Ein heißer Lametta-Deal Kein Grund sich zu genieren

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Weihnachtsfans sind in Börtlingen schon jetzt auf ihre Kosten gekommen. Beim ersten Lametta-Deal war Adventsschmuck jeder Art heiß begehrt.

Trotz Sonne satt ist Adventsschmuck kein Ladenhüter. Foto: Horst Rudel
Trotz Sonne satt ist Adventsschmuck kein Ladenhüter. Foto: Horst Rudel

Börtlingen - Im gleißenden Sonnenlicht strahlen die bunten Glaskugeln. Daneben blinkt, aufgrund der extremen Helligkeit nur schwer zu erkennen, ein glitzernder Plastikstern: einmal rot, einmal gelb, einmal blau. Das Päckchen mit den Christbaumkerzen wurde sicherheitshalber in den Schatten verlagert. Börtlingen hat zum großen Lametta-Deal aufgerufen, und ca. 100 Anbieter sind dem Anfang September doch eher ungewöhnlichen Ansinnen gefolgt.

Die einen ganz offensiv, indem sie Rauschgoldengel, Adventskalender und Fensterbilder an ihrem Stand in die vorderste Reihe legen. Die anderen eher dezent: Rentiere aus Filz und kunstschneeverzierte Tannenzapfen liegen irgendwo zwischen alten Schallplatten und Comicheften auf dem Tapeziertisch.

Lebkuchen schmecken doch auch schon

Annemarie Dengel aus Uhingen und Sigrid Dörling aus Birenbach gehören ersterer Verkäufer-Spezies an: „Als ich vor einiger Zeit davon gehört hab’, dachte ich mir noch: wie verrückt ist das denn?“, sagt Sigrid Dörling. Aber dann habe sie sich mit der Idee angefreundet und finde die Aktion inzwischen einfach toll. „Außerdem habe ich ja auch kein Problem, jetzt schon Lebkuchen zu essen“, ergänzt Annemarie Dengel grinsend. Und vor allem: die Weihnachtssachen liefen besser als alles andere.

Dass es nie zu früh ist, sich mit Adventsschmuck einzudecken, davon versucht nebenan eine ältere Dame die potenzielle Kundschaft zu überzeugen. „Sie missat sich et scheniera, andere hen au was kauft“, erklärt sie und versucht einen Plastikweihnachtsbaum an den maximal mittelmäßig interessierten Mann, der vor ihr steht, zu bringen. Drei Euro soll das Bäumchen kosten. „Na ja, oder zwei.“ Doch der Käufer in spe wendet sich ab – kopfschüttelnd.

Wenka: Die Nase aus dem Schurwald rausstrecken

Ein paar Meter weiter hat Susanne Schütz eine Ecke ihres Flohmarktstands zum „Christmas Corner“ gemacht. Forsch versucht sie Putten und Kerzenständer, Strohsterne und anderen Nippes loszuwerden. „Das alte Zeug muss raus, so lautet die Devise“, betont die Börtlingerin und findet es lustig sich bei diesen Temperaturen mit dem Winter beschäftigen zu müssen. Marion Hardtmann steht dagegen eher auf klassisch herbstlich. „An meinem Stand mag ich es lieber dezent. Mein Mann rennt hier aber als Nikolaus verkleidet herum“, sagt sie und macht damit deutlich, dass die Familie dem kuriosen Lametta-Deal sehr wohl etwas abzugewinnen weiß.

Vor dem Eingang zum Rathaus, dessen Treppenhaus ein großer bunt geschmückter Weihnachtsbaum ziert, stehen ebenfalls zwei rotbemützte Gestalten. Die Gemeinderäte Andreas Werner und Dieter Teichmann sind am kommunalen Infostand im Einsatz und finden es nicht schlimm, dass rundherum ebenfalls zahlreiche Feste stattfinden. „Andere Ortschaften sollen machen, was sie wollen, wir machen es ja auch“, erklärt Teichmann, und sein Kollege nickt vielsagend. Für den Bürgermeister Franz Wenka hat die Aktion nicht zuletzt aus diesem Grund, einen ganz ernsthaften Hintergrund. Er sagt: „Börtlingen liegt ein bisschen abseits, und deshalb müssen wir unsere Nase immer wieder mal aus dem Schurwald rausstrecken.“ Solch verrückte Geschichten seien aber nicht nur eine gute Außenwerbung, sondern schmiedeten auch die Bevölkerung zusammen, fügt der Schultes hinzu.




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