Einbruch der Baubranche Beim Bau mehr langen Atem zeigen
Ob Wohnungen oder Brücken – das Thema Bauen eignet sich nicht für kurzfristige Krisenpolitik, sagt Andreas Geldner.
Ob Wohnungen oder Brücken – das Thema Bauen eignet sich nicht für kurzfristige Krisenpolitik, sagt Andreas Geldner.
Das Problem beim Thema Bau ist, dass ihm die immer kurzatmiger werdenden Zyklen der öffentlichen Aufmerksamkeit nicht gerecht werden. Die aktuelle Bilanz der Baubranche in Baden-Württemberg ist hierfür ein Beispiel.
Die Hütte beim Thema Wohnungsbau brennt in der Tat und wie in anderen Baukrisen der Vergangenheit sind die Minuszahlen teilweise beängstigend. Doch das strukturelle Problem, dass der soziale Wohnungsbau nicht als politisches Gewinnerthema galt und deshalb vernachlässigt wurde, ist schon Jahre, ja Jahrzehnte alt. Der Abschied des Staates von seiner Verantwortung für bezahlbare Wohnungen passierte langsam und in Raten.
Der Rückzug aus dem sozialen Wohnungsbau geschah oft unter der Überschrift einer Privatisierungsideologie, die den Staat für ein bloßes Hindernis bei der Entfaltung des freien Immobilienmarktes hielt. Nun soll er es in der aktuellen Krise aber schnell wieder richten. Durchaus zu Recht: Denn beim Einbruch des Wohnungsbaus darf man nicht einfach zusehen. Und die Bauunternehmen weisen ebenfalls zu Recht darauf hin, dass das kein Lobby-Thema ist. Aber es braucht nun auch jenseits der aktuellen Krise eine langfristig ausgerichtete Diskussion, inwieweit bezahlbarer Wohnraum ein Teil der staatlichen Daseinsvorsorge sein muss.
Für diese Daseinsvorsorge steht ein anderes Thema, bei dem es die Quittung wohl wie bei den Sozialwohnungen erst nach Jahren geben wird. Bei der zunehmend marode werdenden Infrastruktur tickt die Uhr. Immerhin: Allmählich steuert zumindest an dieser Stelle die viel geschmähte Politik etwas um.
Nicht genug, das ist wahr. Aber von der Sanierung der Deutschen Bahn bis hin zum Straßenbau gibt es in der aktuellen Baustatistik im Land erste Anzeichen, dass es bei diesen Investitionen zumindest nicht weiter abwärts geht. Auf solche langfristigen Einsichten muss man im wahrsten Sinne des Wortes aufbauen, gerade im Schatten der aktuellen Krisenmeldungen.