Ein Erfahrungsbericht Wenn ein Deutscher eine Chinesin heiratet

Der Staat schützt die Ehe. Manchmal tut er aber alles, um ihr Zustandekommen zu verhindern: Wer je versucht hat eine Ausländerin zu heiraten, bekommt das zu spüren.

Der Staat macht es binationalen Paaren alles andere als einfach. Foto: dpa-Zentralbild
Der Staat macht es binationalen Paaren alles andere als einfach. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Letztlich haben wir dem Staat also doch noch ein Schnippchen geschlagen. Wir haben geheiratet. Der Staat hat sich zuvor sehr angestrengt, unsere Hochzeit zu verhindern. Nicht, dass er persönlich etwas gegen meine Frau oder mich hätte, der Staat. Das wollen wir ihm gar nicht unterstellen. Aber er hat ganz prinzipiell etwas dagegen, dass der Inhaber eines deutschen Reisepasses auf Dauer mit einer Person zusammenlebt, die im Behördendeutsch als visumpflichtige Ausländerin bezeichnet wird. Deswegen macht er solchen Beziehungen das Leben schon im Vorfeld ganz schön schwer. Später natürlich auch noch.

Menschen aus Obertürkheim, die ihr Lebensglück in Untertürkheim finden, sind papierkriegstechnisch gesehen gesegnet. Personalausweis und der Auszug aus dem Geburtenregister reichen beim Gang auf das Standesamt. In unserem Fall kommt die Partnerin aus Peking, da ist schon die Formulierung „Gang aufs Standesamt“ unangebracht verniedlichend. Es ist vielmehr eine Form des Dauerlaufs. Und das Standesamt ist nicht die einzige Behörde, die vor unserer Hochzeit den Lebensrhythmus entscheidend beeinflusst. In weiteren Hauptrollen auf dem Weg zum Happy End präsentieren sich in den nächsten Monaten das Ausländeramt, das Oberlandesgericht und die deutsche Botschaft. Natürlich wiehert auch der chinesische Amtsschimmel ein klein wenig mit.

Die Expertin vermisst Transparenz

„Im Zusammenspiel der Verwaltung kann man schon mal verloren gehen“, sagt Hiltrud Stöcker-Zafari. Als Bundes­geschäftsführerin des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften ist sie   mit den Problemen bestens vertraut, die auf heiratswillige Paare verschiedener Nationalität so hereinbrechen. Aus ungezählten Beratungsgesprächen kennt sie das Gefühl ihrer Klienten, der Bürokratie hilflos ausgeliefert zu sein. „Die Verfahren sind schwer zu überschauen, intransparent, und es fehlt oft an Informa­tionen“, sagt die Expertin. Um in ­Deutschland zu heiraten, braucht die visumpflichtige Ausländerin – der Name legt es nahe – ein Visum. Um das Visum zu erteilen, benötigt die Botschaft Papiere. Unter anderem die Bestätigung der Eheanmeldung. Die vergibt das Standesamt, aber erst, wenn es zuvor mit anderen Papieren gefüttert wird. Mit Geburtsurkunde und Ehefähigkeitszeugnis zum Beispiel – die vorher von der Botschaft abgestempelt werden müssen. „Beglaubigungsketten“, nennt das die Expertin.

Womit wir beim ersten Problem sind: Geburtsurkunde und Ehefähigkeitszeugnis gibt es in China gar nicht. Aber der deutsche Gesetzgeber hat für eben diesen Fall vorgesorgt. Es gibt die „Befreiung von der Beibringung eines Ehefähigkeitszeugnisses“. Als Befreier tritt das Oberlandes­gericht auf den Plan. Es entscheidet auf Grundlage von Unterlagen, die das Standesamt dem Gericht zur Verfügung stellt, und die der Heiratswillige zuvor in China zu besorgen hat – an dem Ort in China, wo der chinesische Teil des Paares sein Hukou liegen hat.

Hukou, das ist eine chinesische Besonderheit, so eine Art Familienstammbuch und Wohnsitzbescheinigung in einem. Dort, wo der Mensch wohnt, da führt die Behörde das Hukou. So ist die Theorie. In der Praxis sind chinesische Regeln interpretierbar. In unserem Fall liegen zwischen tatsächlichem Wohnsitz und Hukou etwa acht Stunden Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug. Wir haben Glück, dass es nicht drei Flugstunden sind, auf die dann noch eine mehrstündige Busfahrt folgt. China ist ein sehr großes Land.

Wir brausen also acht Stunden dem Bezirksnotar entgegen, der einen chinesischen Stempel auf einen ganzen Schwung chinesischer Papiere haut, die von eben diesem Notar ins Deutsche übersetzt wurden. Nicht immer ganz korrekt, doch die Freude über das rote Amtssiegel wiegt die sprachlichen Unzulänglichkeiten locker auf. Gleich zwei Papiere bestätigen, dass die Heiratswillige noch nicht verheiratet ist, ein weiteres erklärt, dass sie tatsächlich geboren wurde. Der Notar arbeitet schnell und ist überaus höflich. Erst sehr viel später werde ich erfahren, dass eine gute Freundin viel Zeit und einige Essenseinladungen investiert hat, um diese Arbeitsbereitschaft ein wenig zu forcieren.

Mit Indien und Pakistan ist es noch komplizierter

Nicht jeder hat das Glück, dass seine Partnerin aus China kommt. Verglichen mit Obertürkheim ist das zwar ein bürokratischer Graus, verglichen mit vielen anderen Ländern jedoch schon wieder so etwas wie ein Hauptgewinn. Wer mit Indien, Pakistan oder Ländern südlich der Sahara in den Papierkrieg tritt, der hat noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Insgesamt 46 Länder stuft das Auswärtige Amt derzeit als so unsicher ein, dass Urkunden von dort erst gar nicht anerkannt und legalisiert werden. Die Behörden sähen die Gefahr, dass es dort entweder richtige Angaben auf falschen Urkunden oder falsche Angaben auf richtigen Urkunden gebe, sagt Hiltrud Stöcker-Zafari. Wer trotzdem rechtlich relevante Geschäfte – und das ist eine Ehe nun mal – eingehen wolle, der müsse sich einen Vertrauensanwalt vor Ort suchen, der dann für die Botschaft eigene Nachforschungen anstellt.