Einigkeit bei „Anne Will“ Eine Chance für Steinmeier

In der Sendung „Anne Will“ ging es am Sonntagabend um Frank-Walter Steimeier als neuen Bundespräsidenten. Foto: NDR
In der Sendung „Anne Will“ ging es am Sonntagabend um Frank-Walter Steimeier als neuen Bundespräsidenten. Foto: NDR

Steinmeier ist der richtige Mann für das Amt des Bundespräsidenten - darin sind sich am Sonntagabend alle Gäste von ARD-Talkerin Anne Will einig. Für unerlässlich hält die Runde aber eine volksnahe Sprache und driftet immer wieder in eine Diskussion über Populisten ab.

Berlin - Die SPD im Aufwind: Mit Frank-Walter Steinmeier wird ein Sozialdemokrat neuer Bundespräsident, hinter dem auch die Union steht - allen voran Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Die große Zustimmung wurde am Sonntagabend bei „Anne Will“ noch einmal deutlich. Die Talkrunde war sich nur wenige Stunden nach der Wahl einig: Steinmeier verdient eine Chance. Für unerlässlich hielten die Gäste mehrheitlich aber eine neue politische Sprache - und so driftete die Runde immer wieder in Diskussionen über Populismus und Politikverdrossenheit ab.

Im Anschluss an den Wahltag in Berlin diskutierte Talkmasterin Will mit ihren Gästen die Frage „Bundespräsident Steinmeier - Der richtige Mann in rauen Zeiten?“. Zu Gast waren gleich drei Politiker: die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer und Linken-Bundestagsabgeordneter Gregor Gysi. Ulf Poschardt, Chefredakteur von WeltN24, und Shermin Langhoff, die Intendantin des Maxim Gorki Theaters Berlin, komplettierten die Runde. Langhoff nahm am Sonntag als Entsandte aus Kunst und Kultur ebenfalls an der Bundespräsidentenwahl teil.

CSU-Mann Scheuer war eindeutig im Wahlkampfmodus und betonte gleich zu Beginn, die Union habe „heute vor allem einen erfahrenen Politiker, eine Person, und keinen Sozialdemokraten gewählt“. Er „muss sich beweisen“. Als wichtige Aufgaben nannte Scheuer Fragen zu Europa und das Verhältnis zu den USA und Russland.

Auch der Linke Gysi wollte dem künftigen Bundespräsidenten „eine Chance“ einräumen. Aber er müsse „wirklich am Zeitgeist arbeiten“. Es komme viel auf ihn zu - die Linke hatte mit dem Politologen Christoph Butterwegge einen eigenen Kandidaten aufgestellt.

Es sei kein Nachteil, dass mit Steinmeier nun ein „Berufspolitiker“ Bundespräsident werde, betonte Kraft. Er habe viel Lebenserfahrung, und in diesen Zeiten brauche man „Brückenbauer“, sagte sie. „Und das kann er.“

Auch Gysi drängte auf eine volksnahe Sprache,

Dass die Unionsparteien im Vorfeld trotz langer Gespräche keinen eigenen Kandidaten finden konnten, nannte Journalist Poschardt eine „Blamage“. Der SPD und Sigmar Gabriel sei mit der Nominierung Steinmeiers ein Coup gelungen. CSU-Generalsekretär Scheuer nannte es hingegen „Quatsch“, von einer Krise der Union zu sprechen. Die Aufstellung Steinmeiers als gemeinsamen Kandidaten der Koalition aus SPD und Union sei auch kein „Geschachere, so wie Sie das jetzt sagen“. Man habe das beste Signal an die Republik senden wollen und das sei, dass man „sich einigen kann“.

Einigkeit herrschte darin, dass die Politik auch sprachlich stärker auf die Menschen zugehen müsse. Poschardt meinte, Steinmeier müsse „neue Wege in der Rhetorik“ gehen. „Die Sprache der Politik hat ihre Grenzen.“ Man müsse wie Steinmeiers Vorgänger Joachim Gauck eine andere, eine „Sprache der Leute“ annehmen. Dabei dürfe man die Emotionen nicht den Populisten überlassen.

Auch Gysi drängte auf eine volksnahe Sprache, Politiker müssten übersetzen. „Wir müssen eine Sprache finden, die die gesamte Bevölkerung versteht.“ Er wolle keinen Bundespräsident, der langweilige Reden hält, „sondern der Klartext spricht“. Eine einfache Sprache sei nichts Schlechtes, sei nicht populistisch. „Populismus ist für mich nicht, dass man einfach spricht, sondern dass man einfach spricht und weiß, dass es falsch ist.“

Und so ging es in der einstündigen Talkshow auch immer wieder um den Einfluss von Populisten, um den Erfolg der Rechten in Europa und um die AfD und deren Wähler. Langhoff wünschte sich daher von Steinmeier, auch die Menschen zu integrieren, „die nach rechts abgedriftet sind“.




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