Ein Trend setzt sich durch Yoga wird in der Stadt zum Volkssport

Von Martin Haar 

Kein Angebot wird beim städtischen Projekt Sport im Park so stark nachgefragt wie Yoga. Aus Sicht des Sportamtes nimmt Yoga dabei eine Sonderstellung ein. Sogar der Stuttgarter Sportbürgermeister Martin Schairer übt Yoga.

Im Tal der Rosen praktizieren an diesem Tag mit dem Sportbürgermeister und dem indischen Generalkonsul 112   Stuttgarter Yoga. Foto: Martin Haar
Im Tal der Rosen praktizieren an diesem Tag mit dem Sportbürgermeister und dem indischen Generalkonsul 112 Stuttgarter Yoga. Foto: Martin Haar

Stuttgart - Namaste! So grüßte der indische Generalkonsul Sugandh Rajaram 121 Stuttgarter Yoga-Liebhaber im Tal der Rosen des Höhenpark Killesberg. Rajaram war eigens aus München angereist, um mit den Stuttgartern zu üben und über mächtige Wirkung des Yoga zu sprechen. Und wer dem hochrangigen Vertreter Indiens aufmerksam lauschte, bekam schnell den Eindruck: Hier geht es um mehr als nur ein Jahrtausende altes Übungssystem. Es gehe nicht alleine um die Körperertüchtigung, sondern um das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele. „Dies zu verbinden. Das ist Yoga“, erklärte Rajaram, „es bringt dich näher zu dir selbst.“

Kein Angebot wächst schneller als Yoga

Was Sugandh Rajaram so zusagen mit der Muttermilch aufgesogen hat, lernen immer mehr Stuttgarter zu schätzen. Das belegen die Zahlen, die das Sportamt im Rahmen des Projektes Sport im Park erhoben hat. Kein Angebot wuchs stärker, kein Angebot wird stärker nachgefragt als Yoga.

Wie es scheint, ist Yoga inzwischen zu dem gefragtesten Ausgleichsprogramm für gestresste Stadtmenschen geworden. In der Erfolgsgeschichte von Sport im Park sind die Übungsstunden unter freiem Himmel der Renner. Man könnte fast sagen: Yoga wird in der Stadt zum Volkssport.

Dabei lohnt sich der Blick auf die Anfänge von Sport im Park im Jahr 2010. Damals als Pilotprojekt gestartet, waren es nur vier Standorte mit 24 Angeboten. Heute sind es 48 Standorte mit 1500 Angebotsterminen. Von 2014 bis 2017 hat sich die Teilnehmerzahlen sogar nahezu verdoppelt. Mehr noch: Durch die Auswahl der Sportarten hat sich das Durchschnittsalter stark gesenkt: Übten 2014 noch Menschen, die im Schnitt 56 Jahre alt waren, so liegt der Altersschnitt heute bei 46 Jahre.

Aus Sicht von Sören Otto, der im Sportamt für Sport im Park zuständig ist, liegt das auch einer „zeitgemäßen“ Auswahl der Sportarten. „Wir versuchen dabei die Trends zu bedienen“, sagt er und nennt dabei neben Yoga, Pilates, Tai Chi, Functional Fitness, Crosstraining, Pumptrack oder Slackline. Und doch nehme aus Sicht von Otto Yoga eine Sonderstellung beim städtischen, kostenlosen Sportangebot in den Sommermonaten ein.

Soziale Kraft des Yoga

Sören Otto unterlegt die Behauptung mit Zahlen: „Bei den Yoga-Stunden liegt die durchschnittliche Teilnehmerzahl bei 27 Personen pro Angebot. Das sind im Schnitt zehn Personen mehr als bei den anderen Angeboten.“ Yoga sei mit rund 70 Angeboten im regulären Programm auf 49 verschiedenen Flächen das mit Abstand größte Angebot. Es sei auch schon vorgekommen, dass bei einer Stunde im Stadtgarten 157 Yogis und Yoginis übten.

Die meisten Yoga-Lehrer werden im Übrigen von 35 Stuttgarter Sportvereinen gestellt, neun Lehrer kommen von sonstigen Sportanbietern oder der Yoga-Schule Yoga Vidya. Was Otto besonders freut: „Erstmals ist Yoga in allen 23 Stadtbezirken – also flächendeckend – vertreten.“ Über den Erfolg von Sport im Park im Allgeneinen und Yoga im Besonderen meint er: „Es der Breitensportgedanke, der immer mehr anspricht. Das liegt im Trend der Zeit.“ Immer weniger Menschen seien bereit, Zeit am Wochenende für Wettkämpfe zu opfern.

Diesen Trend zur Individualisierung scheint vor allem das aus Indien stammende Übungssystem zu entsprechen. Selbst Sportbürgermeister Martin Schairer übt in seiner Sportgruppe regelmäßig Yoga-Elemente. Und zwar mit Erfolg, wie zusammen mit Sugandh Rajaram unter Anleitung von Yoga-Lehrerin Stephanie Tippmann-Knauth vom TV Cannstatt demonstrierte. „Yoga hat bei Sport im Park Tradition“, sagt Schairer und freute sich die Stunde mit dem profunden Kenner und Yoga-Enthusiast aus Indien zu verbringen. Von Sugandh Rajaram hörte er dann auch, dass Yoga sich positiv auf eine ganze Gesellschaft, gar auf den Weltfrieden, auswirken könne. „Yoga ist heute nicht nur der umfassendste Ansatz, Gesundheit zu schaffen“, referierte der Generalkonsul, „es hat auch eine soziale Komponente. Es kreiert Frieden in einem selbst und bringt somit Frieden zu anderen Menschen und in die Welt.“ Daher fordert Sugandh Rajaram alle Stuttgarter auf: „Übt Yoga, verbindet euch mit euch selbst und der Welt. Denn Yoga ist für alle – alles ist für Yoga.“

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