Ein Weltmeister aus Markgröningen Ein Ruderer reißt sich am Riemen

Florian Roller in seinem Arbeitsgerät. Foto: Baumann
Florian Roller in seinem Arbeitsgerät. Foto: Baumann

Florian Roller ist bei den vergangenen Titelkämpfen in Frankreich Ruder-Weltmeister im Leichtgewicht-Achter geworden. Das nächste Ziel des Markgröningers heißt Rio, doch davor gibt es noch ein paar Hürden.

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Markgröningen - Etwas mehr als 1000 Meter waren geschafft, da fing ihn die Kamera in einer Nahaufnahme ein. Mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der zu allem bereit schien. „In so einem Moment kann man nichts denken, da wird einem schon etwas schwarz vor den Augen“, sagt Florian Roller im Rückblick. Doch er hörte nicht auf, das Ruder zu schwingen und immer wieder mit aller Kraft durchs Wasser zu ziehen. Es lohnte sich, am Ende gewann der 22-Jährige mit dem Deutschland-Achter Leichtgewicht bei den Weltmeisterschaften im Riemenrudern in Frankreich im September die Goldmedaille.

Florian Roller ist ein Teil vom Team-Roller, so heißt die Homepage, die hauptsächlich ihn repräsentiert. Doch dahinter steckt mehr, denn beide Eltern waren ebenfalls erfolgreiche Athleten im Boot. So kam Sohn Florian bereits früh aufs Wasser, schon 2005, also mit zwölf Jahren fuhr er die ersten Regattasiege ein.

Viele Gratulanten in Markgröningen

Der Blondschopf verkörpert eine Mischung aus Selbstvertrauen und Zurückhaltung. Seine Leistungen überzeugen andere oft mehr als ihn selbst. Nach dem WM-Sieg in Frankreich sind viele in seinem Heimatort Markgröningen bei Ludwigsburg auf ihn zugekommen und haben ihm gratuliert, „da habe ich eigentlich erst so richtig gemerkt, was ich geschafft habe“.

Was er leistet, ist zum Teil auch in Zahlen Messbar. Nicht nur in Minuten und Sekunden, die er in Wettkämpfen benötigt, um erfolgreich ins Ziel zu kommen – hauptsächlich mit anderen Werten. Wieso ihm beim WM-Rennen schwarz vor Augen wurde, erklärt er so: „Bei einer Belastung von zehn Minimol Laktat pro Liter Blut wird es für Untrainierte lebensgefährlich. Wir haben in so einem Rennen eine Belastung von 20 bis 22 Minimol.“ Wie gelingt es trotz dieser Belastung weiterzumachen? „Da muss man über den Schmerz weiterrudern, dem Körper einfach sagen, dass er seine Klappe halten soll.“

Olympia ist das große Ziel

Das scheint ihm gelungen zu sein, bei der WM ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Doch dabei soll es nicht bleiben, er will noch höher hinaus. Und besser als Weltmeisterschaften ist nur noch Olympia. Das ist sein erklärtes Ziel. Doch ein kleines Problem gibt es dabei, denn der Achter im Leichtgewicht, in dem die Athleten nicht mehr als 72,5 Kilogramm wiegen dürfen, ist keine olympische Bootsklasse. Eine Lösung liegt jedoch parat, der Riemen-Leichtgewicht-Vierer ist olympisch. Dabei gibt es vier Ruderer und zwei Ersatzmänner, die 2016 mit nach Rio de Janeiro dürfen. Florian Roller gehört noch nicht dazu. „Ich denke, ich habe aber ganz gute Chancen, wenn ich mich jetzt im Winter bei den Trainingslagern beweisen kann“, sagt er.

Der Wechsel fiele Florian Roller leicht. Liest man die Liste seiner Erfolge, so tauchen etliche Bootklassen mit den verschiedensten Besetzungen auf. Vor einem Jahr wechselte er vom „Skullen“, also dem Rudern mit zwei Paddeln, zum Riemenrudern, bei dem mit beiden Händen an einem Ruder gezogen wird. Und siehe da: hier feierte er seine größten Erfolge.

30 Stunden Training pro Woche

Vom Rudern zu leben, ist unmöglich. Auch als Weltmeister. Bei seinem Heimatverein, der Stuttgarter Rudergesellschaft Untertürkheim, trainiert er regelmäßig knapp 30 Stunden pro Woche, nebenher absolviert er ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart. „Man darf sich nicht der Illusion hingeben, beides nebeneinander zu schaffen“, sagt Roller. Man müsse sich für beides genug Zeit lassen, auch wenn die Regelstudienzeit dann überschritten wird.

Ehrgeizig, selbstbewusst und zielstrebig – das ist Florian Roller, der einzige Ruderer in seiner Bootsklasse von Weltniveau im Raum Stuttgart. „Es macht einen schon stolz, eine ganze Ruderregion zu repräsentieren. Aber manchmal ist es auch ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit. Ich kann nur ganz gut an einem Ruder ziehen, weiter nichts“, sagt Florian Roller bescheiden.

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