Ehrung in Leinfelden-Echterdingen Mal Grande Dame, mal Amazone

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Die SPD-Politikerin Liesel Hartenstein ist mit der Bürgermedaille der Stadt Leinfelden-Echterdingen geehrt worden. Sie hat kommunalpolitische Geschichte geschrieben.

Oberbürgermeister Roland Klenk hat Liesel Hartenstein mit der Bürgermedaille der Stadt L.-E. ausgezeichnet. Foto: Günter Bergmann
Oberbürgermeister Roland Klenk hat Liesel Hartenstein mit der Bürgermedaille der Stadt L.-E. ausgezeichnet. Foto: Günter Bergmann

Echterdingen - Die Frau hat Geschichte geschrieben, sozusagen die Echterdinger Welt auf den Kopf gestellt: Liesel Hartenstein eroberte im Jahr 1968 einen Sitz im Gemeinderat der damals noch selbstständigen Fildergemeinde quasi im Sturm. Sie war die erste Frau, die in diese Männerdomäne eindrang.

Zwei Jahre später trat die aus dem Hohenlohischen stammende promovierte Lehrerin der SPD bei. Hans Huber, ihr Entdecker und noch immer amtierender Freie-Wähler-Stadtrat, scheint ihr das – augenzwinkernd – bis heute nicht ganz verziehen zu haben. „Mir war mein bestes Pferd aus dem Stall gelaufen. Für die SPD war’s der schönste Tag“, blickt Huber zurück.

22 Jahre im Bundestag

Hartenstein macht anschließend Karriere, sitzt erst im Kreistag, dann von 1976 bis 1998 für die Sozialdemokraten im Deutschen Bundestag und kehrt 1999 für weitere fünf Jahre zu ihren Wurzeln, in den Gemeinderat der Stadt Leinfelden-Echterdingen, zurück.

Anekdoten machen am Dienstag die Runde bei der Feier zur Verleihung der Bürgermedaille, ebenso ein Flugblatt, das die „großen organisatorischen und sozialen Aufgaben“ der lokalen Schulpolitik ebenso thematisiert wie die „Verkehrsüberflutung mit Lärm, Abgasen und ständigen Gefahren für unsere Kinder“. Beide Aussagen stammen von Liesel Hartenstein. So aktuell sie klingen, so alt sind sie dennoch: sie stehen in ihrer Wahlbroschüre von 1968.

Schutz der Filder

Im Beisein langjähriger Weggefährten würdigt Oberbürgermeister Roland Klenk das Wirken der Sozialdemokratin, der trotz vielfältiger bundespolitischer Aktivitäten „der Schutz der Filderregion, ihrer Bevölkerung und Umwelt am Herzen lag“. Ausdruck dessen sei Hartensteins 25 Jahre währendes Engagement als Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder. Während dieser Zeit habe sie sich gegen eine Expansion des Flughafens gestemmt, sich unermüdlich für eine Verminderung des Fluglärms eingesetzt, und später auch gegen den Bau der Landesmesse gekämpft, zählt der OB auf.

Klenk charakterisiert die Geehrte als Persönlichkeit mit der Fähigkeit, sich nicht einer besseren Einsicht zu verschließen. „Zwischen Grande Dame und Amazone – Sie beherrschen alle Rollen“, sagte der Oberbürgermeister.

„Geradlinig und unerschrocken“

„Geradlinig und unerschrocken hast Du für Deine Überzeugung gekämpft“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Erich Klauser, beim Empfang, der mit Rücksicht auf Hartensteins Gesundheit in deren Haus stattfindet. „Solche Mitbürgerinnen und Mitbürger braucht eine Gesellschaft“, sagt Klauser. „Dass Liesel Hartenstein die Ehrung erhält, freut uns Sozialdemokraten.“

„Die Kommunalpolitik ist die Mutter der Politik“, sagt die Geehrte, „denn nirgendwo sonst kann man so viel direkt bewirken.“ Die Bürgermedaille will sie nicht für sich allein in Anspruch nehmen. „Im Grunde ist das eine Auszeichnung für eine Gemeinschaftsleistung. Allein kann man nichts ausrichten in der Politik“, sagt Liesel Hartenstein betont bescheiden.




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