Seit Mitte November halten Einbrecher die Polizeibeamten im Backnanger Stadtgebiet auf Trab. Die Zahl der Einbrüche ist stark angestiegen. Jetzt sind in Backnang sogar Streifen hoch zu Ross unterwegs.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)

Backnang - Die Einbruchsserie in Backnang nimmt kein Ende. Seit Mitte November 2013 schlagen die unbekannten Täter immer wieder zu. Es vergeht kaum ein Tag, an dem der Polizeibericht keinen Einbruch oder zumindest einen Einbruchsversuch vermeldet.

 

Zuletzt haben Unbekannte in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch zugeschlagen. Sie versuchten kurz nach Mitternacht, in ein Fitness-Center in der Winnender Straße einzusteigen, wurden indes von Anwohnern gestört. Am Abend zuvor, gegen 20 Uhr, hatten drei junge Männer versucht, in ein Zweifamilienhaus in der Weissacher Straße einzusteigen.

Mehr Einbrüche als in größeren Städten

In den vergangenen drei Monaten sei die Zahl der Einbrüche extrem angestiegen, sagt der Leiter des Polizeireviers Backnang, Jürgen Hamm, bei einem Pressegespräch. Seit Mitte November seien 46 Einbrüche in Geschäfte und Gaststätten in der Innenstadt sowie 27 Wohnungseinbrüche im Stadtgebiet gezählt worden. Einen genauen Prozentsatz, um den die Zahl in die Höhe geschnellt ist, konnte er allerdings nicht nennen. Zurzeit würden in Backnang mehr Einbrüche verübt als in den deutlich größeren Städten Waiblingen und Fellbach. Über die Gründe für diese Entwicklung könne er nur spekulieren.

Die Beamten haben jetzt ein Konzept erarbeitet, mit dem sie gegensteuern wollen. Zurzeit seien deutlich mehr Polizisten im Einsatz, diese kämen unter anderem von der Bereitschaftspolizei in Göppingen. Mitunter seien sogar Beamte hoch zu Ross in den Stadtgebieten auf Streife. Es gehe darum, Präsenz zu zeigen, potenzielle Täter abzuschrecken, mehr Personen zu kontrollieren und so das „subjektive Sicherheitsgefühl“ der Backnanger Bürger zu stärken.

Polizei und Stadtverwaltung arbeiten eng zusammen

Die Polizei arbeite eng mit der Stadtverwaltung zusammen, die während der Abendstunden kommunale Beamte auf Rundgänge schickt. Die Ergebnisse der Spurensicherungen nach einem Einbruch würden zentral mit anderen Ergebnissen abgeglichen – um Wiederholungstäter aufzuspüren. Die Beamten versuchten immer, unmittelbar nach der Tat mögliche Zeugen zu finden und zu befragen. Sie verteilen bei Anwohnern, die nicht daheim sind, Flugblätter und bitten so um deren Mithilfe.

Zurzeit seien auch verstärkt Beamte in Zivil unterwegs, um unerkannt zu ermitteln. Die Männer und Frauen in Uniform indes sollen für die Bürger „ein sichtbarer Ansprechpartner“ sein. Die Bürger müssten allerdings Verständnis für verstärkte Kontrollen aufbringen. Sie sollten „verdächtige Wahrnehmungen unmittelbar melden“ – lieber einmal zu oft als gar nicht. Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen sei leider gering, sie liege zwischen zehn und 16 Prozent.

Bürgermeister will eine „Kultur des Hinsehens“

Bürgermeister Michael Balzer spricht von „einem spürbaren Einschnitt seit Dezember“. Viele Bürger fühlten sich bedroht. Deshalb suchten Polizei und Stadt den engen Schulterschluss. Prävention und Zivilcourage seien gefragt. Balzer setzt auf „eine Kultur des Hinsehens“ und auf „lebendige Nachbarschaften“.

Wer sind die Täter? Revierleiter Hamm sagt, es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass die oft zitierten osteuropäischen Banden verantwortlich seien. Womöglich seien die Einbrecher in der Innenstadt immer dieselben. Doch auch für diese These gebe es keine Belege. Man stochert offensichtlich noch im Nebel. Nur eins sei ganz sicher: mit der Polizeireform, die innerbehördlich ordentlich Wirbel gemacht hat, habe die Sache nichts zu tun.

Die zehn goldenen Regeln

Prävention
Ein Einbruch in die eigenen vier Wände ist für viele Menschen ein großer Schock. Die Polizei rät allen Bürgern vorzubeugen und hat zehn goldene Regeln aufgestellt: 1. Haustüren auch tagsüber immer schließen. 2. Fremde Personen auf dem Grundstück immer ansprechen. 3. Wohnungstüren immer zweimal abschließen. 4. Schlüssel niemals außen verstecken. 5. Fenster und Balkontüren immer schließen, auch bei nur kurzer Abwesenheit. 6. Auch wenn niemand da ist: immer dafür sorgen, dass die Wohnung einen bewohnten Eindruck macht, zum Beispiel den Briefkasten leeren lassen. 7. Mit den Nachbarn wichtige Telefonnummern austauschen. 8. Bieten Sie Senioren aus der Nachbarschaft an, Sie anzurufen, wenn Fremde in deren Wohnung wollen. 9. Informieren Sie die Polizei, wenn etwas Verdächtiges passiert, aber niemals versuchen, Einbrecher festzuhalten. 10. Keine fremden Personen in die Wohnung lassen.

Infoveranstaltung
Die Stadt und die Polizei richten Ende des Monats eine Infoveranstaltung zum Thema aus, der genaue Termin soll demnächst auf der Internetseite der Stadt bekannt gegeben werden.