Eichenhain-Streit in Stuttgart-Sillenbuch Wo dürfen die Kinder nun hin?

Von Caroline Holowiecki 

Im Streit um das Naturschutzgebiet Eichenhain in Stuttgart-Sillenbuch deutet sich ein Kompromiss an. Die Stadt hat sich für die Kinder etwas ausgedacht, statt sie gänzlich zu verbannen. Doch ist das auch praktikabel?

Um Kinder, die im Eichenhain spielen, ist eine Debatte ausgebrochen. Foto: Archiv
Um Kinder, die im Eichenhain spielen, ist eine Debatte ausgebrochen. Foto: Archiv

Sillenbuch Noch ist das abschließende Schreiben aus dem Regierungspräsidium Stuttgart nicht bei der evangelischen Kirchengemeinde Sillenbuch im Briefkasten gelandet. Im Eichenhain-Streit stehen die Zeichen aber auf Kompromiss. Offenbar ist das drohende Pausen-Verbot für die Kinder, die im Waldheim der Kirchengemeinde ihre Ferien verbringen, abgewendet. -

Zur Erinnerung: Das städtische Amt für Umweltschutz wollte Betreuern und Kindern untersagen, im nahen Eichenhain ihre Siesta im Schatten der Bäume auf Decken zu verbringen, wie sie es schon seit Jahrzehnten tun. Es handelt sich nämlich um ein Naturschutzgebiet, daher sind grundsätzlich Handlungen verboten, die zu einer Beschädigung, Beeinträchtigung oder nachhaltigen Störung führen können, wie es im Amtsdeutsch heißt. Die Kirchengemeinde wiederum fürchtete um die Existenz der beliebten Ferienbetreuung und hat beim Regierungspräsidium einen Antrag auf Befreiung gestellt.

Holzpflöcke sollen das Kinderreich markieren

Laut Klaus Offterdinger, dem Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, hat das städtische Amt für Umweltschutz nun aber signalisiert, drei Spezialbereiche im Grünen für die Waldheim-Kinder ausweisen zu wollen. Gemeinsam mit dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt werde man eine Gesamtfläche von etwa 1000 Quadratmetern mit Holzpflöcken markieren. In diesem Bereich werden die Mädchen und Jungen dann ihre Mittagspause abhalten dürfen. Auch sei die Sicherheit der alten Bäume dort gegeben. Zudem sind am vergangenen Wochenende die Waldheim-Mitarbeiter in Sachen Naturschutz vom Fachamt geschult und sensibilisiert worden.

Klaus Offterdinger wertet gerade die Schulung als „sehr positiv. Es geht in eine gute Richtung. Wir wollen kooperieren“. Er betont: Kein Kind werde in diesem Sommer abgewiesen. Wie praktikabel die Lösung mit den Holzpflöcken sei, das müsse sich indes im Realbetrieb herausstellen. Das Waldheim beginnt am 29. Juli, und „man kann es sich erst vorstellen, wenn auf den Flächen gemäht wurde“, sagt Klaus Offterdinger. Inwiefern und ob die Kinder im Eichenhain noch spielen dürfen, ist bis dato unklar. Hierzu müsse der Bescheid des Regierungspräsidiums abgewartet werden. Was Klaus Offterdinger indes bereits vom Amt für Umweltschutz erfahren hat: Künftig wird es an den Wochenenden im Eichenhain Kontrollen geben. Denn nicht nur spielende Kinder hat die Stadt im Blick, sondern auch Ohne-Leine-Gassigeher, Querfeldein-Radler oder Picknick-Gruppen.

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