Ein besonderer Fußballfan Der Aufstieg zum Lifestyleartikel

Reportage: Frank Buchmeier (buc)
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Seine Sammlung ist – der eigenen Herkunft und Fanleidenschaft geschuldet – stark VfB-lastig. Fast 800 Stuttgarter Stücke lagern in Burkharts Schatzkammer. An ihnen lässt sich ablesen, wie sich der Fußball im vergangenen halben Jahrhundert verändert hat.

Als der VfB 1963 in die höchste deutsche Spielklasse aufstieg, gab es noch keine Ausrüsterverträge. Der Bundesligist kaufte seine Trikotsätze wie ein Kreisligist im örtlichen Sportgeschäft Breitmeyer – es waren einfache Baumwollshirts mit aufgenähten Rückennummern. Ein paar Jahre später prangte neben dem VfB-Wappen die Adidas-Blume, 1976 war der Brustring erstmals mit einem Sponsorennamen (Frottesana) beflockt. In modischer Hinsicht tat sich indes wenig: mal V-Ausschnitt, mal Rundkragen, mal Klappkragen – das war’s auch schon an Kreationen.

Als Avantgardist der Bundesliga versuchte der HSV bereits Mitte der 1970er Jahre, diesen ewigen Kreislauf der immergleichen Detailvariationen zu durchbrechen. Anstatt der Vereinsfarben blau-weiß-schwarz sollten sanftere Töne vor allem modebewusste Frauen ins Volksparkstadion locken. Die Hamburger Jungs traten in blassrosa Oberteilen mit Dackelohrkragen an. Die Innovation kam bei der hanseatischen Anhängerschaft nicht gut an. Große Veränderungen, und sei es nur am Outfit der kickenden Lieblinge, waren im konservativen Fußballuniversum noch nicht möglich.

Ein andauernder Design-Wettkampf

Das Marktumfeld änderte sich im Laufe der 80er Jahre, als immer mehr Vereine das Merchandising als lohnende Einnahmequelle entdeckten und die Kommerzialisierung des Fußballs auf ein neues Niveau hoben. Seit jeder Bundesligist einen eigenen Fanshop hat, ist nichts älter als der Fußballdress der Vorsaison. Trikots sind zu Lifestyleartikeln aufgestiegen, und die großen Sportartikelhersteller liefern sich einen andauernden Designwettkampf.

Die Firma Puma landete bei der Weltmeisterschaft 2002 einen Marketing-Coup, als sie Kameruns Kicker in ärmellosen, körperbetonten Muscle-Shirts auf die Spielfelder schicken wollte. Im selben Jahr wechselte der VfB von der Adidas-Blume zum Raubtier-Logo – mit der Folge, dass die Rot-Weißen im Europapokal stylish statt traditionell in schwarzen Trikots mit grauem Brustring aufliefen.

Der damalige Vereinspräsident Gerhard Mayer-Vorfelder ließ für solche internationalen Auftritte den Schriftzug „Stuttgart“ übrigens vom Rücken entfernen, weil er im Ausland nicht für eine Stadt werben wollte, die ihren wichtigsten sportlichen Repräsentanten mit einer überhöhten Stadionmiete schröpfte. Dies war ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich die Beziehung zwischen der Kommunalverwaltung und den Kickern aus dem Bezirk Bad Cannstatt verschlechtert hatte. Bei ihrer ersten Bundesligabegegnung am 31. August 1963 waren die Rot-Weißen noch in den Stadtwappenfarben angetreten, um sich ehrerbietig für eine frisch im Neckarstadion installierte Flutlichtanlage zu bedanken. Selbstverständlich befindet sich eine solche gelb-schwarze Rarität ebenfalls im Fundus von Ralf Burkhart.

Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Fußballtrikots. Einst waren sie labberig wie Kartoffelsäcke geschnitten, aktuell ist körperbetonte Spielkleidung angesagt. Das Problem an diesen modernen Kollektionen ist: durchtrainierte Fußballprofis sehen in den Stretch-Polyestershirts durchaus attraktiv aus, bierbäuchige Fußballfans wirken darin wie Presswürste in Männergestalt.




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