Kölner Medienanwalt Ralf Höcker Erdogans Mann im Gerichtssaal

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Ralf Höcker ist Medienanwalt. Zu seinem Mandanten gehören Jörg Kachelmann, Heidi Klum – und nun auch Recep Tayyip Erdogan. Warum er Letzteren vertritt , muss er nun oft erklären.

Beschäftigen die Gerichte: Recep Tayyip Erdogan und Jan Böhmermann Foto: Ullstein
Beschäftigen die Gerichte: Recep Tayyip Erdogan und Jan Böhmermann Foto: Ullstein

Köln - In der deutschen Öffentlichkeit ist die Stimmung gegenüber Recep Tayyip Erdogan eisig bis gereizt. Über das politische Gebaren seines momentan schlagzeilenträchtigsten Mandanten kommt Ralf Höcker dennoch keine Sterbenswörtchen über die Lippen. Direkten Kontakt zu ihm habe er gar nicht. Der Kontakt laufe über das Präsidialamt. Recep Tayyip Erdogan geht hier am Kölner Friesenplatz nicht ein und aus. Und über seine Meinung zu dessen Politikkurs schweigt Höcker konsequent. Als Anwalt kann er auch gar nichts anderes tun. Auf die Frage, warum er den türkischen Staatschef in all seinen Beleidigungsklagen nach dem Böhmermann-Gedicht in Deutschland – außer gegen den Moderator persönlich – vertritt, wird Höcker grundsätzlich. „Ich mache es, weil jeder einen Anspruch auf anwaltliche Vertretung hat und weil wir letztlich die Menschenwürde gegen rechtswidrige Eingriffe verteidigen, und die steht nun einmal jedem zu, auch wenn das nicht allen passt.“

Wohlgemerkt: Er ist Presserechtler und nicht Strafverteidiger. Bei Höckers Fällen geht es im Kern immer um die Abgrenzung der Pressefreiheit gegen die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen – seien es Prominente, Unternehmer oder ganz normale Bürger.

Eine hohe Gebühr als Schmerzensgeld

Ein Chirurg müsse auch die Opfer und den Täter bei einem Attentat operieren. „Natürlich muss man in jedem Fall völlig ausblenden, wen man vor sich hat“, erklärt er. Auch vor der Vertretung von Straftätern und sogar Terrorverdächtigen würde er nicht zurückschrecken, falls ihnen Unrecht getan wird. „Auch solche Leute sind nicht vogelfrei. Ein Anwalt mit Berufsethos darf kein Rosinenpicker sein.“ Höcker räumt ein, dass diese Einstellung nicht immer leicht durchzuhalten sei. Manchmal, wenn die Bauchschmerzen allzu groß werden, rufe er sogenannte Abwehrkonditionen auf. „Ich bin dann eben teurer“, erklärt er. Willigt der Mandant dennoch ein, betrachte der Anwalt das hohe Honorar als eine Art Schmerzensgeld. Kein Kommentar, ob das im Fall Erdogan so war.

Ralf Höcker, 45, ist Medienanwalt. Zu seinen Klienten gehören Heidi Klum und Jörg Kachelmann. Für Letzteren hat er vom Springer-Konzern gerade eine Entschädigung von über einer halben Million Euro erkämpft. Ein bisschen prominent ist er aber auch selbst. Er hat ein mehrbändiges Lexikon der populären Rechtsirrtümer verfasst, mit der „ZDF-Fernsehgarten“- Gastgeberin Andrea Kiewel eine TV-Show moderiert und war mit einem Comedy-Programm auf Tour. Ein Vertreter eines Dax-Unternehmens habe ihn dort erlebt und in einem Rechtsfall angeheuert. So viel zur Frage, ob sein Auftreten der Seriosität schade. Beim Deutschen Fernsehpreis sitzt er im Publikum. Das Scheinwerferlicht scheut er nicht.

Ralf Höcker in seiner Kanzlei. Foto: Valentina Kurscheid
So habe er den Mut gefunden, Sachen zu machen, die sich andere – etwa aus Sorge, Mandanten zu verlieren – nicht trauen. Höcker wird deutlich: „Die Kollegen, die sagen, ich mache keine Nazis, keine Sekten und keine Terroristen, haben Schiss, dass ihnen die Mandaten weglaufen. Das ist aber Unsinn. Wenn man erklärt, mit welcher Haltung man das macht, versteht es jeder. Jedenfalls fast jeder.“ So ganz unbegründet scheint die Angst aber nicht zu sein. Anja Sturm, die Verteidigerin Beate Zschäpes, wechselte die Kanzlei, weil Mandanten Anstoß an ihrem Tun nahmen. Das Bekenntnis, jeder habe das Recht auf einen Anwalt, müsse eben auch mit Leben gefüllt werden, ist Höckers Überzeugung. Sonst bleibe es ein Lippenbekenntnis.