InterviewEin Gespräch über den Wald im Strohgäu Besucher sind kritischer geworden

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2018 war ihr 25. Jahr hier als Revierförster. Der Wald steht noch – aber was hat sich verändert in dieser Zeit?

Das Revier Heimerdingen ist mir ans Herz gewachsen. Worin wir heute investieren, finden unsere Urenkel einmal als Wald vor. Die Digitalisierung ist auch bei uns im Büro angekommen. Die Verwaltung machen wir heute am Computer. Der Beruf des Försters ist attraktiv wie eh und je.

Werden Sie angegriffen, wenn im Wald die Motorsägen kreischen?

Ich hatte nie Probleme mit kritischen Besuchern. Heute wird viel stärker kritisch wahrgenommen, was wir tun. Ich stelle mich der Diskussion und nehme mir die Zeit, auch samstags, den Leuten im Wald zu erklären, warum wir was machen.

Sind die Beschwerden häufiger geworden, gehen die Leute bewusster in den Wald und schauen sich um, was geschieht?

Viele Leute nutzen den Wald als Erholungsraum, zum Hund ausführen, zum Joggen. Sie fragen heute interessierter und kritischer als früher. Das ist aber kein Fehler. Die Politik fordert, dass man sich als Bürger beteiligt. Ich habe keine Probleme damit, mache auch Führungen für Naturschutzgruppen und beantworte gerne jede Frage.

Der Wald ist ja auch ein Wirtschaftsfaktor.

Der finanzielle Aspekt spielt bei uns im Strohgäu eine absolut untergeordnete Rolle. Um Umsatz zu machen, schlagen wir nicht mehr Holz als nachwächst. Die Kommunen sind froh, wenn wir eine schwarze Null schreiben, aber auch ein gewisser Abmangel wird toleriert. Die Erholungs- und Schutzfunktion des Waldes hat Vorrang.

Gehen die Besucher heute anders um mit dem Wald als vor 25 Jahren?

Insgesamt umsichtiger, auch wenn Privatleute als Käufer Holz rausholen. Oder die Arbeitssicherheit: Schutzkleidung und ein Motorsägen-Kurs sind heute Standard, das kannte man vor 25 Jahren nicht. Diese Kurse können übrigens hier im Revier Heimerdingen am Stützpunkt besucht werden.

Stören Extremsportler im Wald?

Es gibt Menschen, die sich an Vorschriften halten, und Menschen, die das nicht tun.

Kurven bei Ihnen Mountainbiker kreuz und quer zwischen den Bäumen herum?

In den Wäldern von Ditzingen, Hemmingen und Korntal-Münchingen ist das kein Problem, wegen der Topografie; es geht nicht wirklich bergab. Das ist zum Beispiel in Stuttgart anders. Kreuz-und-quer-Herumkurverei spielt hier kaum eine Rolle.

Ihr Fazit zum Verhalten der Besucher?

Intensivere Beschäftigung mit der Natur kann zu Umsicht führen. Aber auch zum Gegenteil, nach dem Motto „Der Wald gehört mir, ich benutze ihn nach Lust und Laune“. Müll im Wald war vor 25 Jahren kein solches Problem wie heute. Es gibt auch Menschen, die ihren Hund die Rehe aufscheuchen und herumjagen lassen. Wir versuchen, mit den Leuten zu reden.

Sie sind in Ihrem Amt 25 Jahre älter geworden, der Wald auch.

Der Wald hatte früher mehr alte Bäume als heute. Wir setzen auf natürliche Verjüngung. Wenn ein Förster so lange auf einer Stelle ist wie ich, bedeutet das Kontinuität. Wer so lange da ist, kann das Verhalten der Bäume über Jahre beobachten und angemessen reagieren, wie ich es geschildert habe. Wir nutzen auch ehemalige Baumschulen, um Weihnachtsbäume anzupflanzen. Auch da dürfen die Bäume wachsen, wie sie wollen. Sie wachsen zum Glück immer nach oben.

Das Amt
Steffen Frank, 55, ist seit Dezember 1993 der Leiter des Forstreviers in Ditzingen-Heimerdingen. Er hat vor wenigen Tagen sein 25-jähriges Jubiläum auf dieser Stelle begangen. Zuvor war er bereits mehr als sechs Jahre lang der Büroleiter des Forstamtes. Frank ist Diplom-Forstwirt. Für ihn war sein Berufsziel schon während der Schulzeit klar.

Das Revier
Das Revier Heimerdingen umfasst die Gemarkung der Stadt Ditzingen, dazu Hemmingen, Korntal und Münchingen sowie im Osten noch Ludwigsburg-Poppenweiler. Die Fläche des Reviers beträgt rund 850 Hektar. Es ist damit nur etwas größer als das zweite große Revier im Strohgäu, an dem die Stadt Gerlingen einen Anteil von 800 Hektar hat. Das Revier Heimerdingen hat drei fest angestellte Mitarbeiter, es beschäftigt zudem freie Unternehmer als Partner. Anmeldungen zu Motorsägenkursen unter Telefon 0 71 52/5 24 88.

Die Eigentümer
Der Wald im Forstrevier Heimerdingen gehört zu großen Teilen der Stadt Ditzingen und der Gemeinde Hemmingen, sowie der Stadt Korntal-Münchingen. Privatleute haben mit zehn und der Staat mit 20 Hektar nur kleine Anteile am Besitz. kwa