Ein neues Buch zum Jakobsweg Auf dem Weg zu sich und nach Santiago

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Renate Florl, Autorin zahlreicher Wanderführer, hat ein sehr persönliches Buch über das Pilgern in Spanien geschrieben.

Schlechte Laune wegen Regen? Iwo, Renate Florl lässt sich davon nicht stören. Foto:  
Schlechte Laune wegen Regen? Iwo, Renate Florl lässt sich davon nicht stören. Foto:  

Auenwald - „Tous les matins nous prenons le chemin, tous les matins nous allons plus loin – Jeden Morgen machen wir uns auf den Weg, jeden Morgen gehen wir weiter“, lautet das wohl bekannteste Pilgerlied, das man auf dem Jakobsweg hören kann. Manchmal wird es abends in einer der vielen Pilgerherbergen gesungen. Manchmal stimmt unterwegs einer oder eine Gruppe es an. Und je nachdem, wie viele in der Nähe sind, singen andere mit: vor oder hinter einem, an Bergen über oder unter einem. Wer das erlebt hat, vergisst es sein Leben lang nicht mehr.

Eine erfahrene Pilgerin auf dem Jakobsweg

Renate Florl kennt solche Augenblicke. Die Auenwalderin hat den Jakobsweg schon oft bereist. Sie ist bekannt für ihre detaillierten Wanderführer, die jede Weggabelung so ausführlich beschreiben, dass ein falsches Abbiegen so gut wie unmöglich ist. Nun hat sie ein sehr persönliches Buch über das Pilgern geschrieben. „101 Dinge, die man über den Jakobsweg wissen muss“, ist im Bruckmann-Verlag erschienen. „Das war eine Idee des Verlags, der damit im vergangenen Jahr auf mich zugekommen ist“, erzählt Renate Florl.

101 Dinge mussten oder durften es sein, so lautet der Titel der Reihe. „Zuerst habe ich befürchtet, ich bekäme keine 101 Punkte zusammen. Dann war ich schnell bei 130 und musste wieder streichen“, sagt sie und lacht. Je mehr sie nachgedacht habe, umso mehr sei ihr eingefallen, schließlich ist sie bereits drei Mal den Camino de Santiago gepilgert, die Hauptstrecke des Jakobswegs in Spanien und vier Mal hat sie Santiago de Compostela besucht. Da kommen viele Erinnerungen auf.

Fußbad oder nicht, das ist hier die Frage

Unter anderem an die vielen Diskussionen, ob man unterwegs die Füße in ein kaltes Gewässer halten darf oder nicht. „Da gibt es nur Befürworter oder Gegner“, meint Renate Florl, die nichts gegen eine Kühlung ihrer Füße hat. „Bei normalen, gesunden Füßen ist das kein Problem. Die trocknen ja schnell.“ Demgegenüber gare der eine oder andere Fuß im eigenen Saft, wenn er nicht aus dem Stiefel kommt.

Jede Menge praktische Tipps – vom Kauf des Rucksacks, der Schuhe oder die Wahl der Herbergen – findet man in dem Buch. Und jede Menge persönliche Erfahrungen und Eindrücke der Autorin, die neugierig auf eine Pilgerreise machen, ob jemand das noch nie gemacht hat oder es wieder in Angriff nehmen will.

Schwäbische Lieder in der Herberge

Dazu muss man nicht weit reisen, jeder kann direkt vor der Haustür anfangen: es gibt ungezählte Wege zum Jakobsweg, der sich immer weiter verästelt je weiter er sich vom gemeinsamen Startpunkt bei Pamplona entfernt. Seit Jahrhunderten kommen Pilger aus ganz Europa nach Santiago. Renate Florl ist erst im Mai wieder dort gewesen, zusammen mit einer Gruppe, die seit 2005 Etappe für Etappe gemacht hat. Unterwegs haben sie auch in La Faba jene Pilgerherberge besucht, die der Degerlocher Manfred Hartmann zusammen mit dem Historiker Gerhard Raff restauriert hat. „Schwaben, die dort ein schwäbisches Gedicht aufsagen oder ein Lied singen, dürfen umsonst übernachten“, sagt Renate Florl. Sie hat auch gesungen. „Das Backnang-Lied, schließlich bin ich dort geboren.“