Ein linkes Liebespaar dominiert die spanische Politik Madrids politischer Familienbetrieb

Linkes Kraftzentrum: Pablo Iglesias und Irene Montero. Foto:AFP/Pierre-Philippe Marcou Foto: AFP

Mit der neuen Koalition steigt der Einfluss der Linkspopulisten in Spanien. Das hat auch etwas mit einem politischen Liebespaar zu tun. 

Korrespondenten: Martin Dahms (mda)

Madrid - Wenn es nach Pablo Iglesias gegangen wäre, besäße Spanien schon lange eine linke Regierung – mit ihm als Vizeministerpräsidenten. Pedro Sánchez aber, Generalsekretär der spanischen Sozialisten (PSOE), wollte Iglesias auf keinen Fall an seiner Seite haben. Der Podemos-Chef sei „das größte Hindernis“ für eine linke Koalitionsregierung, sagte Sánchez einige Wochen nach den Wahlen im April vergangenen Jahres. Nun, erwiderte Iglesias, dann trete er eben beiseite. Statt seiner sollte Irene Montero Vizeministerpräsidentin werden, die Fraktionschefin von Podemos.

 

Dafür war Sánchez aber auch nicht zu haben. Er wollte allein regieren. Anfang November ließ er die Spanier ein zweites Mal wählen. Sie gaben ihm aber wieder keine ausreichende Mehrheit. So gibt es nun, nach zweimonatigen Verhandlungen, doch eine linke Koalitionsregierung aus PSOE und Podemos. Und auf der Kabinettsliste stehen sowohl Iglesias als auch Montero. Das gab Sánchez jetzt bekannt. So sind die Volten der Realpolitik. 

Cleverer Machtpolitiker

Pablo Iglesias und Irene Montero sind das mächtigste Liebespaar Spaniens. Der heute 41-jährige Politologe Iglesias war vor sechs Jahren einer der Gründer von Podemos („Wir können“), einem linkspopulistischen Projekt, mit dem er „die Himmel erstürmen“ wollte. Er kam seinem Ziel auch ziemlich nahe: Bei den ersten nationalen Wahlen, an denen Podemos teilnahm, im Dezember 2015, näherte sich die Partei mit gut 20 Prozent der Stimmen auf nur einen halben Prozentpunkt der PSOE. Seinen Traum, auf Anhieb Spaniens Regierungschef zu werden, konnte Iglesias damit nicht verwirklichen.

Seitdem hat Podemos – mittlerweile im Verbund mit der kommunistisch dominierten Izquierda Unida, der vereinigten Linken – stetig Stimmen verloren. Im November kam das Wahlbündnis Unidas Podemos auf 12,8 Prozent der Stimmen, und ist dennoch einflussreicher denn je. 

Iglesias ist ein kluger und cleverer Machtpolitiker. Alle innerparteilichen Widersacher hat er in den vergangenen Jahren aus der Partei gedrängt. Zur Nummer zwei machte er – immer mithilfe der ihm sehr ergebenen Parteibasis – die gut neun Jahre jüngere Irene Montero, die seit drei Jahren auch seine Lebenspartnerin ist. Die beiden haben gemeinsam drei Kinder, männliche Zwillinge und eine Tochter.

Enorme Machtfülle für ein Liebespaar

Podemos gleicht heute einem politischen Familienbetrieb, was die Anhänger aber nicht zu stören scheint. Iglesias und Montero selbst lassen sich auf ihre politisch-amouröse Allianz nicht gerne ansprechen, wissend, dass jene ein wenig unappetitlich wirkt. Iglesias wird dafür von der spanischen Rechten immer wieder an einen Fernsehauftritt aus dem Jahr 2014 erinnert, als er der damaligen Madrider Bürgermeisterin Ana Botella unterstellte, ihre „einzige Kraft“ beruhe auf ihrer Ehe mit dem früheren konservativen Ministerpräsidenten José María Aznar. 

Doch ebenso wie Botella ist Montero mehr als die weibliche Hälfte einer Zweierbeziehung. Die 31-jährige Psychologin führte für Unidas Podemos die Verhandlungen mit der PSOE, sehr erfolgreich. Fünf Kabinettsposten hat Montero für ihre Partei erstritten: die Ministerien für Arbeit, für Universitäten, für Konsum und für Gleichheit (gemeint ist die gesellschaftliche Gleichstellung der Geschlechter) und einen Vizeministerpräsidentenposten für soziale Rechte. Den wird Pablo Iglesias einnehmen, Gleichheitsministerin wird Irene Montero.

Wäre Spanien kein Staat, sondern ein börsennotierter Konzern, wäre eine solche Machtfülle für ein Liebespaar nicht denkbar, lästerte die rechte Tageszeitung „ABC“. Solche Kritik lässt die beiden kalt. Sie wollen jetzt, versprach Montero, Politik „für die Leute“ machen. 

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