Mit Erstaunen holte Klaus Philippscheck kürzlich einen Brief des baden-württembergischen Staatsministeriums aus dem Briefkasten. Post vom Ministerpräsidenten des Landes erhält der 82-Jährige nicht alle Tage. Noch verblüffter war Philippscheck über das, was in dem Schreiben stand: Am kommenden Samstag erhält Klaus Philippscheck im Neuen Schloss Stuttgart aus den Händen von Winfried Kretschmann das Bundesverdienstkreuz.
„Ich war total überrascht, als ich las, dass ich geehrt werden soll. Die Bemühungen der Stadt Sindelfingen liefen alle im Hintergrund. Ich habe überhaupt nichts mitbekommen“, erklärt Philippscheck. Er habe sich gefreut darüber, dass sein jahrzehntelanges Engagement diesen Anklang gefunden habe. „Mir würde schon reichen, wenn mein Tun weiter wahrgenommen wird. Niemals hätte ich für möglich gehalten, mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt zu werden. Ich freue mich aber umso mehr“, betont der Sindelfinger.
Eine Stadt braucht ein eigenes Antlitz
Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der ehemalige Lehrer der Klostergarten- und Hinterweil-Realschule mit der kulturhistorischen Identität Sindelfingens. Unermüdlich setzt sich der Heimathistoriker und Zeichner für ein Sindelfingen mit Wiedererkennungswert ein. „Ich war und bin immer der Meinung: Die Stadt braucht städtebaulich ein Alleinstellungsmerkmal. Nur zu sagen, wir sind eine Industriestadt, reicht bei der Historie, die man finden kann, nicht aus. Hier fehlt Sindelfingen etwas“, ist der pensionierte Geschichtslehrer überzeugt.
Unzählige Projekte in der Innenstadt hat Philippscheck gesehen. Bei den vielen brachte er sich in irgendeiner Weise ein. Seinen Antrieb, sich stetig einzumischen, beschreibt der 82-Jährige so: „Wenn ich Neubauten sehe, denke ich oft, die könnten auch in Böblingen, Ehningen oder Nufringen stehen. Das hat oft nichts Identitätsstiftendes und ist austauschbar. Ich appelliere immer an Stadtverwaltung und Architekten, die Stadthistorie mitzudenken.“
Meilensteine der Sindelfinger Stadtgeschichte
Seine Beharrlichkeit mag in den vergangenen 50 Jahren bei manchem im Rathaus auch für das eine oder andere Kopfschütteln gesorgt haben. Dennoch ist klar: Philippschecks Engagement hat etwas bewirkt. Sowohl bei der Entstehung der Biennale als auch bei der Einrichtung des Webereimuseums, oder der Konzipierung der Schnödenecksiedlung-Ausstellung hat Philippscheck seinen Beitrag geleistet. Als Einzelkämpfer fühlte sich der in den 1980er Jahren auch in der Friedensbewegung aktive Pädagoge aber nie: „Es hat viele Personen gegeben, die an verschiedenen städtebaulichen und kulturhistorischen Projekten mitgearbeitet und sich um die Stadt verdient gemacht haben.“
Begleitet zur Verleihung und dem Empfang im Neuen Schloss wird der gebürtige Posener unter anderem von seiner Frau. Philippscheck wird dort Gelegenheit haben, mit dem Ministerpräsidenten ein Schwätzchen zu halten. „Ich weiß, dass Herr Kretschmann einzeln zu uns kommen wird und wir kurz sprechen können“, freut sich der Sindelfinger. Die Ehrung, die 15 weitere Personen aus dem Ländle erhalten, sieht Philippscheck nicht nur als Anerkennung für sein bisheriges Tun, sondern auch als Anstoß dafür, weiterzumachen. Mit der Umgestaltung der Unteren Planie steht bereits das nächste Projekt an, bei dem er sich einbringen möchte. „So lange es Körper und Geist mitmachen“, kündigt der Geehrte an.