Einbruchschutz Damit die Angst draußen bleibt

Gerhard Hollenweger (links) zeigt, wie man sich vor Einbrüchen schützt. Foto: factum/Granville
Gerhard Hollenweger (links) zeigt, wie man sich vor Einbrüchen schützt. Foto: factum/Granville

Nach einer Serie von Einbrüchen informiert die Polizei, wie man Haus und Wohnung sicherer machen kann.

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Rutesheim - Türschlösser, Fensterverriegelungen, Gitter, sogar ein kleiner Tresor findet sich im Inneren des Last­wagens. „Der Tresor erfüllt seinen Zweck aber nur, wenn er fest in der Wand verschraubt ist“, erklärt Gerhard Hollenweger. Der Kriminalhauptkommissar arbeitet beim Polizeipräsidium Ludwigsburg im ­Bereich Prävention und ist an diesem ­Donnerstag mit dem Info-Truck des Landeskriminalamtes zum Thema Wohnungseinbrüche in Rutesheim vor Ort.

Der Platz vor der Markuskirche, gleich gegenüber von Rathaus und der großen Bushaltestelle in der Ortsmitte, ist gut gewählt. In zweieinhalb Stunden seien schon gut 20 Leute da gewesen, sagt Hollenweger. Das Thema Einbrüche treibt die Rutesheimer derzeit besonders um. Elf Mal sind allein in den Sommerferien Häuser und Wohnungen aufgebrochen worden, die Bewohner waren zu dem Zeitpunkt zumeist im Urlaub. „Wobei die meisten Einbrüche passieren, wenn die Menschen arbeiten oder etwa einkaufen sind“, erklärt Thomas Wurster vom LKA, der mit dem Info-Truck im gesamten Bundesland sowie in angrenzenden Gebieten von Bayern unterwegs ist.

Individuelle Beratung im Eigenheim

Ein Ehepaar kommt mit Fotos von ihrem Haus in den Lastwagen. Einiges ­haben sie schon an ihrem Eigenheim erneuert. „Bei anderen Dingen suchten sie noch nach Ideen, wie man da etwas sicherer machen kann. Und bei einigen Sachen war ihnen gar nicht bewusst, dass es da Pro­bleme geben kann“, berichtet LKA-Mann Wurster, der sich für das Paar gut eine halbe Stunde Zeit genommen hat.

Der Info-Truck gibt dabei nur einen kleinen Einblick in Sicherheitstechnik für Haus und Hof. Darüber hinaus bietet die Polizei auch individuelle Beratungen an – vor Ort im Eigenheim. Die hat vor Jahren auch ein Mann mittleren Alters in Anspruch genommen, der schwungvoll den Lkw betritt und Gerhard Hollenweger mit Handschlag begrüßt. Doch das Gespräch wird schnell ernst. Denn trotz zahlreicher Vorkehrungen ist vor zwei Wochen in sein Haus eingebrochen worden.

Wenn das Haus komplett durchwühlt ist

„Wir kamen gerade aus dem Urlaub zurück. Das Haus war von oben bis unten durchwühlt“, erzählt der Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte. Das Erlebnis sei für die Familie äußerst traumatisch gewesen. An den Folgen, sei es psychischer oder nur rein organisatorischer Natur, ­werden die Rutesheimer noch lange zu knabbern haben. „Dieser Fall ist aber eher ungewöhnlich“, meint Kriminalhauptkommissar Hollenweger. Zum einen sei das Haus gut geschützt gewesen. Zum anderen hätten die Einbrecher überaus viel Zeit ­investiert, um in das Gebäude zu gelangen und dort alles auf den Kopf zu stellen.

Die Familie hat Gerhard Hollenweger nun noch einmal besucht, weitere Vorkehrungen sind geplant oder schon in Arbeit. Damit irgendwann wieder ein Gefühl von Sicherheit daheim einkehren kann und die Angst ausgesperrt wird. „Viele Opfer von Einbrüchen haben am meisten daran zu knabbern, dass jemand in ihren Privat­bereich eingedrungen ist. Es dauert lange, bis sie sich davon erholen. Etwas für die ­Sicherheit zu tun, hilft dabei oft“, berichtet Hollenweger.

Jetzt beginnt die Hochzeit für Einbrüche

Gerade jetzt ist der Info-Truck viel unterwegs, denn die eigentliche Hochzeit für Einbrüche geht gerade erst los. Um sich davor zu schützen, ist nicht nur entsprechende Sicherung am Haus gefragt. „Wenn Sie länger wegfahren, lassen Sie die Mülltonne nicht draußen stehen. Sorgen Sie dafür, dass der Briefkasten regelmäßig geleert wird und geben Sie den Nachbarn Bescheid, dass diese ein Auge auf das Haus ­haben sollen“, gibt der Kriminalbeamte Tipps. Privatsphäre sei zwar wichtig, aber ein Blick des Nachbarn in den Garten könne vielleicht einen Einbruch verhindern. „Falls Sie etwas Verdächtiges beobachten, rufen Sie lieber einmal zu viel die Polizei als einmal zu wenig“, sagt Hollenweger.




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