Eichenprozessionsspinner in Stuttgart Pflanzenöl gegen die Schädlinge

Von Armin Friedl 

Hautreizungen und Atemnot: Auch in den Wäldern rund um Stuttgart lauert die Gefahr der Eichenprozessionsspinner. Wir geben Tipps, was Betroffene tun können.

Eichenprozessionsspinner haben  giftige Brennhaare. Foto: dpa
Eichenprozessionsspinner haben giftige Brennhaare. Foto: dpa

Stuttgart - Wer sich in die Gefahrenzone begeben hat, bemerkt es erst zu spät: Kurzatmigkeit oder rote, juckende Hautpusteln sind meist das Resultat einer ungewollten Begegnung mit dem Eichenprozessionsspinner. Diese Beschwerden können auch heftiger ausfallen. Vor allem jetzt in den Monaten Juni bis August können solche unangenehmen Kontakte schon mal vorkommen.

Vorsicht unter Eichenbäumen

Auch in Stuttgarts Wäldern und Parks lauert jetzt die Gefahr. Das Gartenamt weiß darum. Schon seit 2009 werden von Ende April an bis Mitte Mai die Eichenbäume mit einer wässrigen Lösung aus Neemöl bei trockener und windstiller Witterung besprüht. Für Mensch und Tier sei dieses rein pflanzliche Mittel ungefährlich, so das Gartenamt, die betroffenen Areale könnten nach dem Besprühen wieder betreten werden. Ganz verhindern lässt sich diese Plage damit allerdings nicht, einzelne Gespinste bleiben meist in einigen wenigen Bäumen noch übrig, die werden dann mit einem Spezialsauger entfernt.

„Der Schwerpunkt unserer Bekämpfung liegt im Bereich von Schulen, Schwimmbädern, Kindergärten, in stark frequentierten Straßen sowie in Grün- und Sportanlagen“, sagt Annette Hasselwander vom Gartenamt. Schwerpunkte gebe es nicht in der Stadt, prinzipiell sei in diesen Wochen in allen Stadtteilen mit dem Eichenprozessionsspinner zu rechnen. Und, so Hasselwander: „In naturnahen Gebieten wie Waldflächen, Natur- und Landschaftsschutzgebieten erfolgt keine Bekämpfung. Empfindliche Personen sollten deshalb beim Betreten dieser Gebiete auf eine möglichst komplette Hautabdeckung achten und Flächen mit befallenen Eichen in den Monaten Juni bis August weitgehend meiden.“

Giftige Brennhaare

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter, der hier schon seit vielen Jahrhunderten heimisch ist. Bereits im Spätsommer legt er seine Eier auf den Zweigen von Eichen ab. Für den geplagten Menschen ist jetzt das Raupenstadium interessant, das Ende April bis Anfang Mai mit dem Schlüpfen aus den Eiern beginnt. Die Raupen ernähren sich von Eichenblättern und überziehen so in langen Prozessionen – daher ihr Name – ganze Stämme und Äste, um so auch an andere Eichen zu gelangen. Und in ihrem dritten Larvenstadium bilden sie ebenjene giftigen Brennhaare aus, die ein Nesselgift enthalten. Diese Haare brechen leicht, verteilen sich bei entsprechender Witterung und lösen so bei empfindlichen Menschen juckende und entzündliche Reaktionen der Haut, der Augen und der Atemwege aus.

Es gibt auch andere Raupen- und Mottenarten, die sich auf bestimmte Bäume oder Sträucher spezialisiert haben, doch diese sind für den Menschen ungefährlich. Die Larven des Eichenprozessionsspinners können bis zu fünf Zentimeter lang werden, erkennbar sind sie an ihrer grau-schwarzen Färbung, die Behaarung jetzt in diesen Wochen ist auffallend hell.

Eichenprozessionsspinner gelten übrigens als Schädlinge, da sie Kahlfraß verursachen. Aus forstwirtschaftlichen Gründen gibt es derzeit aber keine Rechtfertigung, die Population durch Bekämpfung zu regulieren, etwas anderes sind die gesundheitlichen und hygienischen Gründe dort, wo unmittelbar Menschen leben.

Heiß duschen und Haare waschen

Das Gartenamt gibt deshalb für diese Wochen folgende Empfehlungen: Der beste Schutz vor den Brennhaaren ist natürlich, betroffene Gebiete zu meiden. Bevor man sich unter eine Eiche begibt zum Ausruhen oder für ein Picknick, sollte man gut prüfen, ob sich in diesem Baum entsprechende Nester befinden. Und diese Nester und Raupen sollten natürlich nicht berührt werden.

Hundehalter sollten bedenken, dass auch ihre Vierbeiner allergisch auf die Brennhaare reagieren können. Die Bekämpfung der haarigen Raupen sollte Fachleuten überlassen werden. Laien gefährden damit ihre Gesundheit.

Und ist der Kontakt mit den Raupenhaaren nun einmal zustande gekommen, gilt: Sofort die Kleider wechseln, heiß duschen und die Haare waschen. Die Kleidung mit mindestens 40 Grad Celsius waschen. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika, die sich ja auch bei Insektenstichen bewähren. Treten allergische Symptome auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der auf den möglichen Kontakt mit Raupenhaaren hingewiesen wird.

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