Ein Jurist leitet das Kriminalmuseum Die Gerichtsshow aus Rothenburg

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Museumschef Markus Hirte bringt Besuchern das Recht nahe – ohne Steuergelder, aber unter Einsatz des Prangers.

Markus Hirte am Eingang des 365 Tage geöffneten Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg ob der Tauber. Foto: © sensation RED Kiertscher/Strobel
Markus Hirte am Eingang des 365 Tage geöffneten Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg ob der Tauber. Foto: © sensation RED Kiertscher/Strobel

Rothenburg ob der Tauber - In der Rückschau passen die Stationen eines Lebenslaufs ja oft bestens zusammen. Ob es aber zwangsläufig ist, dass ein Einserjurist wie Markus Hirte (41) als Anwalt für Aktien- und Kapitalrecht von Stuttgart direkt in das Mittelalterliche Kriminalmuseum nach Rothenburg ob der Tauber wechselt? Vor fünf Jahren hat Hirte es getan. Da hat er aufgehört, zusammen mit anderen Kollegen Dax-Unternehmen zu betreuen und Hauptversammlungen vorzubereiten. Auf den Hexensabbat an der Börse folgten die Rechtsquellen zur Hexenverfolgung des Mittelalters.

Wer dem Mann mit dem leicht sächsischen Spracheinschlag zuhört, wenn er aus dieser „sehr interessanten Welt der Konzerne“ erzählt, dann aber auch mühelos düstere „Rammstein“-Videos und die weltweit konkurrierenden Rechtssysteme analysiert, zweifelt schon weniger daran, dass vieles zusammenpasst in diesem Leben.

Junge Besucher für ein altes Museum

Hirte ist angetreten, die in die Jahre gekommene Wissensmaschine Kriminalmuseum neu ans Laufen zu bringen. Die 7000 Exponate bleiben zwar dieselben wie die Jahre zuvor, aber den Zugang will Hirte erleichtern – und für junge Museumsbesucher attraktiv machen. Mitte August hat er das erste wissenschaftliche Symposium im Museum zum modernen Thema Gangsta-Rap veranstaltet. Hirte ist bestens vernetzt.

Mögen andere Museumsmacher ihn auch heimlich belächeln für die Folterwerkzeuge, mit denen er Zuschauer lockt. Einen Trumpf hat der promovierte Jurist dennoch im Ärmel. Sein Museum finanziert sich ausschließlich durch Eintrittsgelder, hat an 365 Tagen im Jahr geöffnet und lockt jährlich 110 000 Besucher aus 70 Nationen an. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Hirte stolz. Für einen Ein-Mann-Betrieb plus Assistentin und 25 Mitarbeitern in der Museumsaufsicht ist es aber auch eine sehr ambitionierte Richtgröße für die Zukunft. Mit einem Leben als Wissenschaftler im Elfenbeinturm hat das nichts gemein. Aber genauso hat es sich Hirte bei seinem Antritt vorgestellt. Er will lernen, anwenden und weiter forschen.