Ein Fest in Korntal-Münchingen Die besondere Weihnachtsfeier

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Am Heiligen Abend wird im evangelischen Gemeindehaus in Münchingen ein Fest gefeiert. Weihnachten ist für die Organisatoren etwas ganz Wichtiges – und daran wollen sie andere Menschen teilhaben lassen.

Im Gemeindehaus in Münchingen gibt es am Heiligen Abend mehr als zwei freie Plätze.   Gottfried Holland, Brunhilde Krell, Christoph Jansen sowie Rebekka und Annette Holland (von links) laden Menschen ein, die sonst einsam wären. Foto: factum/Bach
Im Gemeindehaus in Münchingen gibt es am Heiligen Abend mehr als zwei freie Plätze. Gottfried Holland, Brunhilde Krell, Christoph Jansen sowie Rebekka und Annette Holland (von links) laden Menschen ein, die sonst einsam wären. Foto: factum/Bach

Korntal-Münchingen - F eiert nicht allein“ – unter diesem Motto werden einsame Menschen nach Münchingen eingeladen und solche, die mit Partner und/oder Kindern in Gemeinschaft feiern wollen. Organisiert wird die Feier seit einigen Jahren von den Familien Holland und Jansen und Brunhilde Krell, der Witwe des früheren Münchinger Kirchenpflegers Karl Krell. Das Fest ist kein X-beliebiges. Die Verantwortlichen beantworten wichtige Fragen und erklären ihre Motive in kurzen Sätzen.

Was bedeutet Ihnen Weihnachten?

„Wir feiern den Geburtstag Jesu“, sagt der EDV-Spezialist Christoph Jansen, „das zweitwichtigste Fest der Christen nach Ostern.“ Der Pfarrer Gottfried Holland ergänzt: „Die Liebe Gottes wird sichtbar, indem wir Liebe weitergeben.“ Seiner Frau Annette Holland ist wichtig: „Weihnachten ist der wichtigste Geburtstag im Jahr.“ Ihre Kinder, auch Tochter Rebekka, seien dieser Meinung und würden mitmachen. Und Brunhilde Krell sagt zu Weihnachten: „Ich formuliere das auf Christfest um. Es ist der Geburtstag des Retters, meines Retters.“

Spielt für Sie der Kommerz eine Rolle?

„Meine Frau und ich machen uns zu Weihnachten keine speziellen Geschenke“, erzählt Christoph Jansen. „Mit Enkelkindern kann ich mich da nicht raushalten“, wirbt Brunhilde Krell um Verständnis. „Geschenke werden erwartet, und es macht Freude, jemanden zu beschenken.“ „Ich mag den Kommerz nicht“, erklärt Gottfried Holland, „aber wir können das Rad nicht zurückdrehen – nur den Leuten sagen, was uns wichtig ist.“ Damit meint der Theologe die Botschaft Christi.

Wie ist die Idee zur Feier entstanden?

Diese Art der besonderen Weihnachtsfeier wurde 2009 in der Kirchengemeinde Schwieberdingen mit zwei Familien und 40 Teilnehmern begonnen. Als Pfarrer Holland als ehrenamtlicher Pfarrer 2015 nach Münchingen kam, sprach er am Karfreitag das Thema Weihnachtsfest an. „Da bekam ich böse Mails. Und jemand hat gemeint, ich solle das nicht nur predigen, sondern auch tun.“ Seine Kollegen in Münchingen hätten die Idee für eine besondere Feier am Heiligen Abend gerne aufgegriffen. Im selben Jahr fand sie zum ersten Mal statt.

Gibt es etwas Besonderes?

Mit großem Schmunzeln erzählt Annette Holland die „Soßen-Geschichte“ vom vergangenen Jahr: Als sie eine halbe Stunde vor Beginn der Feier das Geschnetzelte warm machen wollte – da war kein Stück Fleisch in dem Behälter, den sie aus dem Kühlschrank nahm. Nur Soße. Was tun? Die Handys liefen heiß. Brunhilde Krell erreichte die Filialleiterin der Metzgerei, die das Gericht geliefert hatte. Kurz danach trafen sich die beiden im Laden. Im Kühlhaus stand noch ein Behälter – mit dem richtigen Essen. Das erinnert an die Geschichte mit den fünf Broten und zwei Fischen, von denen 5000 Menschen satt wurden. Gottfried Holland schmunzelt. „Es ist immer wieder ein Wunder für mich, wie Gott Dinge zusammenfügt.“ Die „Speisung der 5000“ werde übrigens im Markus-Evangelium erzählt, ergänzt er. In Münchingen sind es nur zwei Dutzend Gäste.

Wo und wann ist die Feier?

Die Weihnachtsfeier beginnt im Johann-Friedrich-Flattichhaus in Korntal-Münchingen, Stadtteil Münchingen, Kirchgasse 6, um 18.30 Uhr. Es gibt Getränke ohne Alkohol und ein warmes Essen mit Salatbuffet und Dessert; auch Gäste muslimischen Glaubens können es ohne Bedenken genießen. Auch für Vegetarier ist gesorgt. „Wir sind bewusst Christen“, sagt Pfarrer Gottfried Holland, „wollen aber niemanden durch Äußerlichkeiten abstoßen.“

Kann ich etwas zur Feier beitragen?

Jeder, der kommt, ist herzlich willkommen. Wer bei der Andacht mitsingen will, darf dies gerne tun. Es ist auch nicht verboten, sich mit den anderen Gästen zu unterhalten. Wichtelgeschenke oder Beiträge der Besucher zum Büffet sind nicht vorgesehen. Die Kosten trägt die Kirchengemeinde. Wer möchte, darf zum Schluss eine Gutslestüte mit nach Hause nehmen. Selbstgebackene Plätzchen als Geschenk in der Weihnachtszeit wurden einmal von der Stuttgarter Volkskundlerin Elke Gerhold-Knittel als ein besonderer Beweis der Zuneigung bezeichnet.

Bleibt Zeit für Gottesdienst-Besuch?

Die Feier geht von 18.30 bis kurz nach 21 Uhr. Wer möchte, kann also zuvor den 17-Uhr-Gottesdienst in der Münchinger Kirche besuchen, oder danach die Christvesper, die dort um 22 Uhr beginnt. Während der Feier findet eine kurze Andacht statt.

Muss ich mich anmelden?

Familie Holland nimmt an diesem Samstag noch Anmeldungen entgegen unter der Telefonnummer 0 71 50/3 89 96 31. Teilnehmer aus Korntal können abgeholt werden. „Wenn ein paar Gäste unangemeldet kommen, habe ich noch eine oder zwei Tüten Spätzle in Reserve“, erzählt Annette Holland von ihren Vorbereitungen – und freut sich auf diesen Abend.