Ein Jahr ohne Konsum 33-jähriger Stuttgarter hat 2024 ein „No-Buy-Year“ gemacht

Auf die Idee mit dem No-Buy-Year kam ursprünglich Kevins Mann. Foto: Kevin Seyfarth

Käufe sind heutzutage mit wenigen Klicks getätigt. Hier ein neuer Pullover, dort ein Paar Sneaker. Der 33-jährige Kevin Seyfarth aus Stuttgart wollte diesen Teufelskreis durchbrechen und legte 2024 ein No-Buy-Year ein. Jetzt zieht er ein Resümee.

Volontäre: Janina Link (jali)

Kein neuer Hoodie, nicht das lang ersehnte und frisch auf den Markt gekommene Videospiel, geschweige denn spontane Online-Käufe: Ein ganzes Jahr lang hat der 33-jährige Kevin aus Stuttgart auf all das verzichtet, denn er hat ein No-Buy-Year gemacht – ein Trend, der vor allem in den Vereinigten Staaten und England groß geworden ist. Was steckt dahinter? Eigentlich genau das, was der Name bereits erahnen lässt: „Ein Jahr lang kauft man sich keine neuen Dinge – zumindest nichts, was über das Nötigste hinausgeht“, so Kevin.

 

Auf die Idee eines No-Buy-Years habe ihn sein Mann gebracht. „Irgendwann gegen Ende 2023 kam er auf mich zu und meinte, er würde das gern mit mir zusammen machen. Einfach, um unseren Konsum zu reduzieren und um erst einmal alles aufzubrauchen, was wir da haben.“ Sein Mann habe ihm erklärt, wie das Ganze abläuft, und Kevin „fand die Idee direkt super“, wie er sagt.

Der erste Schritt: alles schriftlich festhalten. „Wir haben festgelegt, bis zu welchem Datum nichts gekauft wird, welche Sachen darunter fallen und was Ausnahmen darstellen. Die Liste haben wir uns dann als eine Art Daily Reminder in die Küche gehängt.“ So eine Liste zu erstellen, würde Kevin im Übrigen jedem raten, der ein No-Buy-Year plant. „So etwas ist hilfreich, damit man sich im Kopf nicht vielleicht doch noch ein Schlupfloch sucht“, sagt er und lacht.

Beim Window-Shopping (fast) in Versuchung geraten

Eine Ausnahme, die die beiden gemacht haben, war zum Beispiel ein bereits geplanter Urlaub. Auch das Thema Essen wurde größtenteils ausgeklammert. Ebenfalls haben die beiden im Voraus vereinbart, dass man im Notfall auch Kleidungsstücke nachkaufen darf: „Wenn nun plötzlich alle Hosen kaputt gegangen wären, die man hat, hätte man sich natürlich eine nachkaufen dürfen, damit man nicht am Ende dasteht und nur noch löchrige Jeans hat.“

Verzichtet wurde auf alles andere – wie neue Klamotten, nicht zwingend nötige Kosmetikartikel oder auch Unterhaltungsartikel. Das ganze Jahr über so strikt zu bleiben, was den Konsum betrifft, sei nicht immer einfach gewesen. Gerade zu Beginn habe Kevin das manchmal gemerkt. „Wenn man zum Beispiel beim Window-Shopping ein schönes Kleidungsstück gesehen hat, musste man sich schon immer wieder daran erinnern, dass man sich das jetzt nicht kaufen darf“, gibt Kevin zu. Auch beim Stöbern in Buchläden habe er einige Male den Impuls niederkämpfen müssen, den Geldbeutel zu zücken und etwas zu kaufen.

Klamotten, die man eigentlich zurückschicken hätte sollen

„Allein deshalb war das Ganze schon hilfreich – um einfach mal das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen.“ In Zeiten von Amazon und Co. sei man doch schnell dazu verleitet, Dinge „einfach mal so“ zu kaufen. „Ich habe zum Beispiel mal einige Gadgets für die Küche gekauft, weil ich dachte, sie könnten praktisch sein – aber nun liegen sie in der Schublade und werden kaum benutzt“, sagt Kevin. „Oder auch Klamotten, die man eigentlich hätte zurückschicken sollen, da sie nicht zu 100 Prozent passen – zum Beispiel das ein wenig zu kurze Hemd oder die etwas zu enge Hose.“

Gerade die Zeit vor Weihnachten ist eine sehr konsumreiche. Im vergangenen Jahr hat der deutsche Handel laut dem Statistischen Bundesamt 119,8 Milliarden Euro Umsatz im Weihnachtsgeschäft gemacht. Wie gehen Kevin und sein Mann damit um? „Wir achten dieses Jahr schon darauf, alles ein bisschen zu reduzieren. Anstatt Gekauftem werden wir wohl eher Selbstgemachtes verschenken – oder Zeit, die man gemeinsam verbringt.“

Auch finanziell hat sich das No-Buy-Year gelohnt

Das Jahr 2024 neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu, das No-Buy-Year ist somit fast überstanden – Zeit, ein Resümee zu ziehen. „ Rückblickend ist es wirklich gut machbar gewesen. Und das, obwohl ich anfangs dachte ’Oh je, das wird schwierig’“, sagt der Stuttgarter.

Hat das Ganze langfristig sein Konsumverhalten beeinflusst? „Würde ich schon sagen“, gibt der 33-Jährige zu. Auch finanziell hat sich das No-Buy-Year gelohnt, sagt Kevin: „In manchen Monaten konnte man einiges zur Seite packen.“ Geld, das sonst vielleicht für neue Klamotten oder Videospiele draufgegangen wäre.

Um in Zukunft bewusster zu konsumieren, habe er sich bereits etwas überlegt. „Ich möchte ab sofort immer eine Liste machen mit Sachen, die ich kaufen möchte, und dann schaue ich da nach ein oder zwei Monaten noch einmal darauf und prüfe, ob ich sie immer noch brauche oder haben möchte. Und wenn nicht, dann streiche ich sie direkt wieder von der Liste.“

Und für alle, die sich für 2025 nun ein No-Buy-Year vornehmen, hat Kevin auch gleich noch einen Tipp: „Man sollte nicht zu hart zu sich sein, wenn man irgendwann im Jahr doch mal schwach wird und sich etwas kauft, das nicht im Plan vorgesehen war. Denn allein der Versuch zählt ja schon.“

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