Eiermann-Areal in Stuttgart-Vaihingen Lösung für IBM-Zentrale liegt auf dem Tisch

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Exklusiv Der berühmte Architekt Egon Eiermann hat die frühere IBM-Hauptzentrale Ende der 1960er Jahre geplant – der Insolvenzverwalter wollte sie jetzt abreißen lassen. Nun scheint es eine Lösung für das Areal zu geben.

Die Denkmalschützer loben die Einbettung der Gebäude in die Landschaft. Eindrücke vom Eiermann-Campus sehen Sie in der Fotostrecke. Foto: Achim Zweygarth 14 Bilder
Die Denkmalschützer loben die Einbettung der Gebäude in die Landschaft. Eindrücke vom Eiermann-Campus sehen Sie in der Fotostrecke. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Während des Sommers und zuletzt am Dienstagnachmittag hat es intensive Gespräche aller Beteiligten zur Rettung der früheren IBM-Zentrale in Vaihingen gegeben – dem Vernehmen nach haben sich nun das Gläubigerkonsortium unter Führung der DG Hyp, die Denkmalbehörden und die Stadt auf eine Lösung verständigt. Da die Beteiligten Stillschweigen vereinbart haben, sind bisher kaum Details nach außen gedrungen.

Andreas Scharf, der Sprecher von OB Fritz Kuhn (Grüne), bestätigte am Dienstag aber, dass dieses „Kolloquium“ einen Vorschlag verabschiedet hat. Am kommenden Dienstag wird der städtische Ausschuss für Umwelt und Technik nicht-öffentlich darüber beraten. Der berühmte Architekt Egon Eiermann hat das Areal 1967 geplant. Die drei Büropavillons, das Kantinengebäude und die gesamte Gartenanlage stehen unter Denkmalschutz. Im Frühsommer dieses Jahres hatten die Insolvenzverwalter einen Abrissantrag bei der Stadt gestellt, weil eine wirtschaftliche Renovierung und Vermarktung unmöglich sei.

Die Stadt wird wohl ihren Bebauungsplan ändern

Der Kompromiss dürfte auf der einen Seite den Erhalt und die Sanierung der Eiermann-Gebäude vorsehen. Im Gegenzug ist die Stadt vermutlich bereit, den Bebauungsplan so zu verändern, dass auf dem 20 Hektar großen Gelände weitere Gebäude errichtet werden dürfen. Damit können die Wirtschaftlichkeit des Projektes verbessert werden und die Chancen, einen Investor zu finden, steigen. Riesige Parkplatzanlagen für früher 2500 Beschäftigte sind sowieso versiegelt. Fritz Kuhn sei es wichtig gewesen, so Andreas Scharf, dass bei allen Gesprächen Architekten dabei waren; so sollte sichergestellt werden, dass die erarbeitete Lösung realistisch bleibe.

Ob es weitere Büroflächen geben soll, ob eine Wohnbebauung angestrebt wird oder ob beides möglich sein wird, war bislang nicht in Erfahrung zu bringen. Unklar ist auch, ob es bereits einen Investor gibt oder ob die DG Hyp selbst das Projekt vorantreiben will. Auch die Nutzung ist offen. Alexander Kotz, der Fraktionsvorsitzende der CDU, könnte sich vorstellen, dass die Stuttgarter Universitäten Interesse an Teilen der Gebäude haben könnten. Er kennt den Vorschlag aber noch nicht; die städtische Vorlage ist noch nicht versandt.

Studentenwohnungen und Musikkonzerte

Der Stuttgarter Architekt Oliver Sorg hat vor einigen Jahren für den damaligen Eigentümer Richard Ellis ein Konzept entwickelt, das aber nach der Insolvenz Ellis’ im Juni 2011 obsolet wurde. Sorg hatte vorgeschlagen, ein weiteres Gebäude im Stil der Eiermann-Pavillons zu bauen; dort sollten Mietwohnungen und eine Kindertagesstätte untergebracht werden. Abgesetzt davon waren 23 ökologisch gebaute Wohnhäuser geplant. Die bestehenden Eiermann-Pavillons sollten teils als Büros genutzt werden; teils hätte sich Sorg Studentenwohnungen vorstellen können. Das Kantinengebäude sollte zu einem kleinen Zentrum mit Läden und zu einer Halle für Sport- und Kulturveranstaltungen umgebaut werden. Vielleicht ist dieses Konzept teilweise in die neuen Planungen eingeflossen. Oliver Sorg war aber nach eigener Aussage nicht in die Gespräche eingebunden.

Stuttgarts Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) und zuletzt auch Fritz Kuhn hatten sich dafür eingesetzt, die alte IBM-Zentrale zu erhalten. Ein Problem ist dort aber sicherlich die schlechte Anbindung an den ÖPNV; es verkehrt nur eine Buslinie. Auch der Lärm der nahen Autobahn macht eine Wohnbebauung nicht einfach. Das Gelände gilt aber als ein Höhepunkt im Schaffen Egon Eiermanns. Die Denkmalbehörden loben die harmonische Einbettung der Gebäude in die Landschaft sowie die „Klarheit der Konstruktion und räumlichen Idee“. Zudem seien die Bauten ein wichtiges Zeugnis für die Wirtschaftsgeschichte Stuttgarts in den 1960er Jahren.

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