Für die Internationale Gartenbauausstellung 1993 hat Hans Dieter Schaal die Villa Moser in eine Kunstinstallation verwandelt.

„Kunststation Villa Moser“ von Hans Dieter Schaal befindet sich in schlechtem Zustand und ist abgesperrt. (Foto: Lichtgut/Leif Piechowski)
1944 war das einst im Renaissancestil errichtete Anwesen von einer Brandbombe zerstört worden. Knapp 50 Jahre später schlug Schaal Pfade durchs Unterholz, baute Stege über Ruinen und schuf den verwunschenen Leibfriedschen Garten. Dieser wird von einem Aussichtshügel gekrönt, der 309 Meter über dem Meeresspiegel liegt und exakt 64 Meter über dem Niveau des Marktplatzes.

Achtlos weggeworfene Bierdose vor der Kunstinstallation. (Foto: Lichtgut/Leif Piechowski)
Immerzu rauscht der Verkehr
Hier lässt sich Stuttgart geradezu typisch erfahren. Die Luft riecht einer Autostadt angemessen, und die Stille ist nicht absolut. Ein Verkehrsrauschen ist stets zu hören. Es gehört dazu, und fehlt es, fühlt sich der Städter unwohl. Typisch Stuttgart könnte man sagen.
Und auch in anderer Hinsicht ist dieser Ort typisch für Stuttgart. Leider muss man sagen. Der Leibfriedsche Garten verfällt und ist verrammelt. Eintritt verboten. Immerhin hat der Gemeinderat 200 000 Euro bewilligt, um ein Sanierungskonzept zu entwickeln.

Ungepflegt und voll mit Graffiti wirkt der Leibfriedsche Garten nicht sehr einladend (Foto: Lichtgut/Leif Piechowski)
Dringend nötig wäre dies auch mit dem Aussichtspunkt, der so genannten Bastion. Dort sind die Hinweistafeln völlig mit Graffiti überschmiert. Man muss sich schon viel Mühe geben, um eigentlich Wissenswertes zu entziffern. So wird die Aussicht gen Gaisburg unterfüttert mit der Bemerkung: „Der Gaisburger Marsch ist eine dicke Suppe, eine typisch schwäbische, weil es wenig zu beißen und viel zu schlucken gibt.“

Liegengelassener Müll trägt zum negativen Gesamteindruck bei. (Foto: Lichtgut/Leif Piechowski)
Schräg und schief
In den Jahren 1484 und 1631 konnten sogar aufrechte Schwaben nichts mehr schlucken. Beim Blick auf den Kriegsberg lernen wir: „In diesen Jahren gab es so viel Wein, dass man den Mörtel damit anrührte.“ Kein Wunder, dass da die Treppen schräg werden. Tückisch sind sie, neigen sich nach vorn und kippen oben am Gipfel in die Senkrechte. Sie sind nicht zum Besteigen gedacht, sondern als Kunstwerk.
Hinauf geht’s ruhigen Schrittes außen herum in einer Schneckenlinie. Oben angekommen, sieht man, was zu viel Hektik für Folgen hat. Der Blitzer an der Heilbronner Straße arbeitet auf Hochtouren. Leute, möchte man rufen, macht mal Pause: No nix narret’s.

Graffitis können sehr schön sein. Aber hier tragen sie nichts zur Aufwertung des Ortes bei. (Foto: Lichtgut/Leif Piechowski)
Alles ist verrammelt
So ist hier auf dem Aussichtshügel 309 Meter über dem Meeresspiegel, exakt 64 Meter über dem Niveau des Marktplatzes, für Großstädter der perfekte Ruhestand. Der Verkehr umschmeichelt die Ohren, liefert die Hintergrundmusik für das Stillleben Stuttgart. In alle Richtungen kann der Blick schweifen.