Eichenprozessionsspinner im Kreis Ludwigsburg Giftige Raupen werden zur Gefahr

Von Stefanie Köhler 

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich aus – auch im Strohgäu sowie im ganzen Kreis Ludwigsburg. Die Raupen der Schmetterlinge können für Menschen gefährlich sein, weil ihre Haare giftig sind. Die Kommunen reagieren. Dagegen bleibt der Schädling im Wald unbehelligt.

Vorsicht, giftige Haare: Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners kriecht auf einem Eichenstamm entlang. Foto: dpa
Vorsicht, giftige Haare: Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners kriecht auf einem Eichenstamm entlang. Foto: dpa

Strohgäu - Hautausschläge mit starkem Juckreiz, Bläschen, Atemnot, Bindehautentzündungen: Der Eichenprozessionsspinner ist für Menschen so gefährlich wie verbreitet. Die Kommunen sind alarmiert und setzen überall dort Chemie ein, wo sich viele Menschen aufhalten: auf Spielplätzen und Friedhöfen, an Schulen, in Parks.

Kritisch sind die Raupen der Schmetterlinge. Ihre feinen Härchen – die Brennhaare, wovon jedes Tier etwa 600.000 hat – enthalten ein Nesselgift (Thaumetopoein). Jene Haare bilden sie in diesen Tagen, im dritten Larvenstadium, aus. Sie brechen leicht ab und verteilen sich. Auch wenn sich die Raupen gehäutet haben, bleiben unzählige Haare in den Nestern zurück, die sich dann zum Beispiel mit dem Wind verteilen. „Die Gifthaare können zu Hautreizungen, Augen- oder Atemwegserkrankungen sowie bei besonders empfindlichen Menschen zu einem anaphylaktischen Schock führen“, warnt das Landratsamt Ludwigsburg.

Kommunen geben viel Geld aus

Die Raupen unschädlich zu machen und die Nester zu beseitigen, kostet die Kommunen einiges. Ditzingen spritzt seit vielen Jahren vorbeugend biologische Biozide. „Die Raupen nehmen den Wirkstoff auf, indem sie die behandelten Blätter fressen. Dadurch werden lebenswichtige Entwicklungsprozesse gehemmt“, sagt Hans-Jörg Krumrein von der Abteilung Umwelt und Stadtplanung. Das Mittel schade dabei weder Bienen noch Nützlingen. Dieses Jahr gab die Stadt rund 3400 Euro aus, um circa 120 Bäume zu behandeln. Zuletzt entfernte der Bauhof an einer Eiche an einer Feldwegkreuzung in Schöckingen Nester. Grundsätzlich würden Gespinste abgeflammt oder abgesammelt.

Auch Gerlingen ergreift präventive Maßnahmen. Im Innenstadtgebiet seien etwa Kindergärten und Schulen mit einem biologischen Spritzmittel behandelt worden, teilt eine Sprecherin mit. Es sei unbedenklich für Menschen und hindere die Raupen daran, sich zu häuten. „Sobald ein Befall vorliegt, bekämpfen wir die Nester mit Heißdampf. Er lässt das Eiweiß zerfallen und bewirkt, dass die Härchen nicht mehr giftig sind.“ Voriges Jahr betrugen die Kosten dafür 10.000 Euro.

Eine Strohgäu-Kommune kam glimpflich davon

Mehrere Tausend Euro im Jahr kostet der Eichenprozessionsspinner auch Korntal-Münchingen. Befallen seien die Kleingartenanlage Grenzacker sowie der Spielplatz Höhenweg und der Friedhof in Korntal. „Nach einer Sichtung warnen wir, sperren ab und beauftragen eine Fachfirma“, sagt die Sachgebietsleiterin für Umwelt-, Klima- und Naturschutz, Angelika Lugibihl. Ein Ortstermin habe bereits stattgefunden, der Auftrag werde „entsprechend der Auftragslage“ abgearbeitet.

Hemmingen kam bislang glimpflich davon: Laut dem Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) musste die Feuerwehr nur auf einem Spielplatz eine Eiche von Gespinsten befreien – mit Einmalschutzanzügen und Atemmasken.

Die Tiere können Bäume kahl fressen

Indes bleiben die Tiere in den hiesigen Wäldern verschont – obwohl sie dort viel Lebensraum finden: Eichen sind mit einem Anteil von 34 Prozent die häufigste Baumart auf der Gemarkung des Landkreises. Im Revier des Försters Steffen Frank habe an der Südseite jede Alteiche mindestens ein Gespinst. Trotzdem müsse man den Eichenprozessionsspinner, der als Schädling gilt, aus Gründen des Waldschutzes nicht bekämpfen: „Die Tiere sind zu wenige, um die Bäume kahl zu fressen.“ Trockene Sommer und zu wenig Regen machten den Bäumen deutlich mehr zu schaffen. Und: „Die Chemiekeule steht in keiner Relation zum Erfolg. Da müsste man flächendeckend mit dem Hubschrauber drüber“, sagt Steffen Frank.

Laut dem Landratsamt werden im Wald „nur Bereiche mit Erholungseinrichtungen“ beobachtet. Bei Bedarf werde der Fachbereich Forsten aktiv. Die Behörde rät Waldbesuchern, Abstand von befallenen Bäumen zu halten und die Haut mit Kleidung zu schützen. Nester sollten ausschließlich Experten entfernen.

Was tun, wenn man betroffen ist?

Betroffene sollten duschen, die Haare waschen und die Kleidung in die Waschmaschine stecken. Kühlen sowie antiallergische und kortisonhaltige Präparate linderten Beschwerden. Bei allergischen Reaktionen sollte man zum Arzt gehen.

Die Nachtfalter kommen aus dem Mittelmeerraum und breiten sich seit Jahren in ganz Deutschland aus. „Warme Sommer, milde Winter – den Schmetterling haben wir uns mit der Klimaveränderung eingehandelt“, sagt der Förster Steffen Frank. Er prophezeit: „Den Burschen werden wir nicht mehr los.“ Die Experten des Landratsamts rechnen aufgrund der trocken-warmen Witterung im vorigen Jahr mit einem „erhöhten Auftreten“ des Insekts in diesem Jahr.