Einer der größten Arbeitgeber in Waiblingen Warum Syntegon seinen Stammsitz in die Schweiz verlegt

Auch die Liegenschaft in der Stuttgarter Straße soll aufgegeben werden. Foto: Gottfried Stoppel

Der Verpackungsspezialist Syntegon will seinen Stammsitz in Waiblingen aufgeben und in die Schweiz verlagern. Direkt betroffen sind laut dem Management lediglich zehn bis 20 der insgesamt rund 700 Mitarbeiter. Doch auch auf den Rest kommen Veränderungen zu.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Die Einleitung des Managements zu den anstehenden Veränderungen liest sich wie eine Erfolgsgeschichte. Seit der Ausgliederung aus der Bosch-Gruppe vor vier Jahren habe sich Syntegon als eigenständiges Unternehmen erfolgreich als Technologiepartner für die globale Pharma- und Food-Industrie etabliert, lässt diese verlauten. Nun aber gelte es, das Wachstumstempo zu erhöhen und die marktführende Position weiter auszubauen.

 

Beringen nahe Schaffhausen in der Schweiz

Um diese, wie es in einer Stellungnahme heißt, „langfristigen Wachstumsambitionen zu untermauern“, ist ein Börsengang geplant – und zwar in der Schweiz. Auserkoren dazu ist der Standort Beringen, nahe Schaffhausen, wo bereits seit 60 Jahren eine Historie gepflegt werde, wenn auch erst seit 2004 unter dem Syntegon-Dach. Die Geschäftsbereiche „Food sowie Service & Digital Solutions“ des weltweit agierenden Unternehmens sind dort angesiedelt. Unter anderem geht es um flexible Robotik-Lösungen für Süßwaren, Nahrungsmittel sowie pharmazeutische und medizinische Produkte.

Nun soll im kommenden Jahr auch der Unternehmenssitz dorthin verlagert werden. Zumindest auf dem Papier – denn die Verlagerung betrifft laut der Unternehmensleitung operativ nur eine „sehr geringe Anzahl von Mitarbeitern“. Die Rede ist von zehn bis 20 Kollegen in „ausgewählten Verwaltungsfunktionen“.

Umzug „im Raum Waiblingen“ geplant

Doch auch auf den Rest der insgesamt rund 700 Beschäftigten in Produktion und Entwicklung am bisherigen Stammsitz in Waiblingen kommen wohl Veränderungen zu. Denn von der Liegenschaft an der Stuttgarter Straße, die man sich mit anderen Untermietern teilt, will man sich trennen. Dem Vernehmen nach müsste dort erheblich in das Gebäude investiert werden.

Stattdessen will man an anderer Stelle, aber „im Raum Waiblingen optimale Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen“, wie es heißt. Mögliche neue Standorte sollten in räumlicher Nähe zum bisherigen liegen, „eine dynamische und kollaborative Atmosphäre in einer modernen Arbeitsumgebung ermöglichen und die jeweiligen Ansprüche der unterschiedlichen Aktivitäten und Geschäftsfelder optimal erfüllen“, so das von Torsten Türling, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, ausgegebene Anforderungsprofil. Gespräche zu einigen geeigneten Objekten würden bereits geführt.

Torsten Türling ist seit einem Jahr der Vorsitzende der Geschäftsleitung bei Syntegon. Foto: Syntegon

In Waiblingen entwickelt, produziert und vertreibt Syntegon aktuell Lösungen für die Pharma- und Nahrungsmittelindustrie. Ein Fokus liegt auf Technologien für die Verarbeitung von Tabletten und Kapseln, im Fachjargon OSD (oral solid dosage) genannt. Sogar ein entsprechendes Kundenzentrum ist in der Stuttgarter Straße angesiedelt.

Für die Nahrungsmittelindustrie umfasst das Portfolio Verpackungslösungen für trockene Güter wie Kaffee und Mehl. Eine besondere Kompetenz spricht man sich für den Bereich nachhaltiger Verpackungslösungen zu. Auch Serviceleistungen wie präventive Wartung und Ersatzteilmanagement werden in Waiblingen erledigt.

Betriebsrat hofft auf eine Immobilie für alle

Das alles aber soll nun – wenn auch in die nähere Umgebung – verlagert werden. Das Management habe den Betriebsrat in seine Überlegungen bewusst zu einem Zeitpunkt eingebunden, an dem die Ausgestaltung endgültiger Lösungen noch möglich sei, und arbeite mit ihm konstruktiv und vertrauensvoll zusammen, heißt es in einer Mitteilung.

Ob den Arbeitnehmervertretern tatsächlich ein Mitgestaltungsspielraum eingeräumt werde, könne man natürlich erst am Ende der Verhandlungen beurteilen, sagt der Betriebsratsvorsitzende Matthias Ihl. Man würde sich wünschen, dass eine Liegenschaft gefunden werde, in der alle Kollegen und Kolleginnen unterkämen – und, dass am Ende der Umzüge weiterhin alle einen Arbeitsplatz bei Syntegon haben und sich die Konditionen nicht verschlechtern.

Gewerkschaft geht nicht von Standortschließung aus

Susanne Thomas, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ludwigsburg/Waiblingen, geht nicht davon aus, dass es der Unternehmensleitung mit den jetzt angedachten Maßnahmen darum gehe, den Produktions- und Entwicklungsstandort Waiblingen aufzugeben oder dort Personal abzubauen. Die Verlagerung des Firmensitzes in die Schweiz und der damit einhergehende Wunsch, dort an die Börse zu gehen, sei isoliert von der geplanten Aufgabe der Immobilie an der Stuttgarter Straße zu betrachten.

Von Bosch zu Syntegon Technology

Firmengeschichte
Syntegon ist vor 55 Jahren als Robert Bosch Apparatebau GmbH gegründet worden. Nach dem Verkauf der Bosch-Verpackungssparte an die luxemburgische Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners entstand 2020 Syntegon Technology als eigenständiges Unternehmen.

Unternehmensdaten
Syntegon Technology beschäftigt laut eigenen Angaben rund 6300 Mitarbeiter an 39 Standorten 17 Ländern. Am (bisherigen) Hauptsitz in Waiblingen sind rund 700 Menschen beschäftigt. Vorsitzender der Geschäftsleitung ist Torsten Türling, der den Posten von Michael Grosse übernommen hat, der das Unternehmen im Oktober vergangenen Jahres verlassen hatte.

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