Ein Tag bei Primark in Stuttgart Alter, so voll hier

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Schamlos billige Massenware und ein Gedränge wie im Popkonzert. So shoppt man heute. Zu Besuch im Reich der „Flirty Push up Bras“ und Flamingostrampler, zu Besuch bei Primark im Stuttgarter Einkaufszentrum Milaneo.

Bunt und billig ist die Ware von Primark. Hier gibt es alles. Wie es in der Stuttgarter Dependance des Modediscounters zugeht, zeigt die folgende Bilderstrecke.  Die Taschen voll bis oben hin: Teenies wissen, wie man hier einkauft.Mode für die Massen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 10 Bilder
Bunt und billig ist die Ware von Primark. Hier gibt es alles. Wie es in der Stuttgarter Dependance des Modediscounters zugeht, zeigt die folgende Bilderstrecke. Die Taschen voll bis oben hin: Teenies wissen, wie man hier einkauft.Mode für die Massen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Es wird eng. Brust an Rücken, Schulter an Schulter drücken sich Dutzende träge vorwärts. Auf drei Etagen hat das neue Kaufparadies Primark im Stuttgarter Milaneo seine Mäuler für die Massen geöffnet. Die einen kommen, die anderen gehen. Die Hände voller brauner Tüten drängen erfolgreiche Käufer hinaus, strömen aus mit starrem Blick. Wie im Film-Klassiker „Arbeiter verlassen die Fabrik“. Nur 119 Jahre später.

Männer in schwarzen Anzügen bewachen die Eingänge, als wären sie Türsteher in einem Club, sperren ab, wenn zu viele drin sind. Wer an ihnen vorbeikommt, hat die erste Hürde geschafft. „Alter, so voll, man sieht ja gar nichts“, sagt ein Mädchen im Parka. Die Ständer mit Klamotten stehen dicht an dicht. Mäntel mit falschen Pelzkragen, Goldketten, Glitzertaschen, Blusen in Seidenoptik, Camouflage-Shirts, Leoparden-BHs, Tops mit wilden Blumenmustern. „Ich hab was Schönes, guck mal.“ – „ Sag stopp, wenn du was Gutes siehst.“ – „Warte, da ist es in Kurz.“ – „Janine, ich fahr schon mal mit der Rolltreppe hoch.“

Primark, das ist eine neue Art einzukaufen. Der Konzern aus Irland hat Werbung nicht nötig, lockt seine Kunden mit absurd niedrigen Preisen. Primark ist ein Phänomen, hat bei vielen bereits Kultstatus. Jugendliche stürmen jede neue Filiale wie ein Popkonzert.

Es geht nicht mehr um teure Markenklamotten

Hautenge Jeans gibt es hier zu Hunderten in allen Ausführungen. Sie heißen „Skinny Relaxed“, „Skinny Tech Stretch“ und „Coloured Skinny“. Die Westen und Pullover sind groß und lang und weit, und alle sehen gut aus und auch irgendwie gleich. Genau wie die T-Shirts in bunten Farben, die jeder braucht, wenn er nicht der einzige Mensch auf dieser Welt sein will, der nicht mal das Grundsätzliche verstanden hat. Deshalb heißen sie „Basics“.

Angeblich gibt es 52 Kassen und 500 Mitarbeiter. Trotzdem muss man überall anstehen, und aus diesem Grund liegen an den Kassen noch mehr Dinge, die niemand oder jeder braucht: Tempotaschentücher mit Donald-Duck-Motiv, Vaseline, Nagelfeilen, Fußkettchen, Lümmelsocken, Handspiegel, Minzbonbons. Zum Leben benötigt man eigentlich nicht mehr als diesen Laden, zumindest, wenn man 15 ist und etwas Taschengeld dabeihat. Es geht heute nicht mehr darum, teure Markenklamotten zu haben. Viel wichtiger ist es, jeden Tag etwas anderes anziehen zu können.

„Mascha, die Hose ist zu klein“

Mitarbeiter schweben im geübten Zickzack durch die Gänge wie Kellner im Bierzelt, sammeln Heruntergefallenes auf, hängen, legen, streifen den Stoff wieder glatt. Ein lauter Gong ertönt, und eine Stimme sagt: „Dies ist eine Management-Durchsage. Rebecca bitte zu den Kassen im Untergeschoss.“ Denn das hier ist kein Laden, sondern ein Store. Hier arbeiten keine Geschäftsführer, sondern Manager.

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