Einblicke ins Postgeschehen Montags haben Postboten weniger zu tun

Von Caroline Holowiecki 

Geht es nach der FDP im Bundestag, soll montags keine Zustellpflicht mehr für Briefe bestehen. Tatsächlich gibt es am ersten Tag der Woche wenig Geschäft. Ein Besuch im Zustellstützpunkt in Stuttgart-Degerloch.

Im Zustellstützpunkt der Post in Degerloch steht das Dienstrad  für den Einsatz bereit. Foto: Caroline Holowiecki
Im Zustellstützpunkt der Post in Degerloch steht das Dienstrad für den Einsatz bereit. Foto: Caroline Holowiecki

Filder - Den Vorwurf hört Michael Heidi oft: Er schaffe montags nicht. Der 50-Jährige arbeitet seit 30 Jahren als Postbote, seit 20 Jahren ist Sillenbuch sein Revier. Bevor es losgeht, sortiert er im Zustellstützpunkt in Degerloch alles in die richtige Reihenfolge, dann fährt er mit dem Auto in den Nachbarbezirk und geht mit seinem Wägelchen die Straßen ab. Auch montags, versichert er, „aber ich komme bedeutend früher, weil ich schneller vorankomme“. Längst nicht für jedes Haus sei an Montagen etwas dabei. Hugo Gimber, ein Sprecher der Deutsche Post DHL Group, betont: „Wenn einer sagt, ich kriege montags keine Post, ist das richtig. Nicht aber, dass keiner kommt.“

Strafzettel und Rechnungen kommen schon samstags

Der Knackpunkt: Montags fällt gerade mal rund zwei Prozent der Wochenmenge an. „Woher sollen die Briefe kommen?“, fragt Klaus Maier, der Leiter dieses Zustellstützpunktes und fünf weiterer. Am Wochenende haben die meisten Behörden und Firmen zu, und Geschäftspost macht 87 Prozent des Briefaufkommens aus. „Strafzettel und Rechnungen kommen schon am Samstag“, weiß er.

Im Gebäude in der Tränke, wo Post für Degerloch, Sillenbuch, Birkach, Plieningen und Asemwald sortiert wird, reagiert man auf die Montagsflaute auf vielerlei Arten. Die Arbeit beginnt am ersten Wochentag etwas später. Außerdem sind weniger Kollegen vor Ort, die mehrere Zustellbezirke übernehmen, also ein größeres Gebiet abklappern.

Die Briefmenge geht von Jahr zu Jahr zurück

Derzeit muss nach der geltenden Post-Universaldienstleistungsverordnung an sechs Tagen die Woche zugestellt werden. 80 Prozent der rechtzeitig eingelieferten Briefe und Karten müssen am nächsten Werktag den Adressaten erreichen. „An diese Vorgaben halten wir uns ohne Wenn und Aber“, sagt Hugo Gimber. Doch es gibt Vorstöße, das zu ändern. Im Sommer hatte das Bundeswirtschaftsministerium ein Eckpunktepapier zur anstehenden Postgesetz-Reform vorgelegt. Dort heißt es, dass man untersuchen wolle, „ob die Zustellung an sechs Tagen weiterhin erforderlich ist“. Die FDP im Bundestag hatte das Thema aufgegriffen. In einem Antrag wird vorgeschlagen: Wenn die Post samstags mehr Briefe zustelle, dürfe sie montags komplett darauf verzichten.

Tatsächlich haben sich die Zeiten geändert. „Die Briefmenge geht von Jahr zu Jahr zurück“, sagt Hugo Gimber. Handyrechnungen, Bankauszüge oder Versicherungsinfos kommen heute meist per Mail. Urlaubsgrüße gibt es immer häufiger per Whatsapp statt als Ansichtskarte. Außerdem tun sich längst Mitbewerber hervor. Im Jahre 2018 beförderte die Deutsche Post im Bundesgebiet etwa 57 Millionen Briefsendungen pro Werktag, zehn Jahre zuvor waren es noch etwa 72 Millionen gewesen.

Eine politische Entscheidung

Ob die Montagsruhe im Postgewerbe sinnvoll wäre oder nicht, wollen sowohl Hugo Gimber als auch Klaus Maier nicht kommentieren. „Meine Meinung ist die des Unternehmens: Das ist eine politische Entscheidung“, sagt Klaus Maier.

Die offizielle Sprachregelung ist folgende: Die Deutsche Post teilt die Auffassung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, dass das Postgesetz und die Post-Universaldienstleistungsverordnung – nach rund 20 Jahren – an die veränderten Marktverhältnisse, den technischen Fortschritt und das veränderte Nachfrageverhalten angepasst werden müssen. „Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, den Rechtsrahmen für die Regulierung der Postmärkte zukunftsfähig zu gestalten“, heißt es in einer Stellungnahme. Zu den veröffentlichten Eckpunkten einer Postgesetzänderung werde die Deutsche Post indes erst im Rahmen der üblichen Beteiligung der Marktteilnehmer an dem Verfahren Stellung nehmen.

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