Beim Fest der Landwirte, Jäger und Forstleute auf dem Hof der Familien Fauser und Vinçon in Perouse gab es am Wochenende einiges zu entdecken und zu lernen – auch über die Kitzrettung.

Land-, Forst- und Wildwirtschaft gehen Hand in Hand. Das zeigt das sechste gemeinsame Fest der Landwirte, Jäger und Förster, das alle drei Jahre stattfindet. Auch jetzt am Wochenende zog das Ereignis tausende Besucherinnen und Besucher auf den Bauernhof und an die unterschiedlichen Ausstellungsstände. Neben regionalen Produkten, Wildspezialitäten und guter Unterhaltung gab es auch Vorführungen zur Kitzrettung.

 

Fast 250 Rehkitze vor dem Tod bewahrt

„Zu den Aufgaben der Jäger gehört neben der Jagd auch der Biotop- und Artenschutz“, betonte Achim Schätzler, Kreisjägermeister des Kreisjägerverbands (KJV) Leonberg. „Jäger arbeiten eng mit den Förstern der Städte und Gemeinden zusammen, um gezielt, gefährdete Arten zu schützen.“ So seien in den letzten Jahren beispielsweise die Zahlen der Rebhühner im Altkreis wieder angestiegen. Auch die Kitzrettung ist eine wichtige Aufgabe der Kreisjägervereinigung Leonberg. Gemeinsam mit rund 20 weiteren Teammitgliedern hat Benjamin Schmid, Jäger und Drohnenpilot, in diesem Jahr fast 250 Rehkitze vor dem Mähtod bewahrt.

Wie die Kitzretter dabei vorgehen wurde in mehreren Vorführungen am Samstag und am Sonntag demonstriert. Die Drohne, die Benjamin Schmid dabei in fast 100 Meter Höhe über ein Feld am Rande des Hofs aufsteigen ließ, kostet rund 6000 Euro. „Dank unserer Spender, oft ortsansässige Unternehmen, haben wir inzwischen zehn Drohnen“, erklärte der Kitzretter, der sich von Ende April bis Mitte Juni im Zweierteam auf die Suche nach den Tierkindern macht.

Auf einem Monitor konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer das Feld erkennen, über dem die Drohne kreiste. Die Infrarotkamera erfasst Lebewesen aufgrund ihrer höheren Temperatur, die sich als andersfarbige Stellen von der ansonsten einheitlichen Fläche einer Wiese abheben. „Je wärmer es ist, desto schwieriger sind die kleinen Kitze zu erkennen“, führte Benjamin Schmid aus. Daher fängt der Tag für die Kitzretter bereits vor fünf Uhr morgens an. Bevor Benjamin Schmid mit der Arbeit beginnt, als Lehrer an einer Schule, hat er oft bereits ein bis zwei Tierleben gerettet.

Bauern und Jäger arbeiten im Altkreis gut zusammen

Wenn die Rehmutter auf Futtersuche geht, legt sie ihren Nachwuchs, meist ein bis zwei Kitze, im dichten Kleefeld oder auf der Wiese ab. „Landwirte sind verpflichtet, vor dem Mähen nach Wildtieren, insbesondere Rehkitzen, zu suchen“, sagte der Jäger, der wie alle seine Teamkollegen einen Drohnenführerschein besitzt. Im Altkreis würden Bauern und Jäger den Dialog suchen und meist gut zusammenarbeiten.

Großes Interesse gab es an den landwirtschaftlichen Produkten. Foto: Simon Granville

Der Drohnenpilot zeigte den Umstehenden die andersfarbigen Punkte auf dem Bildschirm. Beim Heranzoomen wurden Schafe erkennbar, die auf dem Feld weideten. Wären es Rehkitze, würden die Retter diese mit Handschuhen und Grasbüscheln greifen und sie in eine Kiste setzen. Nach dem Mähen kämen die Jungen wieder an den Platz zurück, an dem sie die Rehmutter abgesetzt hatte.

Zünftiges Halali: Jagdhornbläser gaben Kostproben. Foto: Simon Granville

Aufgrund von Markierungen, die die geretteten Kitze bekommen, treffen die Jäger oft Jahre später auf die Tiere, die sie vor einem oft qualvollen Tod gerettet haben.

Wildfleisch als nachhaltiges Lebensmittel

Es sind aber nicht nur landwirtschaftliche Maschinen, denen junge Rehe oder auch Hasen zum Opfer fallen, auch Hunde reißen Wildtiere. Daher sollten sie besonders im Frühsommer besser an der Leine bleiben. Für Benjamin Schmid ist es immer wieder ein besonderes Erlebnis, wenn ein Kitz mit dem Leben davonkommt.

Da Jäger regelmäßig jagen, um Wildbestände und Wildschäden zu regulieren, gab es neben Roter Wurst und Pommes auch Edelgulasch, Wildburger und Wildschweinfilet auf dem Hoffest. Zur Freude von zahlreichen Besuchern, die Wildfleisch als nachhaltiges Lebensmittel schätzen.

Helfer und Hilfe

Unterstützung
Das ehrenamtliche Team der Kitzretter sucht immer wieder Pilotinnen und Piloten für diese Aufgabe, für die kein Jagdschein erforderlich ist. Wer Interesse hat, kann sich melden unter der Telefonnummer 01 57 / 38 16 58 42.

Details
Weitere Informationen zur Kitzrettung im Kreis Leonberg gibt es online unter www.jaeger-leonberg.de/kitzrettung.