Eine Liebeserklärung Ti amo, Leichtigkeit!

Unsere Autorin berichtet von ihrem ersten Café-Besuch nach Monaten und wie sich das anfühlt, wieder leicht zu sein.  Foto: Laura Müller-Sixer
Unsere Autorin berichtet von ihrem ersten Café-Besuch nach Monaten und wie sich das anfühlt, wieder leicht zu sein. Foto: Laura Müller-Sixer

Die Inzidenz-Werte sinken, die Temperaturen steigen und der Sommer kündigt sich an. Leichtigkeit liegt in der Luft – zumindest ein kleiner Hauch. Danach hat sich unsere Autorin lange gesehnt. Eine Liebeserklärung.

Stadtkind: Laura Müller-Sixer (six)
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Stuttgart – „So fühlt sich das also an“, denke ich, als ich zum ersten Mal seit Monaten mit Kaffee, Buch und Sommerwind in den Haaren vor einem Café sitze. Es tut gut, die Menschen dabei zu beobachten, wie sie sich wieder aneinander gewöhnen müssen, an das Aufeinandertreffen, das miteinander Draußensein. Und ich bin mittendrin, ein Teil davon. 

Herantasten an die neue Leichtigkeit 

Unsicher, ja fast schon ungeschickt, bewegen sich die Stuttgarter:innen an diesem Morgen zwischen Eisdiele, Fahrradfahrern, Kinderwägen und den aufgebauten Tischen in der Sonne. Als müssten sie das erst wieder lernen, als hätten sie vergessen, wie das geht. Nach einem Jahr auf dem Boden der Tatsachen dürfen wir endlich wieder die Haftung verlieren. 

Es ist ein Herantasten – an den Sommer, an die wiedergewonnene, vielleicht sogar neue Leichtigkeit. Verrückt, wenn das vertraute Gewöhnliche plötzlich so ungewöhnlich fremd erscheint.

Ein Bekannter läuft vorbei und fragt mich im Vorbeigehen, wie es mir geht. Ich antworte: „Gut“, stelle keine Gegenfrage und merke, während ich meinen Kaffee umstoße, dass ich Smalltalk verlernt habe. Neben mir weint ein Kleinkind, ein verärgerter Mann beschwert sich, dass sein negativer Schnelltest erst seit einer Stunde abgelaufen sei und meine Verabredung schreibt mir auf WhatsApp: „Mist, Maske vergessen.“ 

Leichtigkeit, bitte bleib noch eine Weile!

Es fühlt sich chaotisch an, der erste Tag hier draußen, aber auch schön. Schön, belanglos und genau deswegen so bedeutungsvoll. Weil uns von heute auf morgen genommen wurde, was wir für selbstverständlich hielten: diese kleinen zwischenmenschlichen Momente, das Leichtsein. Vielleicht laufen wir deswegen noch wie auf rohen Eiern, weil wir nicht glauben können, dass sie zurückgekommen ist: Leichtigkeit, bitte bleib noch eine Weile!




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