Eiermann-Campus in S-Vaihingen Noch immer kein Investor in Sicht

Die Zukunft der denkmalgeschützten Gebäude des Architekten Egon Eiermann am Rande Vaihingens ist ungewiss. Neues Baurecht soll Investoren anlocken. Foto: dpa
Die Zukunft der denkmalgeschützten Gebäude des Architekten Egon Eiermann am Rande Vaihingens ist ungewiss. Neues Baurecht soll Investoren anlocken. Foto: dpa

Die Stadtkämmerei hat den Bezirksbeirat Vaihingen über den aktuellen Stand in Sachen Eiermann-Campus informiert. Das Zwangsversteigerungsverfahren läuft. Um einen Investor zu gewinnen, soll neues Baurecht geschaffen werden.

Bad Cannstatt: Rebecca Stahlberg (res)
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Vaihingen - Die ehemalige IBM-Zentrale im Westen Vaihingens, der Eiermann-Campus, steht seit fünf Jahren leer. Ein Zwangsversteigerungsverfahren läuft. Ende März sind die Gebäude von den Insolvenzverwaltern freigegeben worden. Das bedeutet, dass die Eigentümer wieder selbst verantwortlich sind. Diese habe man aber lange Zeit nicht erreichen können, hat Volker Schaible, der Amtsleiter der Stadtkämmerei, am Dienstagabend im Vaihinger Bezirksbeirat berichtet. Nachdem Anfang April dem Verwaltungsausschuss in nichtöffentlicher Sitzung das weitere Vorgehen der Stadt erläutert worden sei, wolle man nun auch den Bezirksbeirat informieren.

Schaible gab einen Überblick über den derzeitigen Stand: Das Areal nahe des Autobahnkreuzes A 8 und A 831 teilt sich in zwei Flurstücke: Auf dem einen stehen die Gebäude des Architekten Egon Eiermann, das andere ist der Parkplatz. Der Bereich mit den Gebäuden gehört fünf Eigentümern, insgesamt ist das Areal in der Hand von sechs Eigentümergesellschaften. Diese sind seit November 2011 insolvent. Die Kosten für die Leerstandsverwaltung belaufen sich auf 1,6 Millionen Euro im Jahr, der Strom verschlingt 447 000 Euro, das Heizen 450 000 Euro. Die Gläubigerbanken haben die Zahlungen für den Unterhalt inzwischen eingestellt. Der Strom ist abgeschaltet, geheizt wird seit Winter 2013 nicht mehr.

Stadt ist für Sicherheit verantwortlich

Da die Gesellschaften ihren Eigentümerpflichten voraussichtlich nicht nachkommen werden, ist die Stadt für die Sicherung des Areals verantwortlich. Daher sei es zum Beispiel notwendig, dass man aus dienstlichen Gründen auf das Gelände dürfe, erläuterte Schaible. Dies werde bei einem Treffen am Donnerstag, 8. Mai, mit dem Eigentümervertreter vereinbart. Über die Gefahrenabwehr hinaus sei es nicht gestattet, das Gelände zu betreten.

Seit einem Jahr läuft das Zwangsversteigerungsverfahren, derzeit ermittelt ein Gutachter des Amtsgerichts den Wert. Bis dieser Vorgang abgeschlossen und ein Termin für die Zwangsversteigerung festgesetzt sei, könne es Jahresende werden, sagte der Leiter der Stadtkämmerei.

„Im Zusammenhang mit dem Kolloquium im vergangenen Sommer, das Oberbürgermeister Fritz Kuhn zur Zukunft des Eiermann-Campus veranstaltet hat, hat es einige Kaufinteressenten gegeben. Momentan ist mir aber kein konkreter Investor bekannt“, so Schaible weiter. Man müsse abwarten, wie die Zwangsversteigerung laufe. Derzeit kursierende Summen, was den Wert und die Investitionskosten angehe, wolle er nicht kommentieren. Im Raum stehen allein Sanierungskosten in Höhe von 100 Millionen Euro. Für das Gebäudeensemble aus den 1960er-Jahren besteht Denkmalschutz.

Nachverdichtung stößt auf Ablehnung

Der Bezirksbeirat Konrad Ruf (Freie Wähler) wollte wissen, ob die Stadt an einem Kauf interessiert sei, wenn es keine anderen Bieter gebe. „Das Interesse der Stadt an der Erhaltung kommt darin zum Ausdruck, dass man ein Bebauungsplanverfahren auf den Weg bringen will. Ob die Stadt das Objekt selbst erwirbt, hängt maßgeblich vom Preis ab“, sagte Schaible. Bei einer darstellbaren Größenordnung sei dies aber durchaus Thema. Kristin Wedekind (Grüne) äußerte ihr Unverständnis über das Drängen der Stadt, schnell neues Baurecht zu schaffen. Das Ergebnis des Kolloquiums war, dass 13 neue Gebäude mit 140 000 Quadratmeter Geschossfläche entstehen könnten. Dafür braucht es einen neuen Bebauungsplan.

„Neues Baurecht nimmt Einfluss auf die aktuell laufende Wertermittlung. Wieso will man den Preis in die Höhe treiben?“, fragte Wedekind. Die SPD-Stadträtin Roswitha Blind gab die Antwort: „Man muss einem potenziellen Investor die Möglichkeit schaffen, Gewinne zu generieren, um die Sanierung der bestehenden Gebäude zu finanzieren. Dafür braucht man neues Baurecht.“ Schaible pflichtete ihr bei: „Nur durch ein solches Signal besteht die Chance, das Grundstück einer vernünftigen Nutzung zuzuführen.“

Bereits im Herbst hatte der Bezirksbeirat jedoch deutlich gemacht, dass er nachverdichtende Bebauung nicht wünsche. Axel Weber (CDU) wies nochmals darauf hin: „Das bringt nur noch mehr Verkehr für Vaihingen. Das wollen wir nicht.“ Weiter vertieft wurde das Thema an diesem Abend nicht. Wie der Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt verkündete, werde der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan sowie die geplante Bürgerbeteiligung in der nächsten Sitzung des Bezirksbeirats am 3. Juni auf der Tagesordnung stehen.




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