Ein Fußballer aus Fellbach Ein Fellbacher in der zweiten Liga

Von Markus Merz 

Marco Calamita ist nach einem Kreuzbandriss wieder auf einem guten Weg. Nach dem Aufstieg des VfR Aalen will der Fußballer aus Fellbach einen Traum realisieren.

Marco Calamita an seiner früheren Wirkungsstätte in Fellbach. Foto: Markus Merz
Marco Calamita an seiner früheren Wirkungsstätte in Fellbach. Foto: Markus Merz

Fellbach - Marco Calamita musste 29 werden, um seinen großen Traum doch noch erleben zu können. Zumindest ist der Fußballer seinem Ziel jetzt so nahe wie nie zuvor. Zweite Bundesliga, Spiele gegen Mannschaften wie den 1. FC Köln, den 1. FC Kaiserslautern oder 1860 München. Was für den Italiener mit Fellbacher Wurzeln lange unerreichbar erschien, nimmt nun tatsächlich konkrete Formen an.

Vor wenigen Wochen hat der VfR Aalen den Aufstieg von der dritten in die zweite Liga perfekt gemacht. Sportlich war Marco Calamita wegen eines Kreuzbandrisses nur zu Beginn der Saison an diesem Erfolg beteiligt. Bei den Feierlichkeiten in der Aalener Innenstadt war er dann aber wieder mittendrin statt nur dabei.

Nun ist es nicht so, dass Marco Calamita nicht weiß, wie man mit einer Mannschaft von der Drittklassigkeit in die Zweitklassigkeit aufsteigt. Schon mit dem SV Wehen Wiesbaden und Eintracht Braunschweig hat er diesen Sprung einst geschafft, durfte dann aber jeweils nicht den Weg in die zweite Liga mit antreten. „Zwei unterschiedliche Situationen mit demselben Ausgang. Lange schien es so, als solle mir der Weg in Liga zwei verbaut sein“, sagt Marco Calamita.

Wenn nun nicht irgendetwas Unvorhergesehenes geschieht, wird Marco Calamita im Juni mit der Vorbereitung auf Liga zwei beginnen. „Ich habe noch einen Vertrag bis 2013, und man hat mir mitgeteilt, dass man weiter mit mir plant.“ Zumal er es auf immerhin 15 Saisoneinsätze gebracht hat und vor seiner Verletzung beim Trainer Ralph Hasenhüttl gesetzt war. „Der Kreuzbandriss war natürlich eine bittere Diagnose, aber ich denke, dass ich bis zur neuen Saison wieder voll einsatzfähig bin und angreifen kann“, sagt Marco Calamita, das Ziel zweite Bundesliga immer vor Augen.

Denkt der Angreifer an seine fußballerische Jugend zurück, sind die Erinnerungen bei einem Jungen, der für sich kaum Grenzen sah. Kurz vor dem Erwachsenwerden schien Marco Calamita die Fußballwelt offenzustehen. Von Uli Stielike zu einem Lehrgang bei der deutschen U-19-Nationalmannschaft eingeladen und wenig später mit einer konkreten Anfrage vom italienischen Erstligisten Udinese Calcio bedacht. „Ich habe viereinhalb Wochen mittrainiert, und mir wurde schon von einem Vertrag erzählt“, sagt Marco Calamita. Doch dann kam alles ganz anders, plötzlich wollten sie in Udine den italienischen Jungen aus Fellbach nicht mehr haben. „Danach entstand eine gewisse Leere, das war alles nicht einfach für mich.“ Zumal er sich wegen des vermeintlichen Wechsels zu Udinese Calcio gegen einen deutschen Pass und einen Weg über die deutschen Auswahlmannschaften entschieden hatte. „Das war im Rückblick sicherlich ein Fehler. Der deutsche Pass hätte mir vielleicht einige Türen geöffnet, die so geschlossen blieben.“

Weil alles Lamentieren aber nicht hilft, denkt Marco Calamita lieber an die Gegenwart. Und wenn er schon zurückdenkt, dann lieber an die Zeit als Kind. An die Zeit, in der er mit Fußball begonnen hat: „Als kleiner Junge habe ich immer mit dem Ball im Hinterhof unserer Wohnung in der Fellbacher Bahnhofsstraße gegen die Mauer gekickt. So hat eigentlich alles angefangen. Später hat mich mein Bruder Toni dann mit zum SV Fellbach genommen.“

Weitere Stationen waren der VfB Stuttgart, die Stuttgarter Kickers, der SC Verl, die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern, der SV Wehen Wiesbaden, der SC Pfullendorf, Wacker Burghausen, Eintracht Braunschweig und nun eben der VfR Aalen. „Am wohlsten habe ich mich in Pfullendorf und Burghausen gefühlt. In Burghausen habe ich auch meine Freundin kennengelernt“, sagt Marco Calamita. Aber nach all dem Umherwandern- und wechseln wollte er mit dem Gang nach Aalen auch den Weg in die Nähe seiner Heimat Fellbach wählen. Dorthin war er mit acht Jahren aus dem italienischen Bari gekommen. „Hier habe ich meine Familie um mich, hier fühle ich mich wohl.“ Außerdem bleibt ihm so vielleicht mal Zeit, wieder im Max-Graser-Stadion vorbeizuschauen. „Da hatte ich meine ersten Jugendspiele, mittlerweile ist es aber schon eine gefühlte Ewigkeit her, dass ich hier war“, sagt Marco Calamita beim Fototermin mit unserer Zeitung – im Max-Graser-Stadion.

Fellbachs Landesliga-Trainer Markus Kärcher oder der Spieler Claudio Vulcano würden sich sicher über einen Besuch von Marco Calamita freuen. „Beide kenne ich gut.“ Zunächst plant er seine Zeit aber für den VfR Aalen und den Traum von der zweiten Liga ein. Im dritten Anlauf soll es endlich klappen. Mit dem Betzenberg oder auch der Allianz-Arena. Das Max-Graser-Stadion kann da erst einmal warten.




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