Ein schwieriges, aber kein schlechtes Jahr für die Händler Christbäume begehrt wie nie

Mit dem Weihnachtsgeschäft versöhnt ist Christoph Schneider, der auf dem Hartplatz bei der Schönbuch-Brauerei Christbäume verkauft.Foto: Jürgen Bach Foto: Jürgen Bach
Mit dem Weihnachtsgeschäft versöhnt ist Christoph Schneider, der auf dem Hartplatz bei der Schönbuch-Brauerei Christbäume verkauft. Foto: Jürgen Bach

Ein schwieriges Jahr haben die Christbaumverkäufer erlebt, aber kein schlechtes: Die allermeisten haben einen guten Umsatz eingefahren.

Esslingen: Ulrich Stolte (uls)

Böblingen - Wenn man mit Christian Stuber spricht, dann rattert im Hintergrund die Motorsäge. Der Chef der Firma Christbaum Stuber aus Güglinge bei Heilbronn beliefert etliche Verkaufsstellen in Böblingen und Stuttgart. Er sei so etwas wie der Platzhirsch in der Region, sagt er. In den letzten Tagen wurde von früh bis spät gearbeitet Von fünf Mitarbeitern, die Gerhard Stuber eigentlich beim Ernten von Christbäumen bräuchte, sind gerade mal zwei aus Polen gekommen. Die anderen drei hielt der eiserne Corona- Vorhang zurück.

Es war ein schwieriges Jahr für die Branche: Im Frühjahr ist in einer extrem kalten Nacht der Maiaustrieb erfroren, im Sommer machte die Dürre dem Nadelholz zu schaffen. Auch die technischen Neuerungen in dem Wirtschaftszweig, die vielleicht den Arbeitsalltag erleichtert hätten, sind nicht bis zu den Erzeugern durchgedrungen, einfach weil die Messen nicht stattgefunden haben.

Durch Corona verschiebt sich der Verkauf

Durch Corona hat sich der Verkauf verschoben: Auch die Firma Stuber merkt, dass die Leute früher als sonst ihre Bäume einkauften. Vermutlich, weil sie Angst gehabt hatten, dass sie vor dem weihnachtlichen Lockdown keine Tannen mehr bekommen würden, sagt Stuber und das, obwohl der Christbaumverkauf im Freien weiter möglich war. Stuber lässt sich nicht wie manch anderer die Bäume von Skandinavien aus gen Süden transportieren, sondern züchtet und hegt die Bäume in Güglingen selbst. Von dort werden sie auf die Märkte in Baden-Württemberg geliefert.

Auf dem Platz an der Schönbuchbräu-Manufaktur in Böblingen arbeitet für ihn der Außendienstler Christoph Schneider für die Firma. Er hat seinen normalen Job zweieinhalb Wochen lang an den Nagel gehängt und verkauft Christbäume, weil es ihm Spaß macht und „weil es mal eine Abwechslung ist“. Blautannen, serbische Fichten und Nordmann-Tannen hat er im Sortiment.

Die Leute wollen es schön haben

Er berät die Kunden und erklärt ihnen, ob ein kurzer oder hoher, ein dicker oder schlanker Baum besser ins Wohnzimmer passt. Dann verpackt er die Ware in Netze, sägt sie zu und hilft auch beim Einladen ins Auto. Dass sich in diesem speziellen Jahr viele Menschen viel früher mit Weihnachtsbäumen eindeckten, erklärt er so: Vielleicht weil sie daheim bleiben müssen, und es sich in ihren vier Wänden einfach schön machen wollten mit Tannenduft und Kerzenschein, mutmaßt er. Den frühen Ansturm haben auch andere Händler erlebt. In einem Supermarkt in Holzgerlingen war der Christbaumverkauf schon zwölf Tage vor Weihnachten geschlossen: das Sortiment war abverkauft gewesen.

Manfred Graf vom Christbaumverband Baden-Württemberg resümiert: „Es ist sicherlich kein schlechtes Jahr, aber es ist ein schwieriges Jahr.“ Schwierig sei vor allem allem die Unsicherheit unter den Händlern gewesen. „Viele haben bei uns erst sehr vorsichtig bestellt, und als sie merkten, das Geschäft läuft doch, haben sie nachbestellt.“ Was aber für die Christbaum-Produzenten bedeutete, sie mussten immer und immer wieder in kleinere Ernteeinsätze fahren, was die Ernte enorm verteuerte. Auch er sieht ganz klar, dass in diesem Jahr mehr Bäume verkauft werden. Die Ursache dafür hat der Verband schnell erkannt: Wer früher zum Tauchen an den Äquator fuhr, oder zum Skifahren in die Alpen, der muss daheim bleiben und braucht jetzt eben auch den Baum fürs Fest. Er sieht noch einen weiteren Vorteil in der Krise, weil er zwischen Kunden und Kollegen eine bemerkenswerte Solidarität empfindet. „In der Krise sind wir alle zusammengerückt“, sagt er.

Kleines Weihnachtswunder

Vielleicht hat das kleine Weihnachtswunder für die Christbaumverkäufer auch damit zu tun, dass zumindest im Raum Böblingen/Sindelfingen andere Anbieter ausgefallen sind. Die Stadt Sindelfingen etwa hat ihren traditionellen Christbaumverkauf im Stadtwald. abgesagt. Jedes Jahr hat man sich dort am Forsthof getroffen, und sich – gestärkt von Glühwein und Würstchen – einen schönen Baum ausgesucht und abgesägt. Doch statt abgesägt heißt es in diesem Jahr abgesagt. Nadine Izquierdo, die Pressesprecherin der Stadt, vertröstet die Käufer auf Weihnachten im nächsten Jahr – wenn hoffentlich alles wieder normal sein werde.




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