Eiermann-Campus in Stuttgart Vaihinger befürchten noch mehr Chaos

So soll das Eiermann-Areal künfztig aussehen.  Die Pläne werden zwar begrüßt, für die Vaihinger gibt es aber einen großen Haken. Foto: Steidle Architekten und Relagrün Landschaftsarchitekten
So soll das Eiermann-Areal künfztig aussehen. Die Pläne werden zwar begrüßt, für die Vaihinger gibt es aber einen großen Haken. Foto: Steidle Architekten und Relagrün Landschaftsarchitekten

Viele Menschen sehen die Pläne für den Eiermann-Campus im Westen von Stuttgart-Vaihingen skeptisch. Der Grund ist der Verkehr.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)
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Vaihingen - Nahezu jeden Abend in der Woche das gleiche Bild: Stau auf den Straßen in Stuttgart-Vaihingen und rundum. Der Grund sind die vielen Arbeitsplätze in dem Stadtbezirk. Allein im Synergiepark sind es 22 000. Hinzu kommen die kleineren Gewerbegebiete Obere und Untere Waldplätze, die Uni und das Fraunhofer Institut. Und es werden immer mehr. Daimler baut im Synergiepark. Der Versicherungskonzern Allianz plant an der Heßbrühlstraße eine neue Hauptverwaltung.

Die Menschen im Ort reden schon lang vom Verkehrskollaps und fordern Gegenmaßnahmen. Dem Bezirksbeirat geht das von der Stadt vorgelegte Verkehrskonzept nicht weit genug. Das Problem verschärft sich, wenn von 2020 an der Eiermann-Campus neu bebaut wird. Geplant ist ein neuer Stadtteil mit Wohnungen für knapp 4000 Menschen. Zudem gehören ein Studentenwohnheim, Kitas, eine Grundschule, ein Pflegeheim, Sportflächen, ein Hotel und ein Einkaufsmarkt zum Konzept. Der neue Investor, die Schweizerische SSN-Group mit Sitz in Zug, stellte die überarbeiteten Pläne vor Kurzem im Gemeinderat vor.

Doch der Eiermann-Campus soll keine in sich geschlossene Satellitenstadt werden, sondern ganz bewusst eine Anbindung an den Stadtbezirk bekommen. Vaihinger sollen zum Kulturgenuss auf das Areal kommen, die Menschen aus dem neuen Stadtteil im Ortskern oder in der Schwabengalerie einkaufen.

Anwohner fordern weniger Verkehr auf der Gründgensstraße

Das bringt Verkehr mit sich, und das stimmt Peter Raez skeptisch. Er hat sein Haus an der Gründgensstraße und kämpft seit Jahren zusammen mit einigen Nachbarn für eine Verkehrsberuhigung. Die Straße ist eine Tempo-30-Zone, die eigentlich ausschließlich der Erschließung des dortigen Wohngebiets dienen soll. Doch die Straße ist ein beliebter Schleichweg, vor allem dann, wenn auf der Hauptstraße Stau ist. Eigentlich dürfen die Autofahrer von der Pascalstraße gar nicht in die Gründgensstraße einbiegen. Dieses Verbot wird aber oft ignoriert. Zudem nutzen die Beschäftigen des Gewerbegebiets Waldplätze die Gründgens­straße gern als kostenlosen Parkplatz. Mit der Aufsiedlung des Eiermann-Areals könnte alles noch viel schlimmer werden.

Raez und seinen Mitstreitern geht es aber auch noch um was anderes. Denn die Anwohner der Gründgensstraße leiden auch unter dem Lärm von der Autobahn. Vor einigen Jahren hat das Regierungspräsidium Stuttgart eine neue Lärmschutzwand bauen lassen. Die sei aber zu kurz, meinen zumindest die Betroffenen. Raez war in Kontakt mit dem Regierungspräsidium. Dieses habe durchaus Gesprächsbereitschaft signalisiert. Aber erst dann, wenn klar sei, dass die Gründgensstraße mit der Bebauung des Eiermann-Campus’ keine Durchgangsstraße werde. „Wenn da der Verkehr lang fließt, ist es ja unsinnig, eine Wand vor die Lärmquelle zu bauen“, sagt Raez.

Einzelhandelsverband will vernünftiges Konzept

Der Verkehrsplaner Andreas Hemmerich bestätigt, dass es derzeit viel Schleichverkehr auf der Gründgensstraße gibt. „Und die Gefahr besteht, dass sich das mit dem Garden Campus noch verstärken wird“, sagt er. Das Ziel sei es, das Wohngebiet vor ortsfremden Autofahrern zu schützen. Das Konzept zur Anbindung des neuen Stadtteils sehe vor, den Verkehr über die Hauptstraße und die Pascalstraße zu führen. „Wir wollen die Gründgensstraße baulich abhängen“, sagt Hemmerich. Künftig soll es eine Stichstraße geben, die in einer Wendeplatte im Westen endet. „Das ist fester Bestandteil des Verkehrsstrukturplans. Diese Idee verfolgen wir weiter“, betont Hemmerich und ergänzt: „Auch der Baustellenverkehr hat in der Gründgensstraße nichts zu suchen.“

Doch auch jenseits der Gründgensstraße sehen viele Menschen in Vaihingen die geplante Bebauung auf dem Eiermann-Campus kritisch – zum Beispiel Ingo Vögele, der Sprecher des Verbunds Vaihinger Fachgeschäfte (VVF). Der VVF sei schon daran interessiert, den neuen Stadtteil für sich zu nutzen. Denkbar sei, dass die Menschen in Vaihingen einkaufen gehen oder ein Restaurant besuchen. „Aber uns geht es auch darum, dass wir in einem lebenswerten Stadtbezirk wohnen“, sagt Vögele. Und dazu gehöre ein vernünftiges Verkehrskonzept – ob mit oder ohne Gondel, so der VVF-Sprecher mit Blick auf die angedachte Seilbahn. „Bisher reden wir immer nur über große Ansiedlungen und Aufsiedlungen auf der einen Seite und kosmetische Verkehrsmaßnahmen auf der anderen Seite.“ Das müsse sich ändern, sonst komme es zu einem Verkehrsinfarkt, so Vögeles Fazit.

Der neue Vaihinger Bezirksvorsteher Kai Mungenast, möchte die Pläne für den Westen des Stadtbezirks noch nicht bewerten. Nur so viel: „Mit dem Eiermann-Campus ist in Vaihingen noch ein großes Entwicklungsgebiet offen, das lange brach gelegen hat. Ich bin froh, dass Bewegung in die Planung kommt und das Vorhaben in unserer nächsten Sitzung des Bezirksbeirates vorgestellt und diskutiert wird.“




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