Eine Familie reist um die Welt Schon wieder Alltag im Paradies

Familie Zieba, gemeinsam auf Weltreise und mitten im Paradies Foto: privat

Seit fast fünf Jahren reist die Familie Zieba rund um den Globus. 23 Länder haben sie bereits gesehen. Wie sieht so ein internationales Familienleben aus?

Wer behauptet, das Paradies gäbe es gar nicht, der hat Familie Zieba noch nicht kennengelernt. 2020 waren die vier auf den Cookinseln in der Südsee. Noch nie seien sie dem Paradies näher gewesen, glauben sie und zeigen Fotos von Aitutaki, einem kleinen Atoll, das vorübergehend ihr Zuhause war.

 

Sie schwärmen von glasklarem, badewannenwarmem Wasser, das aus der Ferne so türkis leuchtete, dass sie sich niemals daran sattsehen konnten. Familie Zieba bewohnte einen Bungalow direkt am Strand. Im Garten schaukelte die Hängematte, Kokospalmen ragten über ihren Köpfen in die Höhe. Nach dem Aufwachen holten sie sich manchmal eine Kokosnuss und zerteilten sie mit der Machete, so wie die Einheimischen es ihnen gezeigt hatten.

Was wie Urlaub klingt, ist ihr Alltag

Es gab Tage, da legten sie sich stundenlang mit den Schnorchelmasken ins Wasser, beobachteten die bunten Fische, die um sie herumflitzten. „Wir kamen uns vor wie in einem Aquarium“, sagt Jackie Zieba. Was wie Urlaub klingt, ist für die Familie, die aus Iserlohn in Nordrhein-Westfalen stammt, Alltag. Seit fast fünf Jahren sind die Eltern mit ihren beiden Kindern auf Weltreise – als @Rucksackfamilie teilen sie auf Instagram ihre Abenteuer. „Solange wir alle Spaß daran haben, reisen wir weiter.“

Während sie ihre Geschichte erzählen, sitzen sie von der Sonne gebräunt vor der Laptopkamera in ihrem neuen Wohnmobil in Ulm. Zuvor staunten sie im Schwarzwald über die größte Kuckucksuhr, die je gebaut wurde. Es war ihr erster Besuch in Süddeutschland.

Ziebas reisen langsam und spontan. „Wo es uns gefällt, dort bleiben wir eine Weile“, sagt Thomas. Das Ehepaar wirkt tiefenentspannt und unaufgeregt. Wenn es etwas gelernt hat in den letzten Jahren, dann das: Alles ist möglich. Einfach machen.

Neuseeland ändert alles

„Wir haben nie von einer Weltreise geträumt“, erzählt die 39-Jährige. Es war Neuseeland, das sie erstmals in die Ferne lockte. Und dafür wollten sie sich ausreichend Zeit nehmen. Eine Idee reifte in den Köpfen. Ein Jahr auf Reisen gehen. Mehr von der Welt sehen. Thomas kündigte seine Stelle als Mechatroniker, Lehrerin Jackie ließ sich für ein Jahr freistellen.

Auch Tochter Nora wurde von der Schule beurlaubt – sie hatte damals gerade die dritte Klasse beendet. Die Ziebas verkauften ihr Haus, ihre Autos, die Möbel, sogar einen Großteil der Kleider. Nach einem Jahr würden sie in Deutschland einfach noch mal von vorne anfangen.

Sie flogen nach Thailand. Dann nach Malaysia, Indonesien, Neuseeland und Australien. Als Corona die Welt lähmte, waren sie seit acht Monaten unterwegs. Drei Wochen strandeten sie in Peru, bevor man sie nach Deutschland ausflog. Ein abruptes Reise-Ende. Als die Präsenzpflicht in den Schulen ausgesetzt wurde, überwinterten sie spontan in Portugal. Das Reisen war zu ihrer Passion geworden. Zurück in den Alltag – undenkbar.

Sie bauten sich erfolgreich ein Online-Business auf („Mein Matheweg“), mit dem sie ihre Weltreise bis heute finanzieren. Als Coachin begleitet Jackie Zieba Familien, deren Kinder grundlegende Matheschwierigkeiten haben. Ihr Mann kümmert sich um IT und Infrastruktur.

Ein neues Leben

Das Leben wurde ein anderes. Sie meldeten sich von Deutschland ab, starteten zu einer Open-End-Reise. Die Kinder wurden zu Freilernern, für sie gilt die Schulpflicht nicht mehr. Die Eltern finden das nicht ungewöhnlich. In vielen Ländern sei Homeschooling normal. „Wir machen Worldschooling.“

Ohnehin könne keine Schule das Wissen vermitteln, das eine Weltreise ihnen schenke. Die Kinder, mittlerweile neun und 13 Jahre alt, schauten über den Tellerrand, seien neugierig und offen gegenüber fremden Kulturen. „Sie können sich schnell an neue Situationen und Umgebungen anpassen.“

Beide sprechen fließend Englisch, und auch auf Spanisch könnten sie sich unterhalten. „Sie wissen, dass es unterschiedliche Lebensweisen gibt, dass wir in Deutschland privilegiert sind.“ Die Eltern vermitteln ihren Kindern auch, dass Materielles nicht glücklich macht. Wird etwas Neues gekauft, wird etwas anderes aussortiert. Erdkunde müssten sie nicht unterrichten, sagt Jackie Zieba. Die Kinder haben 23 Länder gesehen. Sie tauschen sich mit den Eltern darüber aus, welche Sprachen wo gesprochen werden, welche Währungen es gibt, auch über die politische Lage.

Die Welt erfahren

Als sie in Buenos Aires in eine Demonstration gerieten, beschäftigten sie sich mit den Gründen. Am meisten beeindrucken Nora und Tommy Begegnungen mit wilden Tieren. Die Orang-Utans auf Borneo, die Kängurus und Emus in Australien mitten im Nirgendwo. In Indonesien näherten sie sich zweieinhalb Meter großen Komodowaranen, in Mexiko beobachteten sie Buckelwale.

Nora berichtet regelmäßig online von ihren Abenteuern. Vor einem Jahr hat sie das Weltreisemagazin „Teens“ gegründet. Einmal in der Woche gibt es eine Redaktionskonferenz mit Kindern, die wie sie die Welt bereisen. Auf Freundschaften müssten sie nicht verzichten, sagen Jackie und Thomas Zieba. „Wir sind gut vernetzt, treffen uns regelmäßig mit anderen Reisenden.“ Nora sei zudem online an einer US- Highschool eingeschrieben, in spätestens vier Jahren könne sie ihren Abschluss machen und studieren.

„Einfach machen!“

Manchmal besuchen die Kinder für mehrere Wochen Schulen oder nehmen an Schulprojekten teil, etwa in Spanien. Als sie sich feste Lerngruppen wünschten, gründeten Ziebas eine Online-Schule, die sie mittlerweile in andere Hände weitergegeben haben.

Ihr Ratschlag für Familien, die mit einer Weltreise liebäugeln: „Macht es!“, rufen beide wie aus einem Munde. „Nicht zu viel nachdenken. Auf das Positive konzentrieren. Man findet so viele Gründe, warum es nicht geht“, sagt Jackie Zieba. Wichtig sei, die Kinder immer in die Reisepläne miteinzubeziehen. Afrika wollen sie noch bereisen. Die Kanaren. Griechenland. Der Sonne hinterher.

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