Ein Plädoyer Hundehalter - eine verfolgte Minderheit

Reportage: Frank Buchmeier (buc)
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"Hunde sind sinnlos", sagen sie, so als würden sie über Kakerlaken reden. Ich begegne solchen Technokraten mit den von ihnen geliebten Zahlen. Erstens: der Hund ist ein Wirtschaftsfaktor, 1000 Euro werden pro Tier jährlich umgesetzt. Zweitens: Hundehalter sind physisch gesünder und psychisch stabiler. In Stuttgart haben knapp vier Prozent der Haushalte einen Hund. Wären es wie in Frankreich 38 Prozent, wären der Einzelhandel gestärkt und die Krankenkassen entlastet.

Anderswo funktioniert's doch auch


Natürlich kann eine Stadt alles unter Strafe stellen - auch die artgerechte Hundehaltung. Schöner ist aber, wenn die Bürger solche Dinge selbst regeln. Früher gab es den schwäbischen Liberalismus. Heute spuken die Kleingeister sogar in unseren heimischen Wäldern herum. Neulich habe ich bei meiner samstäglichen Wanderung zum Bärenschlössle einen Förster getroffen. Sein Hund, eine nette Bracke mit Schlappohren, und meine Promenadenmischung spielten ausgelassen miteinander. Förster: "Hier ist Leinenzwang." Ich: "Aber Ihre Bracke ist doch auch nicht an der Leine." Förster: "Wollen Sie eine Anzeige?"

Andere Kommunen arrangieren sich mit Mensch und Tier. In Hamburg gibt es seit 2006 die "Befreiung nach § 9 HundeG": Frauchen und Herrchen, die mit ihrem Vierbeiner eine "Gehorsamsprüfung" abgelegt haben, können ohne Leine Gassi gehen. Um zur Prüfung zugelassen zu werden, muss das Tier im Zentralen Hunderegister erfasst sein, wodurch automatisch die steuerliche Anmeldung erfolgt. Das nenn ich mal eine clever gemachte Verordnung.

Liebe Stuttgarter Stadtverwalter, schauen Sie bitte über Ihren Gaisburger-Marsch-Tellerrand zu den lebensfrohen Bayern oder den kühl kalkulierenden Hanseaten. Dann können Sie sich die Leinensheriffs und Steuerspitzel sparen. Damit mich keiner falsch versteht: Wer skrupellos Kacke auf dem Trottoir liegen lässt, soll zur Strafe meinetwegen einen Monat lang Putzdienst im Hauptklärwerk Mühlhausen leisten müssen. Aber bitte: Lasst mich und meinen Fellkumpel in Frieden. Wir sind sauber.




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