Ein Paar lebt in Beuren seinen Traum Großes Glück im kleinen Zirkuswagen

Bettina Oechslein und Wolfgang Zeh haben den Wagen selbst ausgebaut und charmant hergerichtet, auch Tochter Greta gefällt’s. Foto: Ines Rudel

Bettina Oechslein und Wolfgang Zeh aus Beuren genießen ihr kleines Abenteuer und die Freiheit vor der Haustür. Das selbst ausgebaute Wochenenddomizil auf Rädern ist ihr idealer Rückzugsort.

Region: Corinna Meinke (com)

Die Atmosphäre erinnert an eine Mischung aus Bullerbü und Hippiezeit. Und der Funke springt schnell über, wenn man das Paradies betritt, das sich Bettina Oechslein und Wolfgang Zeh in Beuren geschaffen haben. Rosafarbene Gardinen, viele Blumen, bunte Teppiche, massive Holzmöbel, draußen ein gemauerter Backofen und ein großer Schwenkgrill neben den Palettenmöbeln, und weiter hinten ein Gehege voller Hasen für die Enkel– es ist alles da, was das Herz für einen gemütlichen Feierabend begehrt.

 

„Lebe deinen Traum“, begrüßt ein kleines Schild die Ankömmlinge. Und gleich daneben geht es weiter: „Mit Zufriedenheit im Herzen wird die Welt zum Paradies.“ Auf dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Zeh scheinen zwei echte Lebenskünstler am Werk zu sein. Eigentlich wollten Wolfgang Zeh und seine Partnerin eine Weltreise machen, doch dann entdeckte Zeh im Netz einen Zirkuswagen. „Die Oberlichter haben es mir sofort angetan“, berichtet der Landschaftsgärtner. Und weil er den Wagen haben wollte, bot er eine stattliche Summe, erhielt noch in der gleichen Nacht den Zuschlag und so begann das Abenteuer vor der Haustür.

Der Koloss kam mit einer Spezialspedition

Innerhalb von nur sechs Wochen verwandelte der Perfektionist, wie Bettina Oechslein ihren Partner charakterisiert, den leeren Wagen in ein Wochenenddomizil mit Charakter, nachdem eine Spezialspedition den 12 Tonnen schweren Koloss auf dem Grundstück neben dem Beurener Thermalbad platziert hatte. Und das exakt im rechten Winkel – das war Zeh sehr wichtig.

Aus Tischlerplatten baute der handwerklich geschickte Landschaftsgärtner die Küchenmöbel und eine Bank, während er den rückwärtigen Teil des Wagens über die ganze Breite mit einem gemütlichen Bett samt Stauraum ausstattete. „Das habe ich alles doppelt und dreifach verschraubt, das ist unkaputtbar“, erklärt er und muss selbst lächeln, wenn er sich an den arbeitsreichen Winter 2019/2020 erinnert, in dem es wegen des Lockdowns und der Schließung der Baumärkte ziemlich schwierig war, das nötige Material überhaupt herbeizuschaffen.

Vor allem in Coronazeiten war der zehn Meter lange Wagen samt dem Platz, auf dem ein alter Apfelbaum genauso für lauschige Plätzchen im Schatten sorgt wie ein efeuüberwucherter Pavillon, ein willkommener Rückzugsort. Und noch immer ist es ein Treffpunkt für die ganze Familie. „Für mich ist das ein bisschen heile Welt. Es ist hier so friedlich und ruhig“, schwärmt der Beurener, der in seinem Zirkuswagen gerne die Wochenenden verbringt und sich dann ein bisschen wie im Urlaub fühlt, auch wenn das richtige Zuhause nur ein paar Hundert Meter entfernt liegt. „Ich brauche nicht viel. Ein Buch, ein Glas Wein und Musik“, so lautet Zehs Rezept für eine entspannte Zeit, und er stößt mit seiner Partnerin auf das gelungene Projekt an.

Fast alles ist hier selbst gemacht

„Wir schauen eigentlich jeden Tag mal vorbei, spätestens nach Feierabend“, berichtet Bettina Oechslein, die für die „Abteilung Handarbeit“ zuständig ist. Die Gardinen hat die Altenpflegerin, die heute im Kindergarten arbeitet, genauso selbst genäht wie die Kissenbezüge. Auf dem Esstisch mit der hochwertigen Kirschbaumplatte, den Zeh nach der Räumung des großelterlichen Anwesens aus dem Container gerettet hatte, stehen hübsche Windlichter, denen sie mit weißem Garn Überzieher gehäkelt hat, aber am meisten Geduld hat das Tapezieren gebraucht, erinnert sich das Paar. Die Tapete aus Jute ließ sich zwar ganz gut mit Kleister auf den Wänden befestigen, doch bis die schilfgrüne Farbe endlich darauf haftete, musste mehrfach gestrichen werden.

Deutlich einfacher ging die Gestaltung der Fliesenwand im Küchenbereich voran, denn beim Anbringen der bunten mexikanischen Fliesen half ein fachlich versierter guter Freund den beiden. Inzwischen ist der ganze Wagen liebevoll und praktisch ausgestattet und dekoriert. Für ein besonderes Flair sorgen allerlei Gerätschaften aus dem Haushalt der Großeltern wie die schönen Porzellangefäße für Zucker, Mehl und Kaffee oder das alte Besteck und die geschliffenen Gläser. Noch mehr Fundstücke von anno dazumal stehen auf den umlaufenden Borden. Auch das Akkordeon des Großvaters darf nicht fehlen.

Der kleine Bauwagen ist für die Enkelinnen reserviert

An lauen Tagen verbringen Zeh und Oechslein viel Zeit im Freien. Dann wird gebacken, gegrillt und gechillt. Sogar eine Hochzeit hat hier schon stattgefunden – die schönste von allen dreien, die sie mit ihren Kindern erlebt hat, sagt die Hausherrin strahlend.

Bereits vor gut 30 Jahren gab es einen Vorläufer, das ist der kleine Bauwagen, den sich Wolfgang Zeh zunächst als Rückzugsort auf seine Streuobstwiese gestellt hatte. Heute steht das schmucke Stück gleich neben dem großen Bruder, wo Puppenwagen, Basteltisch und Kuschelecke auf die beiden Enkelinnen warten.

Ein Ort mit hohem Freizeitwert

Beuren
 Die Gemeinde liegt am Fuße des Albtraufs mit Blick auf die Burg Hohenneuffen. Beuren ist als Kur- und Erholungsort bekannt für sein Thermalbad und seinen hohen Freizeitwert für Wanderer, Radfahrer und Wohnmobilisten, die hier einen ganz neuen Stellplatz vorfinden. Bekannt ist auch das Beurener Freilichtmuseum.

Ideen
 Wolfgang Zeh gehen die Ideen nicht aus. Auf dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei, das gleich neben dem Thermalbad liegt, möchte er als nächstes einen Teich anlegen. So ein Biotop ist dem Landschaftsgärtner als Rückzugsort für Tiere und Pflanzen wichtig. Auf dem Gelände befindet sich außerdem ein Trainingsplatz für Therapiehunde und der Betriebshof der ehemaligen Gärtnerei, die Zeh als Garage für verschiedene Fahrzeuge dient.

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