Autsch, das ist richtig fies! Wer je in Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner kam, weiß das. Die Haare der heranwachsenden Raupen sind giftig und können bei Hautkontakt Auslöser von juckenden, entzündlichen Reaktionen sein. Sie werden Brennhaare genannt, haben Widerhaken und enthalten das lösliche Eiweiß Thaumetopoein. Deshalb wurde jüngst in Erdmannhausen ein Areal nahe des Jugendhauses Calypso abgesperrt. Dort waren am vergangenen Freitag die Tiere am Stamm einer Eiche nahe des Beachvolleyballfeldes gesichtet worden.
„Weil das gleich unten am Stamm ist, und hier viele Kinder unterwegs sind, mussten wir etwas tun“, betont der Bauhofleiter Mark Seigfried. Deshalb wurde der Bereich großräumig abgesperrt: Der Baumstamm mit Baken und drumherum noch Absperrband samt Hinweisschilder.
„Kein vermehrtes Vorkommen in diesem Jahr“
Als wärmeliebende Art tritt der Eichenprozessionsspinner im geschlossenen Wald seltener auffällig in Erscheinung, heißt es seitens des Landratsamtes Ludwigsburg. „Bevorzugt sind frei stehende, besonnte Eichen am Waldrand, in Parks und Gärten oder auf Sportplätzen und Ähnlichem.“ Zumindest, was den Kommunalwald, den der Fachbereich Wald betreut, und an den angrenzenden Grillstellen und Spielplätzen kann das Landratsamt Entwarnung geben: „Hier gibt es in diesem Jahr kein vermehrtes Vorkommen der Raupen des Eichenprozessionsspinners.“
Die Haare der Raupen sind das Problem: Sie lösen bei Hautkontakt die unangenehmen Reaktionen aus. „Es kann sogar so weit gehen, dass, wenn die Raupen beunruhigt sind, ihre Haare abbrechen und mit der Luft über weite Strecken getragen werden werden“, sagt Andreas Fritz von der Pressestelle des Landratsamtes. „In den sogenannten Gespinstnestern, in denen sich die Raupen tagsüber aufhalten, häuten und verpuppen, sind stets große Mengen dieser Haare vorhanden. Sie können noch Jahre nach ihrer Bildung bei längst verlassenen Nestern Hautreizungen auslösen.“
Die hauptsächliche Gefährdung durch die Raupenhaare dauert von Mitte Mai bis in den späten Herbst, teilt der Sprecher des Landratsamtes Ludwigsburg mit. In Erdmannhausen waren die Eichenprozessionsspinner bislang eher von Juli an ein Problem. „Dieses Jahr sind sie aufgrund der Witterung wohl früher dran“, sagt der Bauhofleiter
„Aus gesundheitlich-hygienischen Gründen sind Gegenmaßnahmen dort angeraten, wo Raupennester unmittelbar im Bereich von Häusern, Wegen, Parkplätzen sowie Erholungs- und Sportanlagen zu finden sind“, heißt es aus dem Landratsamt. Und weiter: „Der wirksamste Schutz vor den stark reizenden Haaren ist die Vermeidung der befallenen Areale. Gegebenenfalls müssen diese Bereiche gesperrt und Warnschilder angebracht werden. Wenn eine Sperrung nicht möglich ist, müssen die Raupen von einer Fachfirma mechanisch entfernt werden.“
Alle Eichen an den Spiel- und Sportplätzen kontrolliert
Das ist auch in Erdmannhausen geplant. Die Verwaltung ist bereits in Kontakt mit einer Firma, die den unliebsamen Tieren zu Leibe rückt. Sie soll in den nächsten Tagen ans Werk gehen. „Wir haben zudem alle Eichen bei unseren Spiel- und Sportplätzen auf den Prozessionsspinner kontrolliert“, sagt Seigfried. Auch am Sportplatz wurde weiter oben in einem Baum ein Nest gefunden. Auch dieses wird die Firma entfernen.
Hintergrund ist, dass die Falter nach dem Schlüpfen irgendwann wieder an ihren Ursprungsort zurückkommen, um ihre Eier abzulegen. Bauhofleiter Mark Seigfried erklärt: „Wenn wir die Nester immer wieder weg machen, haben wir hoffentlich wieder für eine Weile Ruhe vor dem Eichenprozessionsspinner.“ In den vergangenen Jahren sei das in Erdmannhausen der Fall gewesen.