Eine Stuttgarter Mutter erzählt Nach der Elternzeit in die Schuldenfalle – „Mir wuchs alles über den Kopf“

Durch unglückliche Umstände ist Andrea M. in die Schuldenfalle geraten. Hilfe hat sie bei der Zentralen Schuldnerberatung Stuttgart bekommen (Symbolbild). Foto: imago/Mc photo

Andrea M. hat nie über ihre Verhältnisse gelebt. Doch dann verliert sie ihren Job und gerät in eine Schuldenspirale. Wie sie es wieder herausgeschafft hat.

„Ich hatte das Gefühl, es wächst mir alles über den Kopf und ich komme da nie raus.“ So schildert Andrea M. (Name geändert) ihre Erfahrungen aus der Schuldenzeit. „Ich habe noch so viel wie möglich zurückgezahlt, aber dann gemerkt, dass ich die Zinsen gar nicht mehr tilgen und ich das alleine nicht mehr stemmen kann“, erzählt sie. Das war der Punkt, an dem sie vor drei Jahren beschlossen hat, sich Hilfe bei der Schuldnerberatung zu holen.

 

Hinter der Zentralen Schuldnerberatung Stuttgart steht ein Trägerverbund aus Caritasverband, Evangelischer Gesellschaft und Prävent Sozial. Hier werden Klienten wie Andrea M. beraten, die es aus eigener Kraft nicht mehr aus der Schuldenfalle schaffen.

„Dieser Schritt war eher erleichternd, denn die ganze Kommunikation, die ganzen Drohbriefe von den Gläubigern und den Insolvenzkassen konnte ich einfach nur weiterleiten.“

Andrea M. über ihre Erfahrungen mit ihrem Schritt zur Schuldnerberatung

„Dieser Schritt war eher erleichternd, denn die ganze Kommunikation, die ganzen Drohbriefe von den Gläubigern und den Insolvenzkassen konnte ich einfach nur weiterleiten“, sagt sie. Drei Jahre lang wurde Andrea M. nun von einem Schuldnerberater unterstützt. Er hat an ihrer Stelle den Kontakt zu den Gläubigern aufgenommen und sich einen Überblick verschafft, welche Rechnungen noch offen sind.

Die 41-Jährige hat Schulden bei zwei Banken, bei einer Firma und ihrem Ex-Vermieter. Der Berater kündigte Andrea M. die nächsten Schritte jeweils an und informierte sie über die neuesten Entwicklungen, beispielsweise ob sich die Gläubiger gemeldet hätten. Über drei Jahre hinweg hatte die Stuttgarterin, die heute im sozialen Bereich arbeitet, sechs persönliche Beratungsgespräche, der restliche Kontakt verlief über E-Mails. Ihre Beratung ist nun abgeschlossen und ein Privatinsolvenzverfahren eingeleitet. Nach drei Jahren kann sie schuldenfrei sein – vorausgesetzt, die Verfahrenskosten von 2000 Euro sind abbezahlt.

So geriet Andrea M. in die Schuldenfalle

In die Schuldenfalle ist Andrea M. trotz eines vermeintlich sicheren und gut bezahlten Jobs geraten. Nach ihrer Elternzeit wollte sie zu ihrer damaligen Arbeitsstelle zurückkehren. „Von meinem Arbeitgeber hieß es, in Teilzeit kann man die Stelle nicht besetzen. Und dann habe ich einvernehmlich den Aufhebungsvertrag unterschrieben“, erzählt die 41-Jährige. Hauptgrund für die Schulden war jedoch ihr Ex-Freund. „Ich hatte einen Partner, der Spielprobleme hatte“, sagt sie. „Ich habe alles allein finanzieren müssen: die Wohnung, das Essen, die Versorgung meiner kleinen Tochter.“ Bald war das Geld aufgebraucht. Die Mutter einer heute siebenjährigen Tochter hatte allerdings einen hohen Dispokredit, den sie ausreizte, dann aber nicht abbezahlen konnte.

Die Zeit während der Schuldnerberatung war aber nicht nur mit Erleichterung und Entlastung verbunden, sondern auch von ziemlich schwierigen Situationen geprägt. In solchen Momenten stand ihr der Berater zur Seite. „Er hat mich heruntergebracht und mich beruhigen können“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich habe mich immer gut wertgeschätzt gefühlt“.

Andrea M. hat gemeinsam mit ihrem Schuldnerberater ein Privatinsolvenzverfahren eingeleitet (Symbolbild). Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa-Ze

Ihrer Tochter will sie eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen. „Ich versuche, meine Tochter das gar nicht spüren zu lassen“, erzählt die alleinerziehende Mutter. Durch den Kinderzuschlag, die Bonuskarte und die Unterstützung von Organisationen wie Children First kann die Kleine eine Musik- und Tanzschule besuchen. Auch an einem vergünstigten Schwimmkurs konnte sie teilnehmen und sie erhielten günstigere Tickets für Kulturveranstaltungen wie die Pferdeshow „Cavalluna“.

Andrea M.s Alltag unterscheidet sich nicht merklich von dem anderer Menschen. „Ich kaufe nach Angeboten und gehe nicht jeden zweiten Tag Kaffee trinken“, erzählt sie. „Mit meinem Umfeld essen wir lieber gemeinsam bei einem zu Hause zu Abend, anstatt ins Restaurant zu gehen.“

Eigentlich geht sie verantwortungsvoll mit Geld um

In Zukunft will sie keine Kredite mehr aufnehmen, sondern erst dann etwas kaufen, wenn sie genug Geld gespart hat. Bei Andrea M. waren es unglückliche Umstände, die sie in finanzielle Nöte gebracht haben – obwohl sie eigentlich verantwortungsvoll mit Geld umgeht und früher nie mehr ausgab als ihr zur Verfügung stand. „Eigentlich weiß ich, wie es geht, deswegen ist es auch so blöd, dass ich überhaupt in so eine krasse Verschuldung gerutscht bin.“

Verfahren dauert meist drei Jahre

Privatinsolvenz
Der offizielle Name der Privatinsolvenz lautet Verbraucherinsolvenzverfahen. Es kommt zum Einsatz, wenn Privatpersonen ihre Schulden nicht mehr bezahlen können und es keine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern gibt. Das Verfahren vor dem Insolvenzgericht dauert in Deutschland in der Regel drei Jahre. Während dieser Zeit gelten bestimmte Regeln. Wenn die Betroffenen sich daran halten, erlässt das Gericht am Ende die restlichen Schulden und ermöglicht somit einen Neuanfang.

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