Eigenverantwortung bei Amateur-Teams So wichtig ist genügend Schlaf für Sportler

Schlaf ist wichtig für Sport-Profis: Harry Kane, Stürmerstar des FC Bayern München schläft nicht auf dem Spielfeld – er gibt sich seiner Enttäuschung hin. Foto: IMAGO/ActionPictures

Profis wissen um die Bedeutung der Regeneration für die Leistungsfähigkeit, im Amateur-Sport sind diese Kenntnisse ebenfalls bekannt – wie gehen die Blaubären des TSV Flacht, ein Fußball-Trainer aus Rutesheim und ein Leonberger Handballer damit um?

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Durch Schlafen besser werden im Sport? Klingt erst mal skurril. Ist aber nachgewiesen. Viele Studien belegen das. Eine davon: Männliche College-Basketballer haben über sieben Wochen mindestens zehn Stunden pro Tag geschlafen – das Ergebnis haben sie am eigenen Leib erfahren. Ihre Reaktionszeit und Handlungsschnelligkeit verbesserten sich, was unterm Korb eminent wichtig ist. Die erfolgreiche Freiwurf-Quote stieg um neun Prozent und die Quote bei den Dreier-Würfen verbesserte sich um 9,2 Prozent. Dieses Plus kann über Sieg oder Niederlage entscheiden.

 

„Guter Schlaf ist im Sport durch nichts zu ersetzen“, formuliert Roy Epple, Personal-Trainer aus Leonberg. Denn nicht nur Leistungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit werden in der Tiefschlaf- und der REM-Phase (Traumphase) positiv beeinflusst, sondern auch die Regenerationsfähigkeit des Körpers. Bedeutet: Verletzungen werden schneller ausgeheilt, zusätzlich steigert sich die Resistenz gegen Infekte, weil auch das Immunsystem gestärkt wird. „Schlafmangel hemmt zudem Muskelaufbau“, betont Epple. Und komplizierte Bewegungsabläufe werden im Schlaf mental verarbeitet, sodass sie schneller in Fleisch und Blut übergehen.

Schlafend zum Erfolg. Von vielen Profisportlern ist bekannt, wie sie ihre eigenen Routinen entwickelt haben. Cristiano Ronaldo, der mehrfache Welt-Fußballer, verteilt seinen Schlaf über den Tag, um die Faustregel zu erreichen, dass zwischen neun und zehn Stunden das Optimum darstellen. Starstürmer Robert Lewandowski, einst beim FC Bayern München, leistet sich einen Schlaftherapeuten. In der Welt der Profis entscheiden Nuancen, ob man besser ist als der Gegner – und bei den millionenschweren Clubs sind ausreichend Mittel vorhanden, um dieses erlaubte Schlaf-Doping optimal zu nutzen.

„Natürlich kennen wir die Bedeutung des Themas“, sagt Moritz Reinke, „aber das wissenschaftlich bei uns umzusetzen, dazu fehlen uns die Mittel.“ Der Physiotherapeut der Binder Blaubären Flacht verdeutlicht den Zweitliga-Volleyballerinnen immer wieder, wie wichtig das ist, wie sie außerhalb der Sporthalle leben, was sie essen und trinken, wie sie sich entspannen und wie sie schlafen sollten.

Trainerteam stellt Infos zur Verfügung

Aber die Blaubären sind nun mal kein finanzstarkes Sport-Unternehmen wie der FC Bayern oder Real Madrid. Der Club ist Zweitligist mit einem Etat von an die 200 000 Euro, und da ist finanziell kein Spielraum, um einen Schlaftherapeuten zu beschäftigen, der die Lebensgewohnheiten der Spielerinnen durchleuchtet und ihnen individuelle Schlafpläne auf den Leib schneidert. Die eine geht täglich einem Fulltime-Job nach, die andere arbeitet Teilzeit, die nächste studiert.

„Es sind verschiedene Tagesabläufe und Lebensumstände“, erklärt Moritz Reinke, „daher können wir das Thema nicht so umfassend erfüllen, wie es erforderlich wäre.“ Das Trainerteam stattet die Spielerinnen mit den nötigen Informationen aus bezüglich Ernährung, Regeneration und Schlaf – dann ist Eigenverantwortung gefragt. Jede ist selbst dafür verantwortlich, die Handlungsvorschläge in ihr Privatleben einzubauen. Eine Kontrolle findet letztendlich nur darüber statt, welche Leistung die Volleyballerin Woche für Woche im Training und bei den Spielen in der Zweiten Liga Pro abliefert.

Kontrolle funktioniert bei Amateuren nicht

Im reinen Amateur-Sport reicht der wegweisende Arm des Trainers noch viel kürzer in die Freizeit seiner Schützlinge hinein. „Ich fordere die Spieler immer dazu auf, vor einem Spiel früh schlafen zu gehen“, sagt Christopher Baake. Der Coach des Fußball-Landesligisten SKV Rutesheim (siebte Liga) hat in seiner Trainerausbildung das nötige Rüstzeug erhalten, er weiß, wie wichtig eine ausreichende Regeneration ist, wenn der Club etwa in der Saisonvorbereitung bis zu sechsmal pro Woche zum Training bittet. „Kontrollieren, wie sich die Jungs außerhalb des Sportplatzes verhalten“, sagt Baake, „das kann ich nicht. Das möchte ich auch nicht. Ich kann sie nur für dieses Thema sensibilisieren.“

Was nicht heißt, dass der Club sich nicht gelegentlich wissenschaftliche Hilfe leistet: Eine Messung der maximalen Sauerstoffaufnahme auf einem Ergometer mit Atemmaske hat ergeben, dass manche Spieler ab der 70. Minute in ein Leistungsloch fallen. „Denen drücken wir einen Energieriegel in die Hand“, erzählt Baake.

Mittagsschlaf tut manchem gut

Luis Hönninger kennt diese Eigenverantwortung. Der Oberliga-Handballer des SV Leonberg/Eltingen musste in der Reha nach einem Kreuzbandriss auf seinen Körper hören. Er setzt auf Routinen vor den Spielen, geht früh zu Bett. „Ich probiere aus, welche Abläufe mir helfen“, berichtet er, „so habe ich festgestellt, dass mir ein Mittagsschlaf vor einem Spiel guttut.“ Und wenn Hönninger in einer Partie geglänzt und vor Energie nur so gesprüht hat, dann „versuche ich, mich zu erinnern, wie ich mich vorbereitet habe“. Versuch und Irrtum, ausprobieren, was funktioniert. Denn im Mannschaftskreis wird über das Thema Schlaf nicht gesprochen, es scheint in den Amateurligen ein Tabuthema zu sein – da redet man nicht darüber, wie man geschlafen hat, sondern eher darüber mit wem.

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