Ein Jahr Corona-Studium Mehr Studierende aufgrund fehlender Alternativen

Eine Box mit Papiertüchern und eine Sprühflasche mit Desinfektionsmittel steht neben einer Studentin  der Universität Hohenheim. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Eine Box mit Papiertüchern und eine Sprühflasche mit Desinfektionsmittel steht neben einer Studentin der Universität Hohenheim. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Vorläufige Zahlen zeigen eine steigende Nachfrage an Studienplätzen in Baden-Württemberg. Nur ausländische Studenten kommen seltener. Alles Folgen der Coronapandemie?

Volontäre: Katrin Maier-Sohn (kms)
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Stuttgart - Die Coronapandemie beeinflusst nicht nur den Alltag von Kita- und Schulkindern, sondern auch den der rund 360 000 Studierenden in Baden-Württemberg. Seit rund einem Jahr studieren sie unter erschwerten Corona-Bedingungen. Nun beginnen die Vorlesungen zum Sommersemester 2021, und die Bewerberzahlen scheinen weiter zu steigen.

Zwar liegen die endgültigen Zahlen dem Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg noch nicht vor, da die Einschreibungen für das Sommersemester noch nicht an allen Hochschulen im Land abgeschlossen sind, doch einige der Hochschulen verzeichnen für das Sommersemester 2021 mehr Bewerber als im Vorjahr. Die Universität Tübingen hat bisher 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Hochschule für Technik Stuttgart beobachtet eine Zunahme von 30 Prozent. An der Universität Konstanz sind es sogar 35 Prozent mehr Bewerber.

Weniger Ausbildungsverträge

Grund für die steigende Nachfrage könnten fehlende Alternativen zum Studium sein. „Zwar zeigten die Studienanfänger auch schon in den Semestern zuvor ein großes Interesse an unseren Studiengängen zu Themen wie Mobilität, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, in diesem Semester könnte aber dazukommen, dass die Abiturienten nicht reisen und auch kein Praktikum machen können. Außerdem ist es schwieriger, einen Ausbildungsplatz zu finden“, sagt eine Pressesprecherin der Hochschule für Technik Stuttgart.

Dafür sprechen auch die Auszubildendenzahlen. Wie aus der Ausbildungsbilanz des Bundesinstituts für Berufsbildung hervorgeht, ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge 2020 im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland um elf Prozent gesunken. Im Land waren es zehn Prozent. Setze sich dieser Trend 2021 fort, drohe innerhalb von zwei Jahren ein Verlust von fast 100 000 Neuverträgen, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Elke Hannack. „Erste Daten deuten jetzt schon auf ein weiteres Minus von zehn Prozent hin.“

Freiwilligenarbeit im Ausland für viele keine Option mehr

Und auch die sinkende Nachfrage nach Freiwilligendiensten im Ausland unterstreicht die Vermutung. Das Portal „Freiwilligenarbeit.de“ teilt mit, dass im Zeitraum von März 2020 bis März 2021 die Nachfrage nach Auslandspraktika, Tierschutzprojekten oder Ähnlichem, um rund 59 Prozent, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, zurückging.

Im Gegensatz zu den inländischen Bewerbern hat die Pandemie die Zahl der aus dem Ausland stammenden Studienanfänger an deutschen Hochschulen deutlich sinken lassen. 99 400 und damit 21 Prozent weniger ausländische Studierende schrieben sich 2020 für das erste Semester ein, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Auch im Land lässt sich ein ähnlicher Trend beobachten. „Die Zahl der internationalen Studienanfänger ging aufgrund der Coronapandemie bereits im Sommersemester 2020 stark zurück“, teilt das Wissenschaftsministerium mit. „Vorläufige Zahlen zum Wintersemester 2020 und 2021 zeigen, dass sich dieser rückläufige Trend fortsetzt.“ So begannen zum Wintersemester 2020 und 2021 nur noch 8700 Studierende mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit ein Studium im Land. Im Vergleich zum Wintersemester davor sind das 27 Prozent weniger. Die Universität Freiburg erklärt sich diesen Rückgang mit Hürden wie den Einreiseeinschränkungen, geschlossenen Botschaften und Visa-Abteilungen sowie damit, dass sich manche der Studierenden die 1500 Euro Studiengebühren pro Semester in Deutschland nicht mehr leisten können.

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