Ein Plädoyer Hundehalter - eine verfolgte Minderheit

Reportage: Frank Buchmeier (buc)
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Damit signalisiere ich Kompromissbereitschaft: Sieh' her, werte Obrigkeit, ich zahle die willkürlich erhobene Steuer und lasse nichts Stinkendes liegen. Dafür lass du bitte meinen Hund ungezwungen laufen, denn an der Leine wird jedes Lebewesen irgendwann irre. Geht nicht, sagen die Ordnungshüter, die ja auch nur ihre Pflicht tun. Es gebe schließlich Zeitgenossen, die sich vor Hunden fürchten.

Ich finde in unserem elektronischen Zeitungsarchiv, das bis 1991 zurückreicht, keine einzige Meldung, dass im Stuttgarter Schlossgarten ein Passant von einem Hund gebissen wurde. Allerdings wurden dort 338 Leute beraubt, verprügelt oder erstochen. Warum also, frage ich mich, haben die Menschen nicht mehr Angst vor anderen Menschen als vor Hunden? Wo ist die Selbstverständlichkeit gegenüber dem Mitgeschöpf Tier geblieben? In Leonberg hat vergangenen Freitag ein Schafbock einen Elfjährigen angegriffen und ihm die Hand gebrochen. Muss man sich deswegen vor Schafen fürchten?

Negative Ausnahmen und der Generalverdacht


Die negativen Schwingungen, die mir aus dem Stuttgarter Hundehasseruniversum entgegenschlagen, sind schwärzer als das schwärzeste Loch. Vergangenen Sommer bin ich mit meinem braven Rüden durch den Rosensteinpark spaziert. Da schreit mich ein Familienvater an: "Nimm sofort deinen scheiß Köter an die Leine oder ich rufe die Polizei!" Ich versuche gelassen zu bleiben und erkläre dem Mann, dass mein Hund Besseres zu tun hat, als seine Kinder zu massakrieren. Er zückt sein Handy und wählt die 1-1-0.

Woher kommt die weit verbreitete Kynophobie? Zehn Jahre ist es her, dass ein Sechsjähriger in Hamburg von so genannten Kampfhunden totgebissen wurde; der Besitzer der Tiere war alkoholkrank. Anschließend überboten die Innenminister einander mit der jeweils strengsten Verordnung: Leine, Maulkorb, Wesenstest. Seither sind auf deutschen Straßen mehr als 3000 Kinder ums Leben gekommen - trotzdem haben sich die Verkehrsregeln kaum geändert. Niemand kommt auf die Idee, Autofahrer unter Generalverdacht zu stellen.




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