Michael Blume, dem Landes-beauftragten gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben sowie Vertreterinnen und Vertretern der Landeszentrale für politische Bildung, der Hopp-Foundation, der Karl-Schlecht-Stiftung, des Studienhauses Wiesneck, der Pädagogischen Hochschule Weingarten und des Landesschülerbeirats haben die zehn Schulen ausgewählt.

Orientierungshilfen für Demokratiebildung

„All diese Schulen sind Keimzellen für gute Praxis demokratischer Arbeit“, zeigte sich Kultusministerin Theresa Schopper voll des Lobes bei der Preisverleihung im Stuttgarter Rathaus. „Sie sind Orientierungshilfen und Vorbilder dafür, wie Demokratiebildung ganzheitlich im Schulleben verankert werden kann.“ Als sichtbares Zeichen dieser Anerkennung schmückt nun eine weiße Tafel mit der blauen Aufschrift „Zukunftsschule“ das Schulgebäude.

Eine weitere Preisträgerschule aus dem Landkreis Böblingen ist das Stiftsgymnasium in Sindelfingen. Die Karl-Georg-Haldenwang-Schule (KGHS) in der Trägerschaft des Landkreises ist das einzige Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, das sich dem Wettbewerb gestellt hat. Und das macht Landrat Roland Bernhard natürlich stolz: „Auch der Landkreis Böblingen steht für Demokratie, Vielfalt und Freiheit“, sagt er und gratuliert der KGHS zum Schulpreis. Die Schule leiste ausgezeichnete Arbeit, lebe aktiv Demokratie und setze damit ein starkes Zeichen für eine demokratische Zukunft.

Nicht minder stolz ist der Schulleiter der Karl-Georg-Haldenwang-Schule, Timur Erdem: „Damit wird honoriert, wie wir Demokratiebildung in den Mittelpunkt des Schullebens, Lernens und Lehrens stellen. Wir bereiten unsere Schülerinnen und Schüler auf eine selbstbestimmte und teilhabeorientierte Zukunft vor, was unmittelbar mit Demokratie und Wertebildung zusammenhängt.“

Schülerinnen und Schüler auf Demokratie und Wertebildung vorbereiten

Die Karl-Georg-Haldenwang-Schule ist eine öffentliche Schule für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung. Hier gibt es den vierjährigen Besuch der Grundstufe sowie eine fünfjährige Hauptstufe. Im Anschluss besuchen die Schüler in der Regel drei Schuljahre lang die Außenstelle Berufsschulstufe (fünf Klassen) wo sie auf einen Beruf vorbereitet werden. Die KGHS ist eine Ganztagseinrichtung, die auch sieben Kooperationsklassen in Rutesheim, Renningen, Hirschlanden und Leonberg hat. Die Klassen richten sich nach dem Stundenplan der jeweiligen Kooperationsschule.

„Unsere Schülerinnen und Schüler sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Fähigkeiten und Talenten“, sagt Timur Erdem. Die Schule zeige ihnen Wege auf, wie sie trotz ihrer Einschränkungen vorhandene Kompetenzen einbringen und neue ausbauen können. In den Klassen und Lerngruppen unterschieden sich die Schüler nicht nur hinsichtlich ihrer Lernvoraussetzungen, sondern auch in Bezug auf ihre unterschiedlichen kulturellen und sozialen Prägungen. „Heterogenität und Verschiedenheit verstehen wir als Bereicherung“, sagt der Schulleiter. Zur Ausbildung eines Demokratieverständnisses sind fächerübergreifende Angebote wie der Klassenrat und besondere Projekttage zu ausgewählten Themen fest im Schulalltag verankert. Wie etwa die jüngste Kooperation mit dem Verein Mehr Demokratie, bei der ihm Rahmen eines Workshops die erstmalige Beteiligung von 16-Jährigen an der Kommunalwahl das Thema war.

„Eine zentrale Rolle spielt die Schülermitverantwortung (SMV), und ihr Wirken ist ein wichtiger Faktor im Demokratieverständnis unserer Schülerschaft“, sagt der Schulleiter. Aber auch der partizipative Führungsstil gehöre dazu, ist sich der Schulleiter sicher, und das Einbinden der 72 Lehrkräfte die die 163 Schüler im Alter zwischen sechs und 20 Jahren in 25 Klassen begleiten.

„Der Umgang mit der eigenen Behinderung ist für Schülerinnen und Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung ein wichtiger Schlüssel für die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit“, sagt Erdem. „Für die eigenen Rechte und Wünsche einzustehen müssen unsere Schüler ebenso lernen, wie die Erfahrung machen, dass ihre Meinungen und Ansichten gehört werden“, sagt der Schulleiter.

Netzwerk von 72 Schulen zur Demokratiebildung

„Auch unsere Schüler sind auf der Suche nach sich selbst und ihrem Platz in der Gesellschaft, und da es auch ihnen schwerfällt, besteht die Gefahr, dass sie scheinbar einfache Lösungen komplexer Sachverhalte übernehmen und somit Opfer populistischer Meinungsmache werden“, weiß Timur Erdem. Da setze nun der Bildungsansatz der Schule an. „Durch thematisch passende und niederschwellige Unterrichtsangebote ermöglicht die Karl-Georg-Haldenwang-Schule den jungen Menschen einen Zugang zu gesellschaftlich relevanten Informationen und das ist unser Beitrag zur Demokratiebildung insgesamt.“

Der an die Preisverleihung anschließende Fachtag zur Demokratiebildung war zugleich der Startschuss für ein Netzwerk, in dem sich unter anderem die 72 Schulen künftig zusammenschließen und somit die Demokratiebildung stärken wollen. Die Schulen des Netzwerks tauschen sich zum Beispiel über eigene Erfahrungen, gelungene Projekte und neue Herausforderungen sowie konkrete Umsetzungsformen von Demokratiebildung aus.

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