Ein 14-Jähriger zieht der Musik zuliebe nach Stuttgart Von Mexiko nach Möhringen

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Der 14-jährige Christian Märkle zieht zu seinen Großeltern, um das Musikgymnasium Ebelu in Stuttgart besuchen zu können.

Christian Märkle zieht der Musik zuliebe zu seinen Großeltern. Foto: Sabine Schwieder
Christian Märkle zieht der Musik zuliebe zu seinen Großeltern. Foto: Sabine Schwieder

Möhringen - Er ist zielstrebig, dieser junge Mann aus dem fernen Hermosillo: Christian Märkle, Sohn eines Deutschen und einer Mexikanerin, recherchierte im Internet, an welcher Stuttgarter Schule er seine musikalische Ausbildung fortsetzen könnte. Ohne Kommentar schickte er seinen Großeltern in Möhringen einen Link. Die Botschaft war eindeutig: „Kann ich bei Euch wohnen, um in Deutschland Pianist zu werden?“ Und so zieht der 14-Jährige in diesem Sommer an die Tangegartstraße und besucht nach den Ferien die 8. Klasse des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums.

Bisher kam Christian regelmäßig für einige Wochen nach Möhringen, meist in den Sommerferien. Eine gute Gelegenheit, nicht nur die Familie seines Vaters näher kennenzulernen, sondern auch, seine Deutschkenntnisse aufzufrischen. Noch immer muss der 14-Jährige gelegentlich nach Worten suchen, er spricht mit einem leichten Akzent. „Das wird in der Schule vor allem bei Deutschaufsätzen oder mathematischen Textaufgaben nicht ganz leicht für ihn“, sagt Waltraud Märkle, Christians Großmutter.

Von der Wüste ins kalte Deutschland

Auch wird er sich an die vergleichsweise kalten Winter in Deutschland gewöhnen müssen. Sein Heimatort Hermosillo gehört zum mexikanischen Bundesstaates Sonora, in dem die trockenste Wüste des nordamerikanischen Kontinents liegt. Temperaturen bis zu 40 Grad sind hier keine Seltenheit. Hinsichtlich der stärkeren Anforderungen im Fach Musik macht sich die Möhringerin weniger Sorgen. Christian, dessen Vater Jochen Ingenieur ist und dessen Mutter Fernanda Hirata Klavier unterrichtet, hat schon als Zweijähriger gezeigt, dass er das absolute Gehör besitzt. „Er ist sehr ehrgeizig“, beschreibt Waltraud Märkle ihren Enkel, der seine Klavierstücke schon jetzt grundsätzlich auswendig vorträgt.

Erster Platz bei einem Internationalen Wettbewerb

Bei der Teilnahme an einem internationalen Pianisten-Wettbewerb im Norden Mexikos erreichte Christian den zweiten Platz, im November vorigen Jahres sogar den ersten. Für den jungen Mann, der genau zu wissen scheint, was er will, und der am Flügel kaum Nervosität zeigt, war früh klar, dass er die Pianistenlaufbahn einschlagen will. Und so bewarb er sich beim Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, das mit der Hochschule für Musik und darstellende Kunst kooperiert. Anders als an anderen Schulen entscheidet hier die Hochschule, welche Jugendliche für den Musikgymnasiumszug für Hochbegabte infrage kommen. In Christians Fall war ein in Mexiko aufgenommenes Video überzeugend genug.

Bach, Beethoven und Schumann spielte er da, drei Komponisten, die er besonders liebt. Vielleicht ist es Zufall, vielleicht auch seiner Abstammung geschuldet, doch die deutschen Komponisten sind ihm momentan die liebsten. „Ich mag aber auch Ravel oder Jazz“, sagt Christian. Als Vorbilder nennt er die schweizerisch-argentinische Pianistin Martha Argerich und deren russischen Kollegen Daniil Trifonow.

Konzert: Christian Märkle wird am Sonntag, 9. Juli, im Rahmen eines Sommerfestes der Auferstehungskirche an der Widmaierstraße auftreten. Das Fest beginnt um 14 Uhr mit einem Gottesdienst, ab 16 Uhr spielt der 14-jährige Pianist in der Kirche. Auf dem Programm stehen Präludium und Fuge von Bach, eine Sonate von Mozart, der Faschingsschwank aus Wien von Schumann und Jeux d’eau von Maurice Ravel.

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