Ein Plädoyer Hundehalter - eine verfolgte Minderheit

Siesta im Schlossgarten: fünf Hunde sind unangeleint. Das macht 250 Euro Bußgeld plus Bearbeitungsgebühr. Foto: Steffen Burger 4 Bilder
Siesta im Schlossgarten: fünf Hunde sind unangeleint. Das macht 250 Euro Bußgeld plus Bearbeitungsgebühr. Foto: Steffen Burger

Als Hundehalter gehört man in Stuttgart einer verfolgten Minderheit an. Ein Plädoyer gegen Beschimpfung, Bespitzelung und Bestrafung.

Reportage: Frank Buchmeier (buc)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken
Stuttgart - Stuttgart ist die deutsche Metropole mit den höchsten Feinstaubwerten und der geringsten Hundedichte. Europäische Umweltgesetze werden seit Jahren von den Regierenden so gut wie möglich ignoriert, doch wenn eine Rentnerin fünf Minuten mit ihrem unangeleinten Chihuahua durch einen Park schleicht, ist sie 50 Euro Verwarnungsgeld plus 23,50 Euro Bearbeitungsgebühren los. Für diesen Tarif kann man wahlweise sieben Mal eine Bierflasche auf dem Gehweg zerdeppern oder seinen Wagen drei Mal auf einem Behindertenparkplatz abstellen. Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht.

Baden-Württemberg lässt wegen rechtlicher Bedenken millionenschwere Betrüger laufen, die ihre Penunzen illegal in der Schweiz gehortet haben. Gleichzeitig engagiert die Landeshauptstadt für 300.000 Euro eine Privatfirma, um säumige Hundesteuerzahler ausfindig zu machen. Die Spitzel ziehen von Tür zu Tür und fordern Bürger auf, ihre Nachbarn zu denunzieren. Unterm Strich kommt bei diesem deutsch-demokratischen Vorgehen nichts raus - außer mieser Stimmungsmache gegen die Minderheit von Hundehaltern.

Tatsache ist: mit Ausnahme von Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und eben Deutschland kassiert kein europäischer Staat eine Hundeabgabe. Selbstverständlich ist hierzulande der Steuersatz am höchsten - weltweit. In einer 2006 veröffentlichten Studie der Göttinger Volkswirtschaftsprofessorin Renate Ohr heißt es: "Ausgaben zur Beseitigung irgendwelcher Belastungen, die der Gesellschaft durch die Hundehaltung entstehen, machen nur einen Bruchteil des Hundesteueraufkommens aus, so dass die Hundesteuer vor allem zur Deckung anderer Staatsaufwendungen beiträgt." Katzensteuer oder Pferdesteuer gibt's nicht, obwohl Katzen Sandkästen als Toiletten missbrauchen und Pferde mit ihren Hufen Waldwege umpflügen.

Kompromissbereitschaft stößt auf Hausmeister-Gehabe


Was bekomme ich für die 108 Euro, die ich für meinen Vierbeiner jährlich an die Kommune überweise? Nichts. Stattdessen muss ich das hausmeisterhafte Gehabe der Stadtverwaltung ertragen, die mich mit Verboten und Pflichten überzieht. Brav spure ich. In Let's-Putz-Manier klaube ich die Haufen auf, die mein treuer Gefährte am Wegesrand hinterlässt und schleppe die schwarzen Kotbeutel bis zum nächsten öffentlichen Mülleimer (von denen es aufgrund der Sparzwänge viel zu wenige gibt).




Unsere Empfehlung für Sie