Eichhörnchen, Vögel und Co. Wie Stuttgart im Winter ein Herz für Tiere zeigen kann

Die charmanten kleinen Nager halten keinen Winterschlaf und müssen für den Winter vorsorgen. Foto: Unsplash/Pure Julia
Die charmanten kleinen Nager halten keinen Winterschlaf und müssen für den Winter vorsorgen. Foto: Unsplash/Pure Julia

Die längsten Nächte des Jahres sind da, die Temperaturen fallen, die Nahrung schwindet: Das kann jeder Stuttgarter tun, um all die wunderbaren Tiere der Stadt gut durch den Winter zu bringen.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart – In der Stuttgarter Fauna geht es bunt, vielfältig und durchmischt zu. Unzählige Tiere haben die Stadt zu ihrer Heimat auserkoren. Und das Spannende ist ja: Sie tun sich oftmals genauso schwer wie wir, geeigneten Wohnraum zu finden. Und auch wenn sie wahrscheinlich noch nie etwas von Staffelmiete gehört haben: Kehrwoche machen sie ganz von selbst.

Auch Tiere haben’s im Winter nicht leicht

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“, das schrieb Rainer Maria Rilke 1902 an einem nasskalten Herbsttag in Paris. Mag für die Menschen stimmen; aber eben auch für die Tierwelt der Landeshauptstadt. Dass ich eine Schwäche für Tiere habe, durfte ich an dieser Stelle schon mal kundtun. Oder an dieser. Oder an dieser. Deswegen ist es mir heute auch ein besonderes Anliegen, mal auf ein durchaus akutes Problem hinzuweisen: Es ist Winter, die Nahrung wird knapp, die Temperaturen sinken, der Boden hart, das Wasser gefroren. Alles keine geringen Herausforderungen für die Vögel und Eichhörnchen, für die Mäuse und Igel.

Bloß kein Brot!

Diese Meinung ist kontrovers, wie ich gern zugebe. Viele Menschen vertreten die Ansicht, dass es nicht nötig ist, Tiere in der Stadt zu füttern. Richtig ist auch, dass man beim Füttern wahrscheinlich mehr falsch als richtig machen kann. Es muss also mit Umsicht, Bedacht und guter Recherche vorgegangen werden. Dann können wir aber alle unseren Teil dazu beitragen, dass neben uns Menschen auch die Tiere gut durch diesen Winter kommen. Das ist im Lockdown wichtiger denn je: Viele tierische Stadtbewohner haben sich mittlerweile so sehr an die Fütterung durch Menschen gewöhnt, dass sie es sich fast oder ganz abgewöhnt haben, selbst Nahrung zu suchen. Und damit meine ich jetzt nicht Brot, das man schnatternden Enten zuwirft. Das ist dämlich und gefährlich. Also ungefähr so wie Feuerwerk zu Silvester.

Zu Besuch in Hörnchenhausen

Fangen wir mal mit den Eichhörnchen an. Die charmanten kleinen Nager halten keinen Winterschlaf und müssen für den Winter vorsorgen. Dafür legen sie viele kleine Nahrungsdepots für harte Zeiten an. So wie Menschen mit einem Weinkeller also. Weil die Sommer immer wärmer werden, werden auch die Früchte und Nüsse früher reif. So früh, dass Eichhörnchen noch gar nicht ans Nüsse sammeln denken können, weil sie noch voll mit dem Nachwuchs beschäftigt sind.

Wer also wie ich ein Eichhörnchen in der Nachbarschaft wohnen hat, kann in der Nähe des Kobels sichere kleine Verstecke mit köstlichen Haselnüssen anlegen. Natürlich sollte man sie regelmäßig kontrollieren und sauber halten. Walnüsse und Sonnenblumenkerne sind ebenso gern gesehen wie Haselnüsse, Mandeln und Erdnüsse hingegen nicht. Und weil man es nicht oft genug betonen kann: Eichhörnchen mit dunkler Fellfarbe sind ganz normale einheimische Eichhörnchen und keine eingeschleppten Grauhörnchen! Alles Weitere steht bei der Eichhörnchenhilfe Stuttgart, die einen ganz wunderbaren Job macht und sich über Spenden freut!

Augen auf bei der Vogelfütterung

Bei den Vögeln ist die Sache mit dem Füttern ein wenig komplexer. Man sollte auf jeden Fall spezielles Vogelfutter kaufen, das es oft in Supermärkten gibt. Der Nabu Baden-Württemberg empfiehlt Futterhäuschen, besser noch Futtersilos, die ebenfalls regelmäßig gereinigt werden sollten. „Grundsätzlich ist eine Vogelfütterung vor allem im Winter aus umweltpädagogischer Sicht empfehlenswert“, so der Nabu. „Dann kommen wesentlich mehr Vögel zur Futterstelle, und bei niedrigen Temperaturen ist es einfacher, für die notwendige Hygiene zu sorgen. So wird eine Übertragung von Salmonellen auf die Tiere verhindert. Typischerweise füttert man im Winter von November bis Ende Februar. Bei Frost oder Schnee werden besonders viele Vögel das Angebot annehmen.“

Überwintern in der Stadt

Man tut also nicht nur was Gutes. Man hat die wunderbare Gelegenheit, die einheimischen Vogelarten besser kennenzulernen. Es überwintern nämlich deutlich mehr Piepmätze bei uns als man das gemeinhin glaubt. Amsel, Meise, Zaunkönig, Fink, Specht, Elster, Haussperling (besser bekannt als Spatz), Rotkehlchen und viele mehr plustern sich ordentlich auf, um gut durch den Winter zu kommen. Und auch wenn Vögel uns laut Nabu nicht zwangsläufig brauchen, um als Art zu überleben: Ich sage, es schadet nicht, ein wenig nachzuhelfen. Wir bekommen so viel Schönheit und Musik von den Tieren, dass wir auf jeden Fall etwas zurückgeben können. Wir müssen eben nur darauf achten, es richtig zu tun, weshalb diese Ratschläge unbedingt zu befolgen sind.

Aber aufgepasst: Wer zur Miete wohnt, muss eventuell die Vermieter um Erlaubnis fragen, bevor der Balkon zum Vogelparadies wird.

Herr und Frau Igel

Auch Igel leben gern in unserer Stadt. Allgemein leben mittlerweile deutlich mehr Igel in den Städten als auf dem Land – klassische Landflucht also, es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sehr Mensch und Tier sich ähneln. Aber natürlich ist uns der kecke Igel in die Städte gefolgt, ein klassischer Kulturfolger. Die Faustregel hier ist: Sollte einem ein Igel bei Schnee und Bodenfrost über den Weg laufen, dann stimmt ganz gewaltig was nicht! Was dann zu tun ist, steht in aller Ausführlichkeit hier!

Tiere füttern und schützen – ist doch echt nicht die dümmste Idee, wenn einem eh zunehmend die Decke auf den Kopf fällt, oder?

Viele weitere wichtige Dinge gibt es natürlich beim Nabu!




Unsere Empfehlung für Sie