Ein soziales Netzwerk fürs Einkaufen Das junge Unternehmen ist bereits Forschungsobjekt

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Anfang dieses Jahres hat das Projekt „Buy or Burn“den Förderpreis „BW goes mobile“ der MFG Innovationsagentur für IT und Medien des Landes Baden-Württemberg gewonnen, was nicht nur ein Preisgeld von 10000 Euro einbrachte, sondern auch den Kontakt zu Mentoren, welche die Geschäftsidee fördern wollen. Erste Kooperationspartner haben angedockt, etwa Europas größter Barcode-Anbieter oder ein großer deutscher Dienstleister für Telefon- und Internetauskünfte. Seit Februar 2013 begleitet die Fachhochschule Heilbronn im Rahmen eines Projektes zu neuen sozialen Medien den Unternehmensstart – was wertvolle Daten über die potenziellen, vor allem jugendlichen Nutzer erbracht hat. Studenten der Heilbronner Hochschule sind die ersten Praktikanten der jungen Firma. Für die künftige Expansion laufen Gespräche mit möglichen Geldgebern.

Im Herbst soll die App in einem geschlossenen Nutzerkreis an den Start. Ob man dann das Weihnachtsgeschäft mitnehmen kann, hängt an der Frage, ob bis dahin die technische Infrastruktur perfekt funktioniert. „Da sind wir wieder bei einer für Deutschland typischen, kulturellen Komponente: Da muss von Anfang an alles stehen“, sagt Walter. Statt in großen Sprüngen wie in den USA, würden hier Ideen lieber Stück um Stück umgesetzt. „In den Vereinigten Staaten wird die Erfahrung des Scheiterns fast verlangt. Da bewerten dich bestimmte Investoren danach, ob du schon einmal einen Fehler gemacht hast – dann erst bist du interessant.“

Ohne das richtige soziale Umfeld läuft nichts

Doch die Verwandlung zum Unternehmer hat auch eine persönliche Komponente. Alleine wäre Walter nie an den Start gegangen, wenn er nicht neben sich eine Person gehabt hätte, die seit Teenagerzeiten ihren eigenen Weg geht. Walter hat seine Freundin Sarah Haide, die Teilhaberin an der jungen Firma ist, in seinem früheren Job bei einem Personaldienstleister in Heidelberg kennengelernt. Da war die heute 25-Jährige lange abseits ausgetretener Karrierepfade unterwegs. Mit 16 ist Haide von zu Hause ausgezogen. Nach der Schule und der Ausbildung zur Wirtschaftsassistentin hatte sie sich ihren Traum erfüllt und war nach Neuseeland gegangen.

In der immer noch von Pioniergeist geprägten Gesellschaft fand sie nach einer Zeit als Au-Pair-Mädchen einen Job bei einem IT-Start-up. Dortarbeitete sie sich bis zur Assistentin des Chefs hoch. Doch in der Wirtschaftskrise wurde ihre Arbeitserlaubnis nicht verlängert. Notgedrungen kam sie nach Deutschland zurück. Doch ein britischer Personaldienstleister gab Haide auch ohne Studium eine Chance – wegen ihrer Lebenserfahrung. Sie wurde beauftragt, IT-Kräfte auszuwählen. Dass für sie in ihrem Leben immer eine Türe aufgegangen sei, habe sie entspannter gemacht, sagt sie. Und so erschrak Haide auch nicht, als ihr Lebensgefährte mit dem Gedanken auf sie zukam, seinen Job für ein unternehmerisches Experiment aufzugeben. „Wir wussten, dass wir das zunächst nur mit unserer Überzeugungskraft und ohne Geld hinbekommen müssten“, sagt Haide.

„Zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Leute treffen“

Die Geschichte von „Buy or Burn“ zeigt, wie sehr eine Gründung den ermutigenden sozialen Kontext braucht. „Ich wollte schon als Praktikant so viel wie möglich machen können und bin deshalb in kleine Firmen gegangen“ , sagt Walter.“ Dabei lernte er Menschen kennen, die aus dem Raster der normalen Arbeitnehmerexistenz fielen. Seinen wichtigsten Partner hat er während seines Praktikums in der Thüringer Sportwagenmanufaktur Gumpert kennengelernt. Der 60-jährige, der mehrfach Unternehmen gegründet hat, ist nun finanzkräftiger Gesellschafter von „Buy or Burn“. Bei Gumpert traf Walter auch jenen 39-jährigen Unternehmer, der dort für einen Boliden 350 000 Euro in bar hinblätterte. Der Mann, der eine erfolgreiche Logistikfirma für Organ- und Blutttransporte gegründet hatte, habe ihn motiviert: „Clemens, du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Leute treffen, hat er gesagt. Und wenn du eine Idee hast, von der du überzeugt bist, egal was alle anderen sagen – dann musst du das machen.“

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