Vor über 30 Jahren wurde bei seiner Frau Multiple Sklerose diagnostiziert – seither macht sich Dietmar Lieb stark für MS-Betroffene. Für sein großes Engagement wurde er nun geehrt.

Rems-Murr: Sascha Sauer (sas)

Es war ein einschneidendes Erlebnis, welches das Leben von Dietmar Lieb nachhaltig prägte: Im Jahr 1990 erhielt seine Frau Petra die Diagnose Multiple Sklerose (MS) – seitdem setzt er sich unermüdlich für Menschen mit MS ein, kämpft für mehr Aufklärung, Unterstützung und Solidarität.

 

Dieser Tage ist Dietmar Lieb, der aus Kernen (Rems-Murr-Kreis) stammt, für seinen großen Einsatz eine besondere Ehre zuteil geworden: Der 59-Jährige wurde mit der Amsel-Statue ausgezeichnet. Sie wird vom Verein Amsel (Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg) nur an jene verliehen, die sich in außergewöhnlichem Maß ehrenamtlich einbringen. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereins wurde ihm diese übergeben.

Die Krankheit MS ist gut behandelbar – aber nicht heilbar

Mit dem Thema Multiple Sklerose setzt sich Dietmar Lieb nicht von ungefähr auseinander. Bei seiner Frau Petra wurde die chronisch-entzündliche neurologische Autoimmunerkrankung bereits 1990 diagnostiziert. Als Angehöriger kennt er die Herausforderungen, die die MS täglich stellen kann. Eine Krankheit, die mittlerweile gut behandel-, aber nicht heilbar ist. Eine Krankheit, deren Symptome von Taubheitsgefühlen über Seh-, Koordinations- und Konzentrationsstörungen, Mobilitätseinschränkungen bis hin zu Lähmungen reichen kann.

Petra und Dietmar waren damals bei der Diagnosestellung weder verheiratet noch hatten sie irgendwelche Berührungspunkte mit Multipler Sklerose gehabt. Rückblickend spricht Dietmar Lieb von einem „Ehrenamt als Selbstzweck“, um der Isolation zu entgehen. „Schon die ersten Gespräche in der Gruppe waren toll, wir haben viel erfahren von den anderen“, sagt er.

Bei der Mitgliederversammlung gab es lang anhaltenden Applaus für Dietmar Lieb, er ist nach nahezu 20 Jahren aus dem Vorstand verabschiedet worden. Seit 2006 war er dort als Vertreter der Kontaktgruppen tätig gewesen, seit 1995 ist er bereits zusammen mit seiner Frau ehrenamtlich in der Kontaktgruppe Waiblingen/Remstal aktiv.

Für sein beeindruckendes Engagement hat Dietmar Lieb bereits zahlreiche Auszeichnungen in der Vergangenheit erhalten:

  • 2004 die Goldene Ehrennadel der Amsel
  • 2009 die Goldene Ehrennadel der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. (DMSG)
  • 2021 den Ehrenamtspreis der Bürgerstiftung Kernen, eine der wichtigsten Auszeichnungen, die in der Gemeinde verliehen werden.

Kontaktgruppe für Multiple-Sklerose-Betroffene bis 40 Jahre

Adam Michel, der Vorsitzende der Amsel, würdigte Dietmar Lieb in seiner Laudatio als einen solidarischen Mitstreiter seit Jahrzehnten: „Wenn du gebraucht wurdest, warst du da.“ Beigetreten ist er dem gemeinnützigen Verein im Jahr 1995, gemeinsam mit seiner Ehefrau Petra. Von da an bis ins Jahr 1999 leitete das Paar die Junge Initiative der Amsel-Kontaktgruppe Waiblingen/Remstal, die sich speziell an MS-Betroffene bis 40 Jahre richtet. Seitdem haben die Eheleute die Leitung der Kontaktgruppe inne.

Bis heute sind die Liebs die Ansprechpartner für etwa 300 MS-Betroffene und deren Angehörige aus dem Remstal, geben Hilfestellung in sämtlichen Belangen rund um die Erkrankung. Heute sind es Petra und Dietmar Lieb, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen an andere weitergeben. Und sie wissen aus eigener Erfahrung, wie wertvoll dieser Beistand für Betroffene ist. „Man sieht, dass man nicht allein mit der MS ist“, sagt Dietmar Lieb, der zeigt und lebt, wie wichtig die Selbsthilfe ist.

Eine Übersicht über alle regionalen Ansprechpartner und Angebote der Gruppen gibt es auf: www.amsel.de/regional.