Ein Storchennest für Merklingen Klappert in Weil der Stadt bald ein weiteres Storchenpaar?

Aufgrund der Höhe ist ein besonders langer Ausleger nötig. Foto: Simon Granville

Jetzt thront auch wieder auf dem Steinhaus der Kirchenburg ein sicherer Horst für Störche. Wir haben den Aufbau begleitet.

Am Samstagmorgen, kurz vor sieben Uhr, ist die Durchgangstraße an der Kirchenburg bereits abgesperrt. Knapp eine Stunde später hievt ein Kran die neue Vogelbehausung aufs Dach, die vom Hubsteiger aus von Zimmermeister Laure montiert wird. „Das Nest ist einzugsbereit“, freut sich Angelika Dürr, zweite Vorsitzende der Vogel- und Naturfreunde Merklingen.

 

Vor 66 Jahren verließ der letzte Storch den Teilort von Weil der Stadt. Das Nest auf dem Dach des Steinhauses verwaiste und verwitterte. 1980 ersetzte es das Holzbau-Unternehmen Laure gegen ein Neues. Doch auch das neumontierte Gestell lockte keine neuen Bewohner an. Mit der Zeit verrottete es immer mehr. Vor drei Jahren kamen mit Leon und Leonie tatsächlich Störche in die Keplerstadt – allerdings ließen sich die beiden auf dem Storchenturm nieder. Die Freude über das Storchenpaar war groß und lenkte die Aufmerksamkeit auch wieder auf das Nest in Merklingen, auf dem sich immer wieder vorbeiziehende Vögel niederließen.

Während des Aufbaus musste die Straße gesperrt werden. Foto: Simon Granville

Nach einer Begutachtung entschied die Stadtverwaltung dann im letzten Jahr, dass das Nest aus Sicherheitsgründen runter muss. Dank einer Spendenaktion von Bürgerinnen und Bürgern aus Merklingen und der Unterstützung der Vogel- und Naturfreunde, veranlasste die Stadtverwaltung den Bau eines neuen Gestells, das nun auf Zuzug wartet. „Wir freuen uns über das Nest und Störche in Merklingen“, sagt Angelika Dürr über die Aktion. „Allerdings ist es fraglich, ob es rund um Weil der Stadt für mehrere Paare ausreichend Futter geben wird.“ Die Vorsitzende verweist auf weniger prominente, heimische Tiere, wie Schwalben, Mauersegler und Fledermäuse. Denn auch ihr Lebensraum schrumpft durch die Bebauung von Grünflächen und die Entwässerung von Feuchtgebieten. Ein knappes Nahrungsangebot ist für die Naturschützerin ein Grund dafür, dass die Tiere vermehrt Müll und Essensreste fressen. Ein Stück Isolierfolie hat im letzten Jahr dazu geführt, dass einer der drei Jungstörche von Weil der Stadt qualvoll verhungerte.

Fast geschafft: Jetzt ist Zentimeterarbeit angesagt Foto: Simon Granville /Granville

Doch im Moment überwiegt die Freude und die Spannung. Vielleicht setzt sich bereits im nächsten Jahr ein Storch ins gemachte Nest, denn der Metallständer wurde von Mitgliedern der Vogel- und Naturfreunde vor der Montage mit Ästen, Zweigen und Heu ausgekleidet. Spenden sollen auch künftig dafür sorgen, dass das Nest gereinigt und Instand gehalten werden kann. Denn wegen der großen Höhe braucht der Hubsteiger einen besonders langen Ausleger. Wie schön, wenn dann auch über der Kirchenburg das Geklapper der Vögel zu hören ist.

Das Nest sitzt – nur noch ein paar letzte Handgriffe. Foto: Simon Granville

Ein Blick ins Nest auf dem Storchenturm zeigt, dass hier abends meist nur noch die Altstörche anzutreffen sind. Ihre beiden Jungen, Ernie und Bert, sind seit ein paar Tagen flügge. Laut der Ergebnisse der Federproben steht fest, dass beide männlich sind. Die Brüder sind meist gemeinsam unterwegs, so findet man Ernie, dessen Sender inaktiv ist, über Bert. Regelmäßig suchen sie gemeinsam auf den Wiesen an der Würm nach Futter und übernachten im Nest, das am Dach einer Scheune angebracht ist. Hier hat Trick, das einzig überlebende Storchenjunge vom letzten Jahr, den Winter verbracht. Gerade sammeln sich die Jungstörche im Land, um gemeinsam in den Süden zu fliegen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die beiden einem solchen Zug anschließen oder hier überwintern werden.

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