Eigenheim Ein Hauch von Prärie im Garten

Von Dorothée Waechter/dpa 

Graslandschaft Nordamerikas muss richtig kombiniert und die Blütenfolge abgestimmt werden.

Farblose, verdorrte Fläche? Von wegen – was kaum jemand ahnt: Die Prärie ist voll bunter, blühender Gewächse. Foto: dpa
Farblose, verdorrte Fläche? Von wegen – was kaum jemand ahnt: Die Prärie ist voll bunter, blühender Gewächse. Foto: dpa

Zwischen blühenden Horsten von rosafarbenem Sommerphlox, himbeerfarbener Schafgarbe und den rosaroten Sonnenhüten wiegen die Gräserbüschel von Ruten-Hirse und Pfeifengras. Dieses Bild beeindruckt Hobbygärtner und Fachmänner - denn die Pflanzenauswahl ist auf großer Fläche und im kleinen Beet eine Genugtuung an Genügsamkeit und Robustheit. Das Schöne: selbst im Hochsommer ist hier Vielfalt möglich. Der Präriegarten ist der neuer Trend in der Verwendung mehrjähriger Gräser und Gartenblumen.

„Die Verwendung von Stauden aus den Präriegebieten im Mittleren Westen der USA ist nicht neu”, erläutert Prof. Cassian Schmidt, Leiter des Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim. „Prachtstauden wie Indianernessel (Monarda), Sonnenbraut (Helenium) und Sonnenauge (Heliopsis) sind in unseren Gärten als Beetstaudenrabatten und in Bauerngärten schon seit Jahrzehnten etabliert.”

Diese benötigen allerdings sonnige bis nur wenig schattige Plätze im Garten sowie Böden mit reichlich Nährstoffen und einem guten Wasserhaushalt. Macht sich Trockenheit breit, folgt ein Befall mit Mehltau unverzüglich. In der Folge sterben die Blätter im unteren Drittel des Horstes ab, so dass die Pflanzen unansehnlich werden. „Im Präriegarten werden verstärkt solche Stauden verwendet, die robust sind und einen Wildstaudencharakter haben”, sagt Schmidt, der als der deutsche Experte für Präriepflanzen gilt, weiter.

Diese Pflanzen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine trockene Periode problemlos überstehen. „Stresstolerante und anpassungsfähige Pflanzenkombinationen haben im öffentlichen Raum, aber auch verstärkt in Privatgärten Konjunktur, weil der Klimawandel die Bedingungen verändert”, erläutert der Professor für Pflanzenverwendung an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden.

Das Vorbild für den neuen Trend sind die natürlichen Pflanzengesellschaften der nordamerikanischen Prärien, die sich durch ihren Artenreichtum auszeichnen. „Es handelt sich bei den Hochgras-Prärien nicht um ausgedörrte Graslandschaften, sondern um eine Vegetation, die mit wechselnden Blühaspekten bezaubert”, sagt Schmidt. Die Pflanzen werden daher locker und durcheinandergepflanzt, um das natürliche Bild der Prärie aufzugreifen und nachzubilden. Robustheit und Anpassungsfähigkeit der Pflanzen haben dem neuen Trend zu großer Popularität verholfen. „Weitere Pluspunkte dieses neuen Bepflanzungstyps sind der naturnahe Charakter sowie der prägnante jahreszeitliche Aspektwechsel.” Während im Frühling Zwiebelblumen wie der Schneeglanz (Chionodoxa luciliae), Narzissen (Narcissus triandrus) und Botanische Tulpen (Tulipa kaufmanniana, Tulipa praestans) das Bild bestimmen, übernehmen im Frühsommer die himmelblauen Blüten von Cusicks Prärielilie (Camassia cusickii) und Lein (Linum perenne) die Führung.

„Im Hochsommer bestimmen Scheinsonnenhut (etwa Echinacea), Mädchenauge (Coreopsis verticillata) und Prachtscharte (Liatris) die Bilder”, sagt Schmidt. „Gleichzeitig sollten naturhaft wirkende, halbhohe bis hohe Gräser jede Präriepflanzung - in kleinen Gruppen und als Solitär locker eingestreut - durchweben.” Faszinierend sind die im Wind bewegten Halme des mexikanischen Fiedergrases (Nasella tenuissima). Goldbartgras (Sorghastrum nutans) und Rutenhirse (Panicum virgatum) sorgen für höhere Strukturen, die bis in den Winter stabil sind. Im Herbst übernehmen die zahlreichen Astern-Arten zusammen mit den Gräsern die Führung. Die Prärie Nordamerikas erstreckt sich über endlose Weiten. „Diese Großzügigkeit ist nicht erforderlich, um einen Präriegarten zu realisieren”, beruhigt Schmidt.

Aber er empfiehlt eine Mindestgröße von 15 Quadratmetern für ein Präriebeet im Hausgarten. Darauf finden fünf bis sieben Arten Platz, am besten nur halbhohe Stauden. Das können etwa die Blaue Feinstrahlaster (Erigeron speciosus), Gelbe Nachtkerzen (Oenothera) und Roter Bartfaden (Penstemon), das Gelbe Mädchenauge (Coreopsis) und die Amerikanische Bergminze (Pycnanthemum pilosum) sein.

Schmidt empfiehlt, diese mit heimischen Stauden wie der Sibirischen Schwertlilie (Iris sibirica) und der Duftnessel (Agastache rugosa) zu kombinieren. „Es geht bei der Gartengestaltung nicht um eine naturgetreue Kopie der Prärielandschaft, sondern um einen neuen naturalistischen, gräserreichen Gartenstil.” Pro Quadratmeter sollte man fünf bis sieben Pflanzen setzen, auf nährstoffarmen Böden sogar sieben bis acht. Zusätzlich könnten noch im Frühling blühende Zwiebelpflanzen im Beet Platz finden.