Ein Besuch im Freizeitpark mit Mindestabstand Achterbahn und Zuckerwatte mit Maske

Von Steve Przybilla 

Freizeitparks leben davon, ihre Kunden für ein paar Stunden aus dem Alltag zu entführen. Zu Corona-Zeiten ist das besonders schwierig. Ein Besuch im „Phantasialand“ in Brühl – zwischen Hygiene-Regeln und heiler Welt.

Die Masken flattern im Fahrtwind: eine Achterbahnfahrt im „Phantasialand“ in Brühl unter Corona-Bedingungen. Foto: Steve Przybilla
Die Masken flattern im Fahrtwind: eine Achterbahnfahrt im „Phantasialand“ in Brühl unter Corona-Bedingungen. Foto: Steve Przybilla

Brühl - Eigentlich wirkt alles wie immer. Die heimelige Märchenmusik. Der Duft frischer Pommes. Das Kreischen der Achterbahn-Fahrgäste, die in ihre Sitze gepresst werden – in diesem Fall mit flatternder Schutzmaske. Ein Tag im Freizeitpark, das ist immer auch eine Flucht aus dem Alltag, ein Ausflug in eine Welt aus Adrenalin, Zuckerwatte und heiser gekreischten Stimmbändern. Doch ist so viel Sorglosigkeit auch während der Pandemie möglich?

Nur eine begrenzte Anzahl an Besuchern ist erlaubt

Ortsbesuch in Brühl bei Köln: Wie die meisten deutschen Freizeitparks hat das „Phantasialand“ inzwischen wieder geöffnet. „Fröhlich und sicher“ sei das Erlebnis, versichern die Betreiber in einer Pressemitteilung, die anlässlich der Wiedereröffnung am 29. Mai veröffentlicht wurde. Die Begriffe „Corona“ oder „Covid-19“ tauchen in dem Dokument nicht auf; stattdessen ist von „gezielten Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit“ die Rede: begrenzte Besucherzahl, Mindestabstände, Maskenpflicht in bestimmten Bereichen. Wobei man am besten gleich zwei Exemplare dabeihaben sollte: Wird der Mund-Nase-Schutz nämlich nass, verliert er seine Wirkung – dann muss man im Park einen Ersatz kaufen.

Ein leichtes Unbehagen bleibt

Es ist Montagvormittag, 10.40 Uhr. Warteschlangen am Eingang gibt es nicht, weil Eintrittskarten ausschließlich online verkauft werden. Ticket scannen, Hände desinfizieren, los geht’s! Was sofort auffällt: Der Park ist leerer als sonst. Im chinesischen Themenbereich wischt ein Mitarbeiter den Staub von den Lampions, auf dem Herren-WC erzählt die Putzfrau, sie könne endlich mal gründlich die Fliesen abwaschen – ist ja kaum jemand da. Je näher man den Attraktionen kommt, desto voller wird es. Die meisten tragen ihre Maske in der Hand oder ziehen sie unters Kinn, was laut Hygiene-Konzept auch okay ist. Verpflichtend ist die Vermummung nur in den Warteschlangen, während der Fahrt sowie in geschlossenen Räumen. Ein leichtes Unbehagen bleibt trotzdem. Hoffentlich ist der Typ, der auf der Fußgängerbrücke so herzlich lacht, kein Superspreader!

Dichtes Gedränge in den Warteschlangen

Die erste Bewährungsprobe kommt bei „Taron“. So heißt eine der beliebtesten Achterbahnen im Phantasialand. Nur 35 Minuten beträgt die Wartezeit, wie eine Anzeigetafel verrät. „Liebe Gäste, Sie sind mit Abstand unsere besten Gäste“, schallt es aus dem Lautsprecher. Gemeint ist der Mindestabstand von 1,5 Metern, den die Wartenden einhalten sollen. Ein frommer Wunsch, denn trotz der Durchsagen und zahlreicher Bodenmarkierungen stehen manche dicht gedrängt wie eh und je. Gehören sie zu einer Gruppe? Oder haben sie den Sicherheitsabstand einfach vergessen? Für Außenstehende lässt sich das kaum nachvollziehen.

Dafür wird die Maskenpflicht sehr ernst genommen. Nur ganz vereinzelt nehmen einige ihre Maske ab: zum Trinken, zum Telefonieren, oder um kurz an der E-Zigarette zu ziehen. So diszipliniert es zugeht, so offensichtlich wird an dieser Stelle, dass sich etwas verändert hat. Die Leichtigkeit früherer Besuche ist dahin. Dementsprechend verhalten zeigt sich die Stimmung in der Warteschlange. Leise Gespräche, ein paar Selfies, hier und da ein Lacher. Euphorie sieht anders aus.

Überall steht Desinfektionsmittel bereit

Eine halbe Stunde vergeht, dann steigt die Spannung. Die Bügel der Achterbahn schließen sich, die Beine baumeln und – looooooos! „Taron“ startet wie eine Rakete, rast um die Kurven, windet sich wie eine übergeschnappte Schlange. „Meine Maske!“, ruft eine Frau und greift sich panisch ins Gesicht. Doch das Teil hält, erstaunlicherweise. Ehe man sich versieht, ist der Spaß vorbei. Vollbremsung, Herzrasen, Schnappatmung unter dem engen Atemschutz. Der erste Gedanke: Schnell die Hände desinfizieren! Man weiß ja nie, wer die Griffe zuvor angefasst hat. Zum Glück steht überall Desinfektionsmittel bereit.

Alles anders und trotzdem vertraut

Zum Abschluss ein Abstecher in die Gastronomie, wieder im chinesischen Bereich. Hinter einer Glasscheibe klatscht ein Mitarbeiter vegetarische Bratnudeln in eine Schachtel. Der Preis ist happig, der Geschmack pappig. Nachwürzen kann man leider nicht, vielleicht auch dies eine Corona-Maßnahme. Das Fazit nach einem Tag im Freizeitpark? Natürlich ist es anders als früher. Allein schon wegen der Abstandsmarkierungen und Warnhinweise. Wer all das ausblenden kann und die Hygiene-Regeln in Kauf nimmt, kann trotzdem Spaß haben. Die Fahrgeschäfte sind dieselben, die vertraute Märchenmusik beruhigt und die Wildwasserbahn bringt eine willkommene Erfrischung – vorausgesetzt natürlich, man hat eine Ersatz-Maske dabei. Aber das versteht sich in diesen Tagen ja von selbst.