Plüschtiere auf dem Taufstein, ein verkleidetes Schaukelpferd: In Hildrizhausen fand am Sonntag ein Einhorngottesdienst statt. Nicht nur der Pfarrer Andreas Roß war begeistert.
Ein riesiges aufblasbares Einhorn-Schlauchboot, das im Chorraum direkt ins Auge fiel, und ein liebevoll als Einhorn verkleidetes Schaukelpferd, das inmitten von weiteren Plüschexemplaren auf dem altehrwürdigen Taufstein thront – wer am Sonntagvormittag die altehrwürdige Nikomedeskirche in Herzen von Hildrizhausen betrat, merkte sofort, dass ein besonderer Gottesdienst stattfinden wird.
Nicht nur wegen der außergewöhnlichen Deko im Kirchenraum, sondern auch, weil viele Kinder, die mit ihren Eltern in den Kirchenbänken Platz nahmen, auch einen plüschigen Freund in Pferdegestalt mit weißem Fell, regenbogenfarbener Mähne und Horn in der Stirnmitte im Arm hatten.
Keine Predigt, viel Bewegung
„Das Einhorn stand früher in der Bibel“ – und zwar rund 2000 Jahre lang, begrüßte Pfarrer Andreas Roß die großen und kleinen Besucher, nachdem Elisabeth Büchner zu Beginn thematisch passend das Lied „The last Unicorn“ angestimmt hatte. Viel gemeinsamer Gesang prägte auch den weiteren Verlauf des knapp einstündigen Gottesdienstes.
Wobei die Liedauswahl auch dafür sorgte, dass sich die Kinder immer wieder bewegen konnten – langes Stillsitzen gab es nicht. Auch eine klassische Predigt fehlte. Stattdessen liehen Heike Ludwig und Marion Doege ihre Stimmen zwei Großpuppen.
Diese beiden Kinder „Niko“ und „Medes“ kamen in drei kurzen Sequenzen jeweils ausgehend von Nikos Stoffeinhorn, das für viele Kinder ein Helfer und vertrauter Begleiter ist, auf Gott zu sprechen. Zuerst auf den Beschützer, der da ist, auch wenn er nicht zu sehen ist, dann auf Gott, den Helfer und zuletzt darauf, dass Gott immer bei den Menschen ist. Das biblische Zeichen des Regenbogens stehe für diese Botschaft – eine weitere, die im wahrsten Sinne des Wortes einen Bogen zum Einhorn schlägt, die heute oft mit einer Mähne in diesen Farben dargestellt werden.
Ein Regenbogen zum Zusammensetzen
Eine Mitmachaktion, bei der die Kinder in der Kirche die Einzelteile eines Papp-Regenbogens suchen durften, der dann gemeinsam zusammengesetzt wurde, bildete den letzten Höhepunkt des Gottesdienstes. Im Anschluss gab es für die Erwachsenen Kaffee und Kuchen – und für die Kinder, wie sollte es anders sein, ein Einhorneis. Je nach Wunsch wurde dabei die Kugel Vanille oder Schoko in der Waffel noch in kunterbunte Zuckerstreusel getaucht.
Pfarrer Andreas Roß strahlte mit der Sonne um die Wette. Es sei begeistert von der Lebendigkeit des Gottesdienstes, sagte er. Es war nicht der einzige Gottesdienst zu diesem Thema, den Pfarrer Andreas Roß am Sonntag über das beliebte Fabelwesen, das einst durch einen Übersetzungsfehler in die Bibel kam und erst vor rund 60 Jahren in der Lutherbibel durch „Wildstier“ ersetzt wurde, gehalten hat.
Der Pfarrer und sein Podcast
Zuvor war er in Rohrau bei einem Gottesdienst, der sich an Erwachsene richtete, auf die Hintergründe des Einhorns in der Bibel und dessen christliche Deutung eingegangen. Wer mehr darüber erfahren möchte, ist beim Podcast „Hoffnungswort“ richtig. Seit fünf Jahren gibt es unter www.hoffnungswort.de direkt sowie bei weiteren Podcast-Anbietern die Predigten von Pfarrer Andreas Roß zum Nachhören.